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Aus: Ausgabe vom 03.05.2021, Seite 10 / Feuilleton
Lebensfreude

Mumie gegen Menthol

Was sich Obama nicht traute, schafft nun der senile Weiße: Biden killt die Mentholzigarette
Von Maximilian Schäffer
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»Ungesund ist asozial«: Die ärmsten der Armen in den USA haben begriffen, worum es geht

Im Knast seit jeher wahre Währung, ist zu erwarten, dass sich der Kurs von Mentholzigaretten dem des Dollars annähern wird. Joseph »Die Mumie« Biden ist als Drogenkrieger und Kerkermeister bekannt, im Wahlkampf 2020 gab er sich hinsichtlich dieser Vergangenheit reuig. Am Donnerstag jedoch ordnete der US-Präsident die »Food and Drug Administration« (FDA) dazu an, auch den letzten bis dato erlaubten Tabakzusatz landesweit zu verbieten. Was sich Obama nicht traute, traut sich der senile Weiße. Afroamerikaner sind traditionell und kulturell mit der Mentholzigarette verbandelt, 80 Prozent der Schwarzen greifen zu »Newport«, »Kool« und anderen entsprechenden Marken. Biden hat für so ein Dilemma »Diversity«-Beauftragte, die wissen, wie sich mit zeitgenössischem Rassenwahn jeglicher Widerspruch ad absurdum führen lässt.

Zur Legitimation des neuen Verbots beziffert die FDA daher vermeidbare schwarze Tote, laut Studie 237.000 weniger pro Jahr. Man kennt das Sterbezahlenargument vom Coronadiskurs – dagegen lässt sich nichts einwenden. Das Recht auf Selbstbestimmung und die gesundheitlichen Vorteile von Lebensfreude werden ignoriert. Drohender Schwarzmarkt und steigende Kriminalisierung zählen nicht mehr. Ebenso sind die zu erwartenden Importe minderer Qualität aus Mittelamerika kein Thema. Schmuggel, illegale Grenzübertritte und Gepansche entziehen sich dem Diskurs der Prohibition. Wer Verbotenes tut, muss eben – genau – in den Knast. Eric Garner übrigens, eines der prominenten Polizeiopfer aus der »Hood«, wurde wegen Zigarettenhandels festgenommen.

Der neue Oberbefehlshaber ist nicht nur unheilbar senil, sondern auch chronisch zynisch. Drogenpolitik betreibt er seit Jahrzehnten nach den Regeln einer ökokapitalistischen Gesundheitsideologie, frei nach dem Motto: »Ungesund ist asozial.« Die ärmsten der Armen in den USA haben begriffen, worum es geht. Aus Trotz lassen sich Hinterwäldler gar nicht mehr impfen – »too much politics involved« – heißt es in einer Reportage der New York Times. Wer Essensmarken zum Überleben braucht und in Zelten wohnt, wird sich schön bedanken, wenn er jetzt zum Selbstschutz nicht mehr Menthol rauchen darf.

Ein Ausblick in die Zukunft hierzulande: Vergnüglich wird das Leben werden, wenn die Trampolinkanzlerin Baerbock das Zepter übernimmt. Schon Kriegsminister »Joschka« lief Marathon, während er Jugoslawien zerlegen ließ. Als vom Klimawandel noch keine Rede war, da starb der Wald und dezimierten sich die Bienen, Smog und Kohlenstoffmonoxid durften die sozial Schwachen mit Hartz IV bezahlen, für den asozialen Mittelstand gab’s Abwrackprämie. Gesund zu sein, gebietet das zukünftige Dasein der Weltbevölkerung – sonst gibt’s Stress!

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Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Max G. aus Konservativer Süden ( 3. Mai 2021 um 13:47 Uhr)
    Ich halte nichts von der neuen Entwicklung der Linken, einen ungebremsten Hedonismus zu Lasten der Gesundheit in die Forderungen an die Gesellschaft aufzunehmen. Wenn man diesen Trend zu Ende denkt, landet man bei Hengameh Yaghoobifarah und ihrer Forderung nach »Fat Acceptance«, die symbolisch für die Abkehr des linken Lagers vom Wünschenswerten steht. Gesundheit ist eine Waffe. Genau wie Panzer und Gewehre kann diese zum Leid der Unterdrückten eingesetzt werden – was im Spätkapitalismus geschieht, indem gesellschaftliche Probleme wie das marode deutsche Gesundheitssystem auf das Individuum verlagert werden. Oder sie wird eingesetzt, um in den Händen der proletarischen Kämpfer den Sozialismus zu errichten. Ich möchte an die frühen Sowjets erinnern, die durch ihre Kampagnen gegen den in der russischen Gesellschaft weitverbreiteten Alkoholismus kämpften, um die Menschen leistungsfähiger und klarer im Kopf zu machen. Wer krank oder berauscht ist, hat keinen Kopf für die Theorie oder die Praxis des Kommunismus. Aber nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene ist Gesundheit im Gegensatz zur Krankheit ein Katalysator für konstruktive Prozesse. Durch meine seelischen Leiden habe ich einen Schwerbehindertenausweis mit einem GdB von 50. Ich weiß, was es bedeutet, krank zu sein. Und ich weiß, wieviel mehr man für die Sache tun kann, wenn man sich von diesen Be-Hinderungen erholt. Wieviel mehr Lebensqualität man hat, wenn man auf einmal so etwas wie Selbstwirksamkeit erlangt. Selbstwirksamkeit ist ein gutes Stichwort: Im Laufe meiner Genesung habe ich auch mit dem Rauchen aufgehört, das ich früher exzessiv betrieben habe. Ich habe jetzt, ohne Zigaretten, viel mehr Lebensfreude als damals, als ich 13 Gramm Tabak am Tag geraucht habe. Es geht darum, dem Menschen zu geben, was er wirklich braucht. Zigaretten gehören nicht dazu.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Jürgen G. ( 4. Mai 2021 um 14:25 Uhr)
      Danke für diesen Kommentar. Ich stimme Ihnen gern zu. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass die jW versucht, auf subtile Art Tabakwerbung unterzubringen. Eventuell klingelt es dann in der Kasse der unabhängigen Zeitung, ganz gleich, welche Folgen es für junge Leser hat. Das ärgert mich sehr.
  • Leserbrief von Joachim Seider ( 3. Mai 2021 um 12:31 Uhr)
    Maximilian Schäffers Kolumne verstößt gegen die guten Sitten. Verunglimpfung eines Gegners sollte kein Mittel politischer Auseinandersetzung sein. Die persönlichen Anwürfe gegen Joe Biden geben nur vor, klare Worte zu sein. Sie sind es nicht. Sie vernebeln, was man wirklich verstehen müsste: Für welche Kapitalfraktion steht dieser Mann? Und wie geschickt oder brutal erfüllt er deren Aufträge?
    Übrigens darf man auch einem Gegner Respekt zollen, wenn er Vernünftiges tut. Denn die Rückkehr zum Pariser Klimaabkommen, die Organisation einer beeindruckenden Impfkampagne oder den Start eines höchst wichtigen Infrastrukturprogramms für die USA sollte man nicht kleinreden. Wer das tut, neigt leicht auch in anderen Fragen zur Unterschätzung seines Gegners. Und das hat – die Geschichte zeigt es – meist sehr fatale Folgen.

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