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Aus: Ausgabe vom 08.05.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Chilimakkaroni

Von Maxi Wunder

Roswitha blickt kritisch in den Laptop, unser letztes Video hat genau einen Kommentar bekommen und den ausgerechnet von Camouflage-Torben. »Der rechte Seppel hat uns noch gefehlt. Applaus von der falschen Seite, würde ich sagen. Wieso findet der uns überhaupt gut?« Camouflage-Torben war oft zu Gast in »Udo’s Probierstübchen«, wo er sich mit unserem Chef regelmäßig ideologische Debatten geliefert hat. Inzwischen ist das Stübchen zu, Torben weiß nicht, wohin, und nun »folgt er uns auf Instagram«.

»Okay, Rossi, schauen wir’s noch mal an: Du kratzt Udo den Rücken und er dir, und dann kommt Musik und die Reklame für die Antijuckkräutersalbe. Daran ist eigentlich nichts Rechtes oder AfD-mäßiges, oder?« – »Wer weiß? Rückenkratzen war womöglich ein Germanenkult. Machen das nicht auch Affen?« Die Tür klackt, Udo kommt nach Hause. »Mädels, ich hab’ einen Durst!« Unser Exchef ist nach seiner coronabedingten Pleite als Gastronom auf »Plattformökonomie« umgestiegen und arbeitet jetzt als »Crowd­worker«. D. h., er konkurriert mit anderen Köchen um digital vergebene Aufträge als Mietkoch für reiche Leute. »Was Wildes und was Scharfes wollten die Damen und Herren Villenbesitzer heute abend. Und mitessen sollte ich auch, mir brennt jetzt noch das Maul«:

Sizilianische Chilimakkaroni

Fünf rote Chili waschen, halbieren, entkernen und in kleine Stücke schneiden. Eine Zwiebel und eine Knoblauchzehe schälen und fein würfeln. Zwei EL frische Kräuter dazu, am besten Basilikum, Rosmarin und Salbei. Die Zutaten in 2 EL Chiliöl und 3 EL Erdnussöl braten, bis die Zwiebeln glasig sind. Dann 200 g Pizzatomaten aus der Dose und etwas Salz und Cayennepfeffer dazugeben. Parallel einen halben Liter Gemüsebrühe kochen. Da hinein 5 EL roten Traubensaft, 1 EL Apfelessig und zwei EL Kapern geben. Nun alles zusammen bei milder Hitze ca. 10 Minuten schmoren. 500 g Makkaroni nach Packungsanweisung zubereiten und mit der scharfen Sauce anrichten.

»Sogar die Vorspeise musste ich pfeffern«:

Wilder Spargel mit Erdbeeren

600 g wilden Spargel waschen, Enden abschneiden und die Stangen in ca. 3 cm lange Stücke schneiden. In kochendem Salzwasser bissfest garen und abgießen. 250 g Erdbeeren waschen, putzen und vierteln. Drei EL Orangensaft mit 100 g Crème fraîche, zwei EL Estragonessig und zwei EL Speiseöl verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Spargel und Erdbeeren in einer Schüssel mischen, die fruchtige Salatsauce darüber geben und mit einem TL grünem Pfeffer garnieren.

»Und das Dessert?« – »Fichi caldi« (heiße Feigen). »Auch mit grünem Pfeffer, aber nicht zu knapp. Wah!« Angeekelt stürzt er sein Bier runter. »Udo, du musst jetzt tapfer sein, es ist was passiert«, sage ich zerknirscht. »Wir wurden in die rechte Ecke gestellt. Camouflage-Torben hat unseren Kanal abonniert und das Antijucksalbenvideo gelikt.« – »Bestreut ihn mit grünem Pfeffer, dann hört er auf.« Udo zeigt sich unbeeindruckt. »Ich lass’ mir doch am Tag der Befreiung vom Faschismus von dem Bengel nicht die Laune verderben. Was hat er denn geschrieben?« – »Heil, Kräuter!«

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