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Aus: Ausgabe vom 06.05.2021, Seite 5 / Inland
Arbeitskampf

Drucker haben es satt

Streik im Erfurter Druckzentrum. Funke-Konzern beharrt auf Standortschließung
Von Raphaël Schmeller
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Kämpfen mit Verdi für einen Sozialtarifvertrag: Beschäftigte am Mittwoch vor dem Druckzentrum in Erfurt

Die Erfurter Drucker haben die Schnauze voll. Nachdem die Gewerkschaft Verdi dazu aufgerufen hatte, streikten die Kollegen – mit gelben Warnwesten und roten Bannern gewappnet – in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch vor den Toren des Funke-Druckzentrums in Erfurt-Bindersleben. »Ein voller Erfolg«, sagte Jan Schulze-Husmann, zuständiger Tarifsekretär von Verdi, am Mittwoch im Gespräch mit jW. »Es konnten nur Notausgaben gedruckt werden, die Zeitungen werden verspätet ausgeliefert; unsere Strategie ist aufgegangen.«

Der Streik richtete sich gegen die geplante Schließung der Zeitungs­druckerei, die die Funke-Mediengruppe im vergangenen September angekündigt hatte. 270 Beschäftigte würden dadurch Ende des Jahres ihre Jobs verlieren. Der Konzern begründet den Schritt mit zu hohen Kosten für die nötige Modernisierung des Standorts sowie sinkenden Auflagen und einer neuen »digitalen Strategie«. Gedruckt werden soll künftig in Braunschweig.

Die Argumente von Verdi gegen den Druckstopp in Erfurt sind zahlreich: Dieser sei teurer als eine Investition in das Erfurter Zentrum, weil hohe Transportkosten sowie die Aufrüstung des Standorts in Niedersachsen die Auslagerung unrentabel machen würden. Zudem sei der aktuelle Betrieb profitabel. Darüber hinaus gehe es auch um die medienpolitische Bedeutung: Thüringen würde das erste Bundesland ohne eigene Zeitungsdruckerei. Durch frühere Andruckzeiten würden die lokalen Tageszeitungen an Aktualität verlieren, was eine existentielle Bedrohung für die Medienlandschaft darstelle.

Und trotzdem: Funke beharrt auf der Schließung. Konkrete Antworten auf die vorgebrachten Einwände bekam Verdi nicht. Doch damit nicht genug. Nun zeigt sich der Medienkonzern in den Verhandlungen über einen Sozialplan extrem stur. In einem Brief an die Beschäftigten vom 14. April, der jW vorliegt, erklärte die Geschäftsführung, sie sehe »keine Rechtfertigung« für die Forderungen des Betriebsrats. »Obwohl die Geschäftsleitung ein Angebot vorgelegt hat, das nahezu das gleiche Volumen hatte wie der in Essen im Rahmen der Druckereischließung abgeschlossene Sozialplan, war es nicht möglich (…), eine Einigung zu erzielen.« Das sei für sie »nicht nachvollziehbar«. Vor allem weil, heißt es in dem Brief weiter, die Arbeitslosenquote in Essen höher sei als in Erfurt, und die Lebenshaltungskosten in Thüringen keine »Aufschläge« rechtfertigen. Dennoch: Die Arbeit der Beschäftigten »wissen wir sehr zu würdigen. Für diesen Einsatz danken wir Ihnen.«

Der Gewerkschafter Schulze-Husmann weist die Vorwürfe der Bosse entschieden zurück. »Das ist vollkommener Quatsch. Wir reden hier über einen profitablen Betrieb, es gibt im ganzen Bundesland keine Ersatzjobs für Drucker, und die Folgen der Coronapandemie für Erwerbstätige scheint es für Funke auch nicht zu geben«. Der Brief der Geschäftsführung habe das Fass zum Überlaufen gebracht, so Schulze-Husmann. Daraufhin hätten sich die Beschäftigten für den Ausstand entschieden, um die »arrogante Haltung« des Konzerns anzugreifen.

Der Streik im Erfurter Druckzentrum ist der erste in der Geschichte des Betriebs. »Das ist historisch, und wir erfahren viel Unterstützung«, erklärte Schulze-Husmann. »Die Stimmung ist kämpferisch, die Kollegen sind bereit für weitere Aktionen. Und die werden kommen.« In seinem Brief an die Beschäftigten hatte sich das Funke-Management »eine weiterhin gute Zusammenarbeit in diesem Jahr« gewünscht. Das ging wohl gründlich daneben.

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