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Aus: Ausgabe vom 30.04.2021, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage
100 Jahre Erich Fried

»Antizionismus war Teil seiner antifaschistischen Identität«

Über die Kindheit im vielbesuchten Haus Erich Frieds, das Trauma der Familie des Dichters und dessen Verhältnis zu Israel. Ein Gespräch mit Klaus Fried
Interview: Dror Dayan
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Klaus und Erich Fried im Jahr 1975

Wie war es für Sie, in der Familie eines im Exil lebenden politischen Dichters großzuwerden?

Natürlich sah ich es in meiner Kindheit als normal an, da ich nichts anderes kannte. Ich wusste aber, dass die Familien meiner Freunde anders waren, und unsere entsprechend besonders. Es war so wundervoll chaotisch und unberechenbar, was für ein Kind sehr aufregend ist, aber auch etwas beunruhigend, da immer so viele Menschen kamen und gingen. Manchmal wusste ich nicht mal, wer im Haus wohnt und wer überhaupt zu meiner Familie gehört. Alles war irgendwie sehr elastisch und im nachhinein betrachtet vielleicht auch nicht die stabilste Umgebung für ein Kind. Und alle waren immer mit der deutschen Sprache und der deutschen Identität beschäftigt. Das Haus war zu der Zeit wie eine Art Außenposten, und die deutsche oder auch die israelische Politik wurden dort ständig diskutiert – und wenn mein Vater manchmal diesen Diskussionen mehr Zeit als uns gewidmet hat, habe ich es ihm übelgenommen. Ich bin sehr stolz auf meine Kindheit, teilweise hat aber das Dasein meines Vaters als Dichter auch seine Rolle als Vater überwältigt.

Welche Erinnerungen aus dieser Zeit haben Sie konkret?

Manche Besucher waren sehr engagiert und faszinierend. Rudi Dutschke war eine wunderbare und herzlich willkommene Person im Haus. Er hat immer mit den Kindern gespielt und sehr viel Wert auf Familie gelegt. Fritz Teufel hat lecker für uns gekocht. Und manche kamen hin, nur um ernste und schwere Diskussionen mit Erich Fried zu führen, und haben uns Kinder glatt übersehen. Und für einige war das Haus einfach ein Obdach – sie waren ideologisch sehr engagiert, haben aber offenbar noch nie etwas vom Abwaschmachen gehört. Das Haus war einfach Gemeineigentum. Und natürlich waren auch die antizionistischen Aktivisten da, etwa Akiva Orr oder Moshé Machover, Mitbegründer der israelischen sozialistischen Organisation Matzpen, oder Meir Vanunu, der damals um die Entlassung seines Bruders Mordechai Vanunu bemüht war, der in Israel wegen des Aufdeckens des israelischen Atomwaffenprogramms inhaftiert worden war. Und dazu alle Studenten, die im Garten gekifft haben und Unmengen an Tee tranken. Einfach Wellen von Menschen, die alle Erich sehen wollten. Es hat sich nicht immer wie ein Zuhause angefühlt, war aber immer besonders.

Wurde Ihnen in der Kindheit jemals erklärt, warum alles so ist?

Diese Diskussion musste nie stattfinden, weil es einfach klar war. Ich bin mit dem Verständnis großgeworden, dass Menschen einen Schlafplatz brauchen, dass Menschen ab und zu auch mein Schlafzimmer nutzen müssen, und ich habe es akzeptiert. Ich hatte ja mein eigenes Zimmer, kam aber ab und zu aus dem Urlaub zurück, und da schlief schon jemand – und das war in Ordnung. Meine Mutter arbeitete sehr hart daran, das Haus auch als einen Haushalt und Familiensitz aufrechtzuerhalten. Gegen Ende der 70er Jahre hat sie es tatsächlich zurückerobert, und die Besuche nahmen ab. Aber es musste uns nichts erklärt werden, da die politische Diskussion immer im Gange war. Es wurde uns Kindern nichts verheimlicht, und es war uns auch klar: Manchmal sollten wir von dem einen oder anderen Gast in der Schule nichts erzählen. Wir haben natürlich nicht alles komplett verstanden – ich wusste beispielsweise, dass es Erich sehr viele Sorgen bereitete, dass per Post Bomben an uns geschickt werden könnten, und dass das daher kommt, weil eine militante zionistische Gruppe ihn wegen seiner Meinung zu Palästina im Visier hat. Ich wusste auch, dass die Polizei unser Telefon abhört, und wir sollten zu der abhörenden Beamtin nicht allzu unhöflich sein. Als Sechsjähriger habe ich das ja auch nicht viel tiefgründiger durchschaut.

