1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Freitag, 25. Juni 2021, Nr. 144
Die junge Welt wird von 2552 GenossInnen herausgegeben
1.000 Abos für die Pressefreiheit! 1.000 Abos für die Pressefreiheit!
1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 07.05.2021, Seite 11 / Feuilleton
Corona

Keine Babys im Shutdown

Von Bernhard Spring
imago0100225483h Kopie.jpg
Von wegen Coronababyboom: Eine Geburtsstation in Düsseldorf

Alle Zeichen standen auf Babyboom, doch die Zahl der Geburten ist im vergangenen Jahr nicht gestiegen. Im Gegenteil: 2020 sind bundesweit sogar rund 5.000 Babys weniger geboren worden. Dabei waren die Voraussetzungen ideal: Zahlreiche Männer im zeugungsfähigen Alter arbeiteten nur noch halbtags dank Kurzarbeit, der Shutdown reduzierte das Freizeitangebot, und pandemiebedingte Werksschließungen in Malaysia sorgten dafür, dass die Kondomproduktion einbrach.

Doch offenbar war das Netflix-Programm im Shutdown interessanter als die Aussicht auf Sex. Und das aus gutem Grund: Wer den Tag notgedrungen gemeinsam im Homeoffice verbringt, hält sich zumindest abends lieber auf Abstand. Und die jüngsten Homeschooling-Erfahrungen scheinen sich eher negativ auf die vielgerühmten Steherqualitäten des deutschen Mannes ausgewirkt zu haben.

Damit ist er nicht allein: In ganz Europa fielen im vergangenen Jahr die Geburtszahlen. In Frankreich wurden so wenige Kinder geboren wie seit dem Abzug der deutschen Truppen 1945 nicht mehr. In Italien wurden seit der Gründung 1861 noch nie so wenig Geburten registriert: Die Bevölkerungszahl sank inzwischen unter die magische 60-Millionen-Grenze.

Die Daten lassen sich nun unterschiedlich interpretieren. Positiv für viele Paare ist sicherlich die Erkenntnis, dass Sex eben nicht immer die Lösung aller Probleme ist. Negativ wiegt die fortschreitende Überalterung des alten Europas. Vielleicht ist es aber auch gar nicht so dramatisch, immerhin arbeiten viele Ämter häufig noch verkürzter als sonst schon. Gut möglich, dass die ein oder andere Geburt noch nachgemeldet werden muss.

1.000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Mehr aus: Feuilleton