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Aus: Ausgabe vom 30.04.2021, Seite 6 / Ausland
Nordsyrien

Kämpfe in Kamischli beendet

Nordsyrien: Hintergrund von Auseinandersetzungen könnte Behinderung von Präsidentschaftswahlen sein
Von Karin Leukefeld
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Kurdische Kämpfer der Volksverteidigungseinheiten (YPG) am 22. April 2016 in Kamischli

Der Konflikt in der nordsyrischen Großstadt Kamischli hat zur Vertreibung von rund 20.000 Einwohnern verschiedener Viertel geführt. Seit dem 20. April hatten sich die Asajisch, die Teil der kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK) in Teilen Nordostsyriens sind, mit den Nationalen Verteidigungskräften (NDF), einer Miliz, die mit der syrischen Armee kooperiert, heftige Kämpfe geliefert. 30 Personen sollen getötet worden sein.

Auslöser und Hintergrund der Kämpfe werden je nach Akteuren verschieden dargestellt. Nach russischen Quellen gaben die Asajisch an, die NDF-Milizen hätten einen ihrer Kontrollpunkte im Bezirk Tai angegriffen. Einer ihrer Offiziere sei getötet worden, die Sicherheitskräfte der Asajisch hätten daraufhin Stellungen der NDF in Tai angegriffen. Scheich Mohammed Al-Fares, Oberster des Tai-Stammes in Kamischli habe dagegen berichtet, Asajisch-Milizen hätten auf den Anführer einer NDF-Einheit gefeuert, als er einen Kranken zum Hospital bringen wollte. Der Mann wurde beschuldigt, die Ausgangssperre missachtet zu haben, die von den SDK wegen der Coronapandemie verhängt worden war. Der Disput eskalierte. Russische Militärpolizei positionierte sich zwischen den Fronten und vermittelte einen Waffenstillstand. Die UN-Vertretung in Damaskus forderte alle Seiten auf, die Kämpfe einzustellen.

In zahlreichen Videoaufnahmen von North Press, einer ausländischen Nachrichtenagentur unklarer Herkunft sowie von Hawar News, einer kurdischen Nachrichtenagentur, wurden Asajisch-Kämpfer gezeigt, wie sie Positionen halten, schießen oder mit einem US-Humvee und weiteren gepanzerten Fahrzeugen mit gehisster Flagge durch Straßen patrouillieren. Die NDF-Kräfte hatten sich vermutlich zurückgezogen.

Kurdische Medien geben an, die Kämpfe seien beendet worden, der Stadtteil Tai werde von Asajisch und SDK kontrolliert, die Bevölkerung kehre zurück. Illustriert wird der Bericht von einem Foto, auf dem eine Kämpferin zu sehen ist, die ein Kind vor die Kamera hält. Denkbar ist, dass die Kämpfe von dritter Seite geschürt worden sein könnten, mit dem Ziel, nicht nur die NDF, sondern auch Syrer zurückzudrängen oder zu vertreiben, die weiterhin die Regierung in Damaskus unterstützen. Hintergrund könnte sein, die Präsidentschaftswahlen, die für den 26. Mai angesetzt wurden, in Kamischli zu be- oder zu verhindern.

Kamischli gehört zur nordostsyrischen Provinz Hasaka und verfügt über einen Flughafen, über den bis heute eine tägliche Verbindung nach Damaskus gehalten wird. Seit Beginn des Krieges in Syrien im Jahr 2011 wurde die Präsenz syrischer Truppen in Kamischli reduziert, Zivilbehörden blieben, um die Versorgung des Landes mit Weizen aus der Provinz Hasaka sicherzustellen, die als Brotkorb des Landes gilt. Auch Baumwolle wird dort angebaut. Im Nordosten bei Rmeilan und Al-Schaddadi befinden sich zudem einige der größten syrischen Ölfelder.

Die USA und Partner wollen aus dem Gebiet eine »Euphrat-Provinz« machen. Eine »multiethnische« Administration unter kurdischer Führung und der Kontrolle über die syrischen Ressourcen soll diese neue Provinz bei den UN-geführten Gesprächen zwischen (Teilen) der syrischen Opposition und der Regierung in Genf vertreten. Das Vorgehen der SDK in den betroffenen Provinzen Aleppo, Hasaka und Deir Al-Sor wird kontrovers diskutiert. Die mehrheitlich arabische Stammesbevölkerung, die in weiten Gebieten auch im Irak lebt, ist gespalten und erliegt häufig dem Werben und vor allem den Geld- und Waffenlieferungen ausländischer Akteure.

Inzwischen hat sich eine starke Allianz unter den Stämmen entwickelt, die den kurdischen Strukturen entgegentreten und die staatliche Kontrolle der Gebiete mit Damaskus wieder herstellen wollen. Dafür kooperieren sie mit der syrischen Armee und Milizen, die im Laufe des Krieges zur Unterstützung der Armee entstanden waren.

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