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Aus: Ausgabe vom 24.04.2021, Seite 10 / Feuilleton

E-Mails

Von Florian Günther

Sie betreibt einen kleinen

Verlag, und ab und

an schreibt sie mir von all dem Ärger,

den ihr die Autoren machen.

*

Geht mir genauso,

antworte ich ihr.

Seit ich die Zeitung habe,

ist hier ständig Stress.

Ich hätte ’ne Baufirma gründen

sollen, mit Maurern komm’ ich besser

klar.

*

Dann kommt

die nächste Mail von ihr:

*

Na, schüttet und prasselt und

trommelt und nieselt und

tröpfelt es in Berlin auch schon den ganzen Tag

so schön, und hast du Nase und Ohren

mal rausgestreckt, dich

am Ende sogar rausgewagt und komplett nassregnen

lassen und gemerkt, für wieviel Klarheit und

Durchblick das sorgt?

*

Ich lache und

schreibe zurück:

*

Scheiß auf den Regen!

Was wir brauchen, ist Sonne!

Licht!

Mehr Licht!

*

Und denke: Kein

Wunder, dass

sie Ärger hat: Sie liebt

die falschen Dinge.

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

Für alle, die es wissen wollen: Die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) gratis kennenlernen. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

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