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Aus: Ausgabe vom 30.04.2021, Seite 2 / Inland
Heilpraktikerin mit NSU-Kontakten

Faschistin vor Gericht

Prozess gegen Anhängerin von Kleinpartei »III. Weg« wegen Anschlagsplänen
Von Felix Jota
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Die Beschuldigte war unter anderem bei Aufmärschen der Kleinstpartei als Ordnerin aktiv: Neonazis von »Der III. Weg« im brandenburgischen Zossen (1.8.2015)

Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat am Donnerstag der Prozess gegen die Faschistin Susanne G. begonnen. Der 55 Jahre alten Heilpraktikerin aus einer Kleinstadt nahe Nürnberg wirft die Bundesanwaltschaft die »Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat« vor. G. soll einen Brandanschlag auf Kommunalpolitiker oder Muslime geplant haben. Seit ihrer Festnahme im September 2020 sitzt die Anhängerin der faschistischen Partei »Der III. Weg« in Untersuchungshaft. Im Sommer soll sie mögliche Opfer ausgespäht haben und sich Informationen zu Sprengstoffen sowie Material für den Bau von Brandsätzen über das Internet besorgt haben. Ermittler hatten bei ihr laut Medienberichten unter anderem Gaskartuschen, Feuerwerkskörper und Zündschnüre gefunden.

Von Dezember 2019 bis März 2020 soll Susanne G. zudem sechs anonyme Drohbriefe an einen Moscheeverein, einen Flüchtlingshilfeverein und zwei Lokalpolitiker verschickt haben. In fünf der Briefe lag je eine scharfe Patrone. Nach einem Bericht des Spiegel vom Januar erhielt einer der Betroffenen – Armin Kroder, Landrat vom Kreis Nürnberger Land – eine Beileidskarte, auf dem »Juden- und Ausländerfreund, erschossen auf der Terrasse« stand; eine deutliche Anspielung auf den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019. Der Moscheeverein bekam eine Karte mit dem Bild eines Schweins und dem Satz: »Ihr werdet niemals sicher sein.«

Nach Spiegel-Informationen war Susanne G. fest in der Naziszene verwurzelt. So habe sie enge Verbindungen zur Spitze der Partei »Der III. Weg« um den Bundesvorsitzenden Klaus Armstroff gehabt und Gesinnungsgenossen im Gefängnis betreut. Zu diesen zählten laut Spiegel Ralf Wohlleben und André E., zwei Helfer der Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU), als diese in Haft saßen.

Der erste Prozesstag endete bereits nach der Verlesung der Anklageschrift, wie die Pressestelle des OLG München gegenüber jW bestätigte. Der Journalist Robert Andreasch berichtete per Kurzbotschaftendienst Twitter, dass der vorsitzende Richter erklärte, es seien kurzfristig Ergebnisse von Nachermittlungen eingegangen, die eine Pause erforderlich machten. Für das Verfahren sind mehr als 20 Verhandlungstage geplant. Die Verhandlung soll laut OLG am 6. Mai fortgesetzt werden.

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