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Aus: Ausgabe vom 30.04.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Große Rüstungskonzerne

Krisenretter Kriegsgerät

Waffengeschäft kompensiert Krisenfolgen: Weitere große Rüstungskonzerne mit Erfolgsmeldungen
Von Jörg Kronauer
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Dassault-Kampfjets des Typs »Rafale« auf dem Deck des Flugzeugträgers »Charles de Gaulle«

Die Serie der Erfolgsmeldungen aus der US-Rüstungsindustrie reißt nicht ab. Nach Lockheed Martin, der größten Waffenschmiede der Welt, und der Boeing-Militärsparte, der globalen Nummer zwei, hat nun auch General Dynamics eine neue Steigerung von Umsatz und Gewinn bekanntgegeben. Der Konzern aus Reston (Virginia), einem Vorort von Washington, teilte am Mittwoch mit, er habe im ersten Quartal 2021 Erlöse in Höhe von 9,4 Milliarden US-Dollar erzielt, satte 7,3 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Auch der Quartalsgewinn stieg weiter an – auf 708 Milliarden US-Dollar. Am stärksten wuchs dabei derjenige der vier Konzernbereiche, der 2020 pandemiebedingt durchaus Schwierigkeiten hatte – die Luftfahrtsparte. General Dynamics stellt unter anderem Gulfstream-Jets her, die zwar auch vom Pentagon und der CIA genutzt werden, darüber hinaus aber vor allem als zivile Luxusprivatjets bekannt sind. Deren Verkauf aber geriet im vergangenen Jahr ins Stocken, da die zivile Luftfahrtbranche insgesamt in Bedrängnis war.

Dass der Gesamtkonzern trotz der Probleme bei Gulfstream gut durch die Krise kam, verdankt er – das bestätigte das Management am Mittwoch – seinen Rüstungsaufträgen: Sie machen rund zwei Drittel des Gesamtabsatzes aus. Damit ist General Dynamics laut Berechnung des Stockholmer Forschungsinstituts SIPRI der fünftgrößte Waffenhersteller der Welt. Die US-Streitkräfte sorgen auch dafür, dass der Konzern sich keine Sorgen um seine Zukunft machen muss. Die Aufträge, die er fest in seinen Büchern hat, belaufen sich aktuell auf den Rekordwert von 89,6 Milliarden US-Dollar (74,1 Milliarden Euro). Die Marinesparte etwa soll für rund 1,9 Milliarden Dollar ein neues nukleargetriebenes U-Boot der Virginia-Klasse bauen. Die Sparte Combat Systems wird für fast 200 Millionen US-Dollar »M1 Abrams«, die Hauptkampfpanzer der U.S. Army und der U.S. Marines modernisieren. Immense Aufträge hat zudem die Konzernsparte Technologies an Land gezogen: Sie beteiligt sich an einem Rüstungsprogramm, das für 12,6 Milliarden Dollar Hard- und Software für den US-Militärgeheimdienst DIA sowie für die National Geospatial-Intelligence Agency (NGA) beschafft. Letztere führt kartographische Aufklärung und Auswertung für Militär und Geheimdienste aus.

Die Bedeutung von Rüstungsaufträgen in der Krise zeigt sich aktuell auch bei Dassault Aviation, dem Luftfahrtkonzern aus der mächtigen Groupe Dassault. Zum Dassault-Gesamtkonglomerat mit Hauptsitz am Pariser Rond-point des Champs-Élysées-Marcel-Dassault, benannt nach dem einst im KZ Buchenwald internierten Firmengründer, gehört unter anderem die einflussreiche Tageszeitung Le Figaro. Die Einkünfte von Dassault Aviation kamen im Jahr 2019 zu rund 70 Prozent aus der Luftwaffensparte. Auf der SIPRI-Rangliste der größten Rüstungskonzerne weltweit schaffte es das Unternehmen auf Platz 17 – als Nummer fünf in Westeuropa nach BAE Systems (Großbritannien), Leonardo (Italien), Airbus (Deutschland, Frankreich, Spanien) und Thales (Frankreich). Dassault Aviation ist im vergangenen Jahr von der Coronakrise schwer gebeutelt worden: »Es war ein Annus horribilis«, beklagte sich im Januar Dassault-Chef Éric Trappier. Und tatsächlich: Schwierigkeiten beim Absatz der zivilen Falcon Business Jets, aber auch pandemiebedingte Probleme bei der Produktion des Kampfjets »Rafale« ließen den Konzernumsatz abstürzen, von 7,3 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 5,5 Milliarden Euro im Jahr 2020.

Dass Dassault Aviation dennoch gute Aussichten auf kontinuierliche Gewinne hat, das verdankt der Konzern dem Militärgeschäft. Die Rafale, 2001 in die französische Luftwaffe eingeführt, dann wegen mangelnder Käufer eine Zeitlang ein Sorgenkind der Pariser Rüstungsindustrie, konnte nach dem Libyen-Krieg, den Frankreichs Kampfpiloten auch zur Demonstration der Fähigkeiten des Jets nutzten, erste Exporterfolge feiern. 2014 kündigte Indien den Erwerb von 36 Rafale an. 2015 folgten Ägypten (24 Rafale mit Option auf weitere zwölf) und Katar (24, inzwischen auf 36 erweitert). Zuletzt sagte Griechenland Anfang Januar 2021 den Kauf von 18 Kampfjets zu. »Dank der französischen und der Exportaufträge für die Rafale«, urteilte der Militärexperte Jean-Charles Larsonneur Ende Februar, »hat Dassault eine akzeptable Auslastung bis 2040«. Dabei ist die womöglich größte Geschäftschance des Konzerns noch gar nicht eingerechnet: die Beteiligung am deutsch-französisch-spanischen Kampfjet der nächsten Generation (Future Combat Air System, FCAS), der gemeinsam von Dassault Aviation und von Airbus entwickelt wird – unter Führung von Dassault.

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