Manche dieser Geschichten sind vielleicht nicht ganz einfach für ein Kind. Wie haben sie Sie als Erwachsener beeinflusst?

Erst mal denke ich, es wird oft überschätzt, wieviel Schutz Kinder benötigen. Meine Kindheit hat mich aber auf zweierlei Weise beeinflusst. Erstens bin ich sehr anders geworden als mein Vater. Ich lege großen Wert darauf, ein ordentliches Zuhause zu haben und meinen Kindern viel Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken. Sie sind mir definitiv wichtiger als meine Arbeit. Ich will damit nicht sagen, dass Erich nicht so war – emotionell war er ein wunderbarer und sehr offener Vater. Er war aber zeitlich nicht sehr zugänglich, weil er einfach zu sehr mit den Bedürfnissen und dem Geschehen rund um eine Generation junger, entrechteter Deutscher beschäftigt war. Und das hat mich zu einem sehr ordentlichen Erwachsenen gemacht. Kein Wunder, dass ich Filmemacher geworden bin, eine Kunst, die viel Struktur und Ordnung braucht, und nicht beispielsweise Maler. Aber auf der anderen Seite habe ich aus meiner Kindheit gelernt, mit meinen Kindern sehr offen zu sein und ihnen beizubringen, für sich selbst zu denken, so wie Erich es uns beigebracht hat: Briten legen viel Wert auf »Common Sense«, sogenannten gesunden Menschenverstand. Für Erich spielte so etwas keine Rolle, wir sollten uns nie irgendeinem gesellschaftlichen Verstand unterordnen. Natürlich bringt so eine libertäre Erziehung auch viele Mängel und Fehler mit sich, aber zu der Zeit haben viele Eltern vieles falsch gemacht, und Erich hat überraschend viel richtig getan. Diese Kindheit machte uns zu sehr interessanten und abgerundeten Menschen. Unsere Eltern gaben uns die Möglichkeit, den Sinn der Welt selber zu verstehen.

Sie meinten, Fried war sehr auf die Anliegen seiner deutschen Zeitgenossen fokussiert. Gab es eine strikte Trennung zwischen seinem englischen und deutschen Leben?

Meiner Meinung nach schätzte Erich sein Exil in Großbritannien so sehr, weil es ihm eine Position gewährleistete, aus der er von außen auf Deutschland blicken konnte. Und es war ihm auch sehr wichtig, die deutsche Sprache wieder für sich zu gewinnen, nachdem sie durch die Nazizeit so brutalisiert worden war. Als er nach England kam, wurde er von anderen Migranten gefragt, was er als junger Mann tun will, und er erwiderte, er möchte ein deutscher Dichter werden. Daraufhin wurde ihm gesagt, er solle sich von diesem Gedanken schnell verabschieden, weil Deutschland und die deutsche Sprache schon zu sehr beschmutzt und zerstört worden waren. Aber er wollte sie zele­brieren. Er wollte die Sprache neu mitgestalten. Und dabei war es ihm sehr hilfreich, diese isolierte Position aus Großbritannien heraus zu haben. So konnte er von dort aus auf die deutsche Kultur und Politik schauen, das war ihm sehr wichtig.

Hat er Ihnen die deutsche Sprache beigebracht?

