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Aus: Ausgabe vom 29.04.2021, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Ein Neuanfang muss her

Von René Lau
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Bild des Jammers: DFB-Vize Rainer Koch (l.) und sein Exchef Reinhard Grindel (2018)

Ich habe in dieser Kolumne schon öfter die Sicht der Fans auf den Deutschen Fußballbund (DFB) beschrieben. Freundlich war sie nie. Wer bisher meinte, schlimmer geht’s nicht beim DFB, sieht sich dieser Tage getäuscht. Dass es sich um so ungenierter lebt, wenn der Ruf erst ruiniert ist, nach diesem Motto geht es derzeit zu an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise.

Es ist bekannt, dass dort interne Machtspielchen laufen. Generalsekretär Friedrich Curtius gegen DFB-Präsident Fritz Keller, Keller gegen Vizepräsident Rainer Koch, alle gegen alle, jeder gegen jeden. Schon Expräsident Reinhard Grindel und Vize Koch waren nicht gerade die besten Freunde. Offensichtlich hat das Ganze System.

Hinzu kommt, dass Präsident Keller seinen Vizepräsidenten Koch, der selbst Richter an einem Oberlandesgericht ist, in einer Präsidiumssitzung »Freisler« genannt haben soll. Ich muss wohl niemandem erklären, wer Roland Freisler war, für welchen Teil der deutschen Justizgeschichte er als Vorsitzender des Volksgerichtshofes, als Teilnehmer der Wannseekonferenz steht. Keller mag über seinen Vize noch so verärgert sein. Ein solcher Vergleich ist nicht bloß unangebracht, er verbietet sich im Grunde von selbst. Was hat den Präsidenten da geritten? Gute Frage.

Groß war die Aufregung der Verbandsfunktionäre, als die Fanszenen dem DFB mit markigen Worten »den Krieg erklärten«, als sie drastische Formulierungen und Symbole wählten, um ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen. Und die Fans? Was sollen sie über einen Verband denken, in dem solche Vergleiche gezogen werden?

Die innere Zerrissenheit des DFB war selten größer. Er gibt ein katastrophales Bild ab – und das in Zeiten der Pandemie, wo es ausgesprochen viel zu tun gäbe. Denken wir an den brachliegenden Amateur- und Jugendfußball.

Aus Fansicht kann es eine partielle Lösung nicht sein. Ein kompletter Neuanfang auf allen Ebenen des DFB ist nötig. Nur so können die Fans wieder Vertrauen schöpfen.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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