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Aus: Ausgabe vom 08.05.2021, Seite 4 / Inland
Befreiung vom Faschismus

Wer nicht feiert, hat verloren

Bundestag macht Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus weiterhin nicht zum Feiertag. Viele Gedenkveranstaltungen im Bundesgebiet
Von Markus Bernhardt
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Auch die VVN-BdA fordert, den Jahrestag der Befreiung vom Faschismus künftig als offiziellen Feiertag zu begehen

In einer Reihe bundesdeutscher Städte finden am Sonnabend Gedenkveranstaltungen und -kundgebungen anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung Deutschlands vom Faschismus statt. Damals, in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 hatten Offiziere der Wehrmacht in Berlin-Karlshorst die Kapitulation im Zweiten Weltkrieg besiegelt.

Am Donnerstag hatte sich auch der Bundestag einmal mehr mit der Forderung der Linksfraktion befasst, den geschichtsträchtigen Tag bundesweit zum Feiertag zu machen. Jedoch sprach sich die Mehrheit der Abgeordneten – gegen die Stimmen von Linksfraktion und Bündnis 90/Die Grünen – einmal mehr gegen Vorschlag aus, dem 8. Mai den Status eines Gedenktages zu verleihen. »Wieder wurde unser Antrag im Bundestag abgelehnt, den 8. Mai als bundesweiten gesetzlichen Gedenktag einzuführen. Auch wenn die Regierungsparteien immer noch nicht die Bedeutung des Tages der Befreiung verstanden haben oder sie es nicht verstehen wollen, wir gedenken und feiern an vielen Orten«, betonte die Linke-Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch am Freitag auf jW-Anfrage. In Lichtenberg starte man am Sonnabend mit einer Rückbenennungsaktion der »Straße der Befreiung«, kündigte die Parlamentarierin an.

Die Linksfraktion, die bereits seit Jahren versucht, ihrer Forderung im Parlament Nachdruck zu verleihen, hatte ihren neuerlichen Antrag insbesondere damit begründet, dass »in absehbarer Zeit keine Zeitzeugen der NS-Vergangenheit mehr berichten könnten«. Daher sei »die Etablierung eines die gesellschaftspolitische Diskussion anregenden Gedenktages von besonderer Bedeutung«. Zudem solle ein Datum »von so herausragender historischer Bedeutung« auch »angemessen gewürdigt werden«.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) betonte anlässlich des diesjährigen Jahrestags in einer Erklärung, dass Erinnerung und Gedenken nicht folgenlos bleiben dürften. »Gemeinsam müssen wir Nazis und Rassistinnen und Rassisten entschieden entgegentreten – auf der Straße, in den Parlamenten und in den Institutionen«, so die Nazigegner. Gemeinsam mit ihrer Ehrenpräsidentin Esther Bejarano erneuerte auch die VVN-BdA die Forderung, den 8. Mai zu einem Feiertag zu machen, »an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann«. Das sei »überfällig seit sieben Jahrzehnten«, schrieb der Verband auf seiner Homepage.

Tatsächlich findet die Forderung immer mehr Unterstützerinnen und Unterstützer. So sprach sich unlängst auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Rheinland-Pfalz dafür aus, den 8. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Am 8. Mai 1945 seien »Deutschland und Europa von Krieg, Faschismus und Nazibarbarei befreit« worden, erklärte der GEW-Landesvorsitzende am Freitag in Mainz. Deshalb unterstütze die GEW zusammen mit allen anderen Gewerkschaften des DGB die Forderung, den 8. Mai als gesetzlichen Feiertag zu einem Tag gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung in jeder Form zu machen.

Neben Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, die den 8. Mai bereits als Gedenktag anerkennen, hatte auch Berlin den 8. Mai anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung im letzten Jahr einmalig als Feiertag begangen. In diesem Jahr ruft die VVN-BdA für Sonntag, den 9. Mai, zu einem Fahrradkorso zum Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park auf, der um 12 Uhr am Ehrenmal in der Schönholzer Heide startet. Das Deutsch-Russische Museum gedenkt in diesem Jahr mit einem Podcast, in dem Memoiren und Erinnerungsberichte vom Abend der Kapitulation zu hören sein werden.

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