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Aus: Ausgabe vom 27.04.2021, Seite 6 / Ausland
Riskanter Alleingang

Wieder Ärger mit Sarif

Vertrauliche Tonaufnahmen des iranischen Außenministers veröffentlicht
Von Knut Mellenthin
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Aus dem Nähkästchen geplaudert: Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif (Neu-Delhi, 15.1.2020)

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif steht wieder einmal im Zentrum eines politischen Skandals, der zu seinem freiwilligen oder erzwungenen Rücktritt führen könnte. In der Vergangenheit wurde der Sturz des 61jährigen, der für seine riskanten Alleingänge bekannt ist, nur durch das Eingreifen von »Revolutionsführer« Ali Khamenei verhindert, der offenbar sehr viel von Sarifs diplomatischen Talenten hält.

Der in London beheimatete Fernsehsender Iran International hatte am Sonntag umfangreiche Teile eines bisher unbekannten Gesprächs zwischen Sarif und dem iranischen Journalisten Said Lailas verbreitet, das angeblich am 24. Februar stattgefunden hatte. Der von Saudi-Arabien finanzierte Sender hat neben seinen englischen Nachrichten auch ein Programm in der iranischen Landessprache Farsi. Die Beiträge von Iran International sind außergewöhnlich gut informiert, aber nicht immer zuverlässig.

Wie die Aufnahmen des siebenstündigen Gesprächs zwischen Lailas und Sarif nach London gelangten, ist bisher nicht bekannt. Der Sender veröffentlichte daraus rund drei Stunden Material. In seiner Berichterstattung, die in kürzester Zeit von allen großen Medien rund um die Welt übernommen wurde, konzentrierte sich Iran International auf die Beschwerden des iranischen Außenministers über den Chef der Kuds-Truppe, Kassem Soleimani, der am 3. Januar 2020 bei einem vom ehemaligen US-Präsident Donald Trump angeordneten Drohnenangriff ermordet worden war. Die Kuds-Truppe ist die für Auslandseinsätze zuständige Abteilung des Korps der »Islamischen Revolutionsgarden« (IRGC).

In dem am Sonntag veröffentlichten Teil der Tonaufnahmen behauptet Sarif, Soleimani habe sich ständig in die Außenpolitik eingemischt, so dass sein eigener Einfluss »fast null« gewesen sei. Unter anderem habe sich Soleimani nicht davon abhalten lassen, eine zivile staatliche Luftlinie für Transporte – gemeint sind offenbar Waffen und Munition – nach Syrien zu benutzen. Trump hatte mit diesen Flügen umfangreiche Sanktionen begründet.

Sarif behauptet in dem Gespräch außerdem, Soleimani sei unmittelbar nach der Unterzeichnung des Wiener Abkommens (englisch abgekürzt JCPOA) im Juli 2015 nach Moskau geflogen, um Außenminister Sergej Lawrow zu treffen. Der Besuch sei aufgrund einer russischen Einladung erfolgt und habe aus Sicht beider Beteiligter dazu dienen sollen, das Abkommen gleich wieder zu »zerstören«. Das Außenministerium habe davon nichts gewusst und sei auch über Irans Militäroperationen in Syrien nicht informiert worden.

Während Sarif, der sich am Sonntag in Katar und am Montag im Irak zu Staatsbesuchen aufhielt, zu dem Bericht von Iran International zunächst schwieg, gab der Sprecher des Teheraner Außenministeriums, Said Khatibsadeh, am Montag eine Erklärung ab: Die Äußerungen des Ministers seien »aus dem Zusammenhang gerissen« worden, das Gespräch sei »ein routinemäßiger vertraulicher Dialog im Regierungsapparat« gewesen, und es gebe in keiner Weise den offiziellen Standpunkt der Islamischen Republik wieder.

Zeitungen und andere Medien, die den »Revolutionsgarden« und den sogenannten Hardlinern nahestehen, griffen am Montag das Verhalten des Außenministers scharf an und sprachen von einem »Sarif-Gate«. Attackiert wurde auch der Medienberater von Präsident Hassan Rohani, Hesamodin Ashna, der für die Tonaufnahmen und deren Weitergabe an den von Saudi-Arabien finanzierten Sender verantwortlich gemacht wird.

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