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Aus: Ausgabe vom 28.04.2021, Seite 1 / Titel
Gesundheitswesen

Entlassungswelle rollt an

Bei Tochtergesellschaft des Klinikkonzerns Sana werden über 1.000 Beschäftigte auf die Straße gesetzt – mehr als ein Drittel des Personals
Von Gudrun Giese
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Das Wohlbefinden der Beschäftigten ist im Klinikkonzern Sana eher nebensächlich

Alle Geschäftsbereiche der DGS Pro-Service GmbH, mit Ausnahme des Reinigungssektors, sollen bis zum Jahresende geschlossen werden. Von derzeit rund 3.000 Beschäftigten des Tochterunternehmens des Krankenhauskonzerns Sana verlieren mehr als 1.000 ihren Job. Die Massenentlassungen betreffen Menschen, die in der Stationsassistenz, im Hol- und Bringdienst, an den Eingangspforten sowie im Sicherheitsdienst arbeiten. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi reagierte auf diese Ankündigung mit heftiger Kritik.

»Beschäftigten im Gesundheitswesen zu kündigen ist für sich genommen schon ein Unding.
Das auch noch mitten in der dritten Welle der Coronapandemie zu tun,
schlägt dem Fass den Boden aus«, sagte Sylvia Bühler, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand. Ein profitabler Klinikkonzern würde Menschen vor die Tür setzen, die »in den letzten Monaten tatkräftig mitgeholfen haben, den Krankenhausbetrieb am Laufen zu halten«. Dabei gehöre Teamarbeit zum Klinikalltag, denn dort arbeiteten mehr Beschäftigtengruppen als Ärzte und Pflegefachkräfte.

Die Sana-Kliniken wurden 1976 von 25 privaten Krankenversicherern gegründet. Motto des Unternehmens laut Website: »Damit es Ihnen gutgeht.« Das Wohlbefinden der Beschäftigten ist wohl eher nicht gemeint. Denn die DGS Pro-Service GmbH ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Sana Immobilienservice GmbH und gehört somit zur Sana-Kliniken AG. Die Servicetochter ist an allen 53 Krankenhausstandorten von Sana tätig. Die derzeit noch rund 3.000 Beschäftigten arbeiten vorwiegend auf Teilzeitbasis. Nach der geplanten Schließung der meisten Tätigkeitsbereiche bis zum 31. Dezember bleiben nur die Reinigungsdienste bei der DGS. Sylvia Bühler forderte den Sana-Vorstand auf, die Teilschließung zu stoppen. Einmal mehr zeige sich an diesem Vorstoß, wie nötig es sei, das Gesundheitswesen zu reformieren, so das Verdi-Vorstandsmitglied. »Es reicht nicht, an einzelnen Schräubchen zu drehen, das löst – wie dieser Fall wieder einmal deutlich macht – eine Kettenreaktion aus. Krankenhauspolitik muss sich an der bestmöglichen Versorgung kranker Menschen ausrichten und nicht an wirtschaftlichen Interessen.«

Unterdessen will die Ratsfraktion der Partei Die Linke in Düsseldorf am Donnerstag beantragen, dass die Stadt eine Anteilsmehrheit an der Sana-Kliniken Düsseldorf GmbH zurückkauft. Nach diversen Verkäufen sind derzeit noch 25,1 Prozent der Kliniken in städtischem Besitz. »Corona hat gezeigt: Krankenhäuser müssen Leben retten statt Gewinne machen«, erklärte Julia Marmulla, die Sprecherin der Linke-Ratsfraktion. Nur städtische Krankenhäuser könnten dauerhaft die Gesundheitsversorgung in allen Düsseldorfer Stadtteilen sichern. Helmut Born, gesundheitspolitischer Sprecher der Ratsfraktion, nannte Beispiele für wirtschaftliche Entscheidungen des Klinikkonzerns in Düsseldorf, die sich negativ auf die Versorgung auswirkten: So habe die Geschäftsleitung trotz öffentlicher Proteste die Geburtsstation am Standort Gerresheim sowie Labore in Gerresheim und Benrath geschlossen und Beschäftigte entlassen. »Das zeigt, Privatisierung geht auf Kosten der Menschen. Krankenhäuser gehören in öffentliche Hand!«

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