Nein. Er sprach nie Deutsch mit uns, und das ist sehr interessant. Seine Rechtfertigung war, dass das tolle englische Schulsystem uns schon Sprachen beibringen werde – dabei war er natürlich von der Realität sehr weit entfernt. Aber er wollte nicht, dass wir eine Trennung spüren, dass wir uns in unserer Identität gespalten fühlen. Das finde ich eine etwas naive Herangehensweise. Wir sprachen Englisch, aber kein Wort Deutsch, und das hat ihn im Endeffekt im Grunde gepeinigt. Und es hatte auch zur Folge, dass wir den Diskussionen zu Hause nicht folgen konnten und so mit der Zeit auch eine Abneigung gegen sie entwickelten. Das war schade, da es wirklich auch ein Teil unserer Kultur sein sollte, ein Teil, der uns verwehrt blieb. Sonst hätten wir heute einen viel besseren Zugang zu seinen Gedichten und Werken. Das Thema der Sprache stellt also in dieser Hinsicht einen interessanten Widerspruch in Erich dar, und ich denke, das kann durch das Trauma erklärt werden: Seine Familie, seine österreichische Heimat, seine Identität und Kultur wurden ihm brutal weggenommen, und obwohl er sehr gut darin war, das zu schlichten und zu versuchen, wieder in Einklang zu bringen – das war ja sein Lebenswerk –, war das Trauma in ihm trotzdem tief verwurzelt.

Wie wurde sein Werk in Großbritannien rezipiert? Hat die Sprachbarriere da eine Rolle gespielt?

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Klaus Fried

Erich legte keinen großen Wert auf englische Übersetzungen oder Veröffentlichungen seines Werkes hier in Großbritannien. So gesehen war ihm diese Trennung sehr wichtig. Es war ihm sehr recht, dass er in England nicht sehr bekannt war. Es gab einige Übersetzungen: drei Bände mit Gedichten, ein Buch seiner Prosa und noch einige Werke in einem Sammelband – sie wurden gut rezipiert, aber mehr nicht. Interessant war, dass der ehemalige Regierungschef Gordon Brown in einem Interview Fried als seinen Lieblingsdichter nannte – ich weiß nicht, ob er den Text einfach von seinen Beratern bekommen hatte, immerhin hat er aber »Was es ist« im Interview rezitiert. Und Gedichte hingen auch in der Londoner U-Bahn, es gab Vorlesungen am Institut für zeitgenössische Kunst, aber im Grunde genommen war er hier nicht sehr berühmt. Es gibt leider keine Gedenktafel an dem Haus, in dem er lebte und wir großwurden.

Sie sind nicht nur als Kind eines berühmten politischen Dichters aufgewachsen, sondern auch als das eines Flüchtlings, eines jüdischen Opfers des deutschen Faschismus. Wie wurde zu Hause mit diesem Thema umgegangen?

Wir wurden überhaupt nicht jüdisch erzogen. Ich weiß noch wie der gute Freund meines Vaters, Akiva Orr von Matzpen, mal darauf bestand, mit uns das Pessachfest zu feiern, da wir das noch nie gemacht hatten. Wir haben uns so gesehen nicht wirklich als Juden betrachtet. Ich sah mich selbst in erster Linie als Europäer, vielleicht zweitrangig als europäischer Jude, aber nicht wirklich als Jude an sich. Es war uns natürlich bewusst, dass unsere Familie wegen ihres Judentums ermordet wurde und dass Erich ein Flüchtling war. Aber da wir auch kein Deutsch sprachen, war uns dieser Teil unserer Identität nicht so zugänglich, wie es vielleicht sein sollte.

