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Aus: Ausgabe vom 04.05.2021, Seite 7 / Ausland
Eklat um Interview

Sarif unter Druck

Irans Oberhaupt Khamenei bricht mehrtägiges Schweigen und kritisiert Außenminister Sarif in scharfer Form
Von Knut Mellenthin
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Fraglich, ob Ali Khamenei weiterhin die schützende Hand über Außenminister Sarif hält (Teheran, 7.2.2021)

Teherans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat am Sonntag den »obersten Revolutionsführer« Ali Khamenei und das iranische Volk um Verzeihung für seine Äußerungen über den im Januar 2020 von den USA ermordeten Leiter der Auslandseinsätze des Korps der »Islamischen Revolutionsgarden«, Kassem Soleimani, gebeten. Kurz zuvor vor hatte Khamenei im Laufe einer Fernsehansprache, die sich hauptsächlich mit anderen Themen beschäftigte, das Verhalten Sarifs in ungewöhnlich scharfer Form verurteilt, ohne seinen Namen zu nennen. »Einige Funktionäre« hätten in letzter Zeit »Bemerkungen gemacht, die gleichermaßen überraschend wie bedauerlich waren«. Einige dieser Aussagen, die nicht mit Irans offiziellen Standpunkten übereinstimmten, seien »einfach die Wiederholung von feindseligen Bemerkungen unserer Gegner« gewesen.

»Das war ein schwerer Fehler, den ein Vertreter der Islamischen Republik nicht hätte begehen dürfen«, sagte Khamenei weiter. Ein Teil des politischen Systems dürfe nicht einem anderen in den Rücken fallen. Nirgendwo in der Welt bestimme das Außenministerium die Außenpolitik, sondern dieses habe die Vorgaben übergeordneter Stellen umzusetzen. Zum Verbleib Sarifs auf seinem Posten äußerte sich Khamenei nicht. In der Vergangenheit hatte er mehrmals seine schützenden Hände über den oft eigenwilligen Außenminister gebreitet, wenn dieser von den »Hardlinern« heftig angegriffen wurde.

Die gegenwärtigen Turbulenzen waren dadurch ausgelöst worden, dass Iran International – ein von Saudi-Arabien finanzierter, in London stationierter Fernsehsender – am 25. April drei Stunden Tonmaterial aus einem insgesamt etwa siebenstündigen Gespräch zwischen Sarif und Said Lailas, einem Wirtschaftsberater von Präsident Hassan Rohani, veröffentlicht hatte. Für welchen Zweck dieses Interview genau gedacht war, ist bisher unklar. Mit Sicherheit war es jedoch nicht für eine Veröffentlichung in dieser Form gedacht. Offenbar hatte jemand das Material dem iranfeindlichen Sender zugespielt, um dem Außenminister zu schaden.

In dem von Iran International veröffentlichten Teil des Gesprächs hatte Sarif sich beschwert, dass »die Diplomatie« – also sein eigener Aufgabenbereich – immer wieder gezwungen gewesen sei, der »Front« – also den militärischen Auslandseinsätzen in Syrien und im Irak – Opfer zu bringen. Niemals aber habe »die Front« zugunsten der »Diplomatie« zurückgesteckt. Über den Umfang der Auslandseinsätze seien weder er selbst noch Präsident Rohani informiert worden. Erst der damalige US-Außenminister John Kerry habe ihn darauf aufmerksam gemacht.

Als besonders schwerwiegend und schädlich ragt aus Sarifs Erzählungen die Behauptung hervor, Soleimani habe zusammen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow das internationale Wiener Atomabkommen von 2015 »sabotieren« wollen. Dessen Sprecherin Maria Sacharowa war am Donnerstag bemüht, die Angelegenheit mit der Erklärung herunterzuspielen, für Moskau zähle nur der offizielle iranische Standpunkt.

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