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Aus: Ausgabe vom 30.04.2021, Seite 8 / Ansichten

Klassenfeinde des Tages: Dax-CEOs

Von Oliver Rast
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Bosse der Kapitalelite leben sorgenfrei, finanziell zumindest

Passt zum proletarischen Kampftag: Die Bosse der 30 Dax-Konzerne füllen ihre Privatschatullen munter auf. Es ist geklauter Mehrwert, nichts anderes. Ein CEO-Zasterranking ermittelte laut dpa vom Donnerstag das sogenannte Beratungsunternehmen »HKP Group«, auch das passt, aus Frankfurt am Main. Der Berechnung zufolge erhöhten sich die Durchschnittsbezüge jener Vorstandsvorsitzenden im Vergleich zum Vorjahr um 14,6 Prozent auf 8,5 Millionen Euro. Ein Rekordwert, völlig unverdient, klar.

Beinahe tragisch: Ein bisschen Klassenspaltung gibt es selbst unter den Schindern der Malocher. Stephen F. Angel, der Altvordere des Industriegasekonzerns Linde, lässt sein Nichtstun mit einem Jahressalär von schlappen 53,4 Millionen Euro vergüten. Sein Leidensgefährte Niklas Östberg, der Hetzer des Essenslieferanten Delivery Hero, begnügt sich nach »HKP«-Angaben mit etwa 45,7 Millionen Euro. »Die addierten Vergütungen beider CEOs übertreffen die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden in der oberen Dax-Hälfte zusammen«, rechnete »HKP«-Partner Michael Kramarsch vor.

Im Klartext: Hinter dem Spitzenduo drängeln sich Businessluschen auf den Plätzen. Auf Rang drei etwa liegt der Deutsche-Post-Chef Frank Appel mit gut zehn Millionen Euro. Ganz übel steht’s um Stefan De Loecker von Beiersdorf, kaum mehr als zwei Millionen Euro durfte er als Zwölfmonatsgage verbuchen. Die Quittung: Der Tüftler unnützer Seniorenkosmetika musste am Dienstag seine Sachen packen, seine Exbude rutschte zuvor in den zweitklassigen MDax.

Die Extramargen der Bosse haben einen Grund. Die über mehrere Jahre gestreckten »variablen Bezüge«, die meist auf Aktien basieren, schnellten im Vorjahresvergleich um satte 53 Prozent nach oben. Ein Höhenrausch, der Emotionen freisetzt: Wir gönnen uns an unserem Tag eine Extraportion Klassenhass.

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