Ich habe eine sehr klare Erinnerung von meinem ersten Besuch in Berlin, wie ich in Ostberlin Einschusslöcher sah, die wahrscheinlich noch vom sowjetischen Einmarsch in die Stadt stammten, und plötzlich über das Trauma der Deutschen nachdachte. Darüber, wie es sich angefühlt haben musste, als ihr schreckliches, ekelerregendes Projekt des Nationalsozialismus zusammenbrach. Und an dem Punkt fing ich an, mein eigenes Trauma zu fühlen, als ein Jude, dem seine Kultur geraubt wurde. Das war keine Art Stockholm-Syndrom oder ähnliches, sondern eine Offenbarung, dass Deutsche nicht einfach diese Witzfiguren mit komischem Akzent sind, die wir aus dem britischen Fernsehen kannten, sondern auch eine Gesellschaft mit einem kulturellen Erbe haben, von dem sie mit Gewalt getrennt wurden wie ich von meinem. Ich habe mich also immer etwas fremd in London gefühlt, aber das Trauma meiner Familie habe ich erst im späteren Alter wahrgenommen. Meine Großmutter Nellie, die mit uns lebte, hatte kurz vor ihrem Tod die Wahnvorstellung, dass die Wehrmacht auf der Straße vor unserem Haus marschieren würde und sie und Erich nach Deutschland verschleppen will. Damals war ich zehn, und das war das erste Mal, dass ich das schreckliche Trauma dieser Frau verstand. Sie hatte den Großteil ihres Lebens in England verbracht und sich trotzdem geweigert, Englisch zu lernen. Ich und die meisten meiner Geschwister haben aber erst viel später angefangen, diese Traumata zu begreifen, die wir als zweite Generation von Flüchtlingen mit uns tragen.

Frieds Erfahrungen als Flüchtling brachten ihn auch zu seiner Solidarität mit den Palästinensern, die ihn auch zu einer sehr umstrittenen Figur machte.

Er sah seinen Antizionismus als klaren Teil seiner antifaschistischen Identität. Als ich klein war, empfand ich es als einen Affront, dass Israel ein Land war, das anderen Menschen weggenommen wurde. Heute bin ich etwas erfahrener und weiß, dass jedes Land irgendwie immer von anderen Menschen geraubt wurde, aber diese Menschen trotzdem ein Recht haben, dort zu existieren. Ich denke, Erich hätte, wie ich, die Zweistaatenlösung abgelehnt, weil sie nur bedeutet, alles, was an Israel und dem Zionismus falsch ist, zu akzeptieren. Das ganze Problem am Zionismus ist, dass er eine ethnische Gruppe über die andere stellt. Und das ist einfach mit dem gesunden Verstand nicht vereinbar. Bei uns in der Familie gab es nie Verwirrung über die Begrifflichkeit des Zionismus oder des Antisemitismus: Beide bedeuten Rassismus, beide sind falsch.

Die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus wurde in den letzten Jahren wieder zu einem heißen Thema in Großbritannien. Wie hätte Ihr Vater die sogenannte Antisemitismuskrise innerhalb der Labour-Partei gesehen?

Es ist wirklich so schade, dass er heute nicht mehr da ist. Er wäre eine wichtige und respektable Stimme gewesen, die klar und deutlich sagt, dass hier eine heuchlerische Kampagne am Werk ist. Er hätte das alles als eine sichere Methode betrachtet, den Antisemitismus im Grunde weiter anzufachen. Ich bin der Meinung, Erich hätte erkannt, dass das Trauma der jüdischen Identität der 30er Jahre sich in den nachfolgenden Generationen in Israel direkt manifestiert, dass es dort eine Massenpsychose gibt, die das Gefühl der Paranoia und des ständigen Unter-Angriff-Seins immer wieder reproduziert. Und mit solch einem Gefühl kann man das eigene Verhalten rechtfertigen, auch wenn es dafür keine Rechtfertigung gibt. Erich hätte es als grotesk empfunden, dass heutzutage Linke, die sich gegen den Zionismus stellen, des Antisemitismus bezichtigt werden. Er hätte es als grotesk empfunden, dass so eine Definition wie die der IHRA¹ die Deutungshoheit über den Antisemitismus für sich beansprucht. Das hätte er Faschismus genannt.

Warum fiel es so vielen Menschen in Großbritannien leicht zu glauben, dass ein Antirassist wie Jeremy Corbyn ein übler Antisemit sei?

Erstens bin ich nicht der Meinung, dass es tatsächlich so leicht war. Ich glaube, es wird oft überschätzt, welcher Anteil der britischen Gesellschaft tatsächlich Zeitung liest. Ich denke, da haben die internen Machtkämpfe in der Partei eine große Rolle gespielt. Es war immer das Ziel des neoliberalen Flügels der Partei, der sogenannten Blairisten, Corbyn zu diskreditieren. Und Corbyns Positionen zu Europa und zum »Brexit« haben ihn in großen Teilen der Mittelklasse sehr unbeliebt gemacht. Das hat viele Menschen dazu gebracht, mit diesen Verleumdungen mitzugehen. Und zionistische und proisraelische Organisationen haben wahrscheinlich eine wesentliche Rolle gespielt. Es gab da einen konstanten Strom an Beschwerden an Medien, Zeitungsartikel usw.

Sie haben die IHRA-Antisemitismusdefinition erwähnt – sie wird gerade sehr stark an britischen Universitäten propagiert. Sie arbeiten auch an einer Uni in London, wie sehen Sie diese Definition?

Das ist im Grunde eine Sache, über die auch Erich oft geredet hat. Er war der Meinung, das einzige, was man dem entgegenstellen könne, sei, den Diskurs immer wieder zu entmystifizieren. Diese Idee zu entmystifizieren, dass jüdische Identität mit dem zionistischen Projekt zusammengebunden ist, und dass Kritik an diesem Projekt irgendwie antisemitisch sei. Ich finde, alle sollen bei dieser Diskussion mitreden dürfen. Natürlich sollen wir, wenn es um Rassismus geht, auf die Opfer hören, sie haben aber nicht das ausschließliche Recht auf diesen Diskurs. Und um diesen Wahnsinn in der Antisemitismusdebatte zu bekämpfen, müssen wir uns auch diesem Wahnsinn entgegenstellen, der in der Identitätspolitik immer vorherrschender wird, der zufolge nur eine immer kleiner werdende Anzahl von Menschen über ihr eigenes Selbstempfinden mitdiskutieren darf. Wenn man sich dagegen beispielsweise die »Black Lives Matter«-Bewegung anschaut – die ist wunderbar, weil dort weiße Menschen zusammen mit Schwarzen marschieren. Die Bewegung wird von Schwarzen angeführt, und so soll es auch sein, alle können sie aber solidarisch unterstützen. Das ist wahre Solidarität mit Opfern von Rassismus. Erich hätte es wahrscheinlich auch so gesehen – Solidarität war für ihn von fundamentaler Bedeutung.

Erich Fried 100: Filmschau und Gala am 8. Mai 2021 kostenlos im Livestream auf jungewelt.de.

Klaus Fried ist seit mehr als 30 Jahren für Film und Fernsehen tätig. Er produziert Dokumentar- und Spielfilme sowie experimentelle Filme. Derzeit arbeitet er als Koregisseur an der britisch-österreichisch-deutschen Produktion »Er+Ich Fried«, einem persönlichen Porträt seines Dichtervaters. Klaus lebt mit seinen zwei Söhnen in London. Er unterrichtet am London College of Communication.

1 Die nicht rechtsverbindliche Arbeitsdefinition von Antisemitismus der 1998 gegründeten International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) von 2016 lautet: »Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden, die sich als Hass gegenüber Jüdinnen und Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.«

Kritisiert wurde an dieser Definition – unter anderem im Rahmen der Jerusalem Declaration on Antisemitism (JDA) im März 2021, die von mehr als 200 Wissenschaftlern unterzeichnet wurde –, dass Boykotte gegen Israel nicht per se antisemitisch seien. JDA definiert: »Antisemitismus ist Diskriminierung, Vorurteil, Feindseligkeit oder Gewalt gegen Jüdinnen und Juden als Jüdinnen und Juden (oder jüdische Einrichtungen als jüdische).« (siehe auch jW-Thema vom 31.3.2021)

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