Gegründet 1947 Freitag, 7. Mai 2021, Nr. 105
Die junge Welt wird von 2512 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 26.04.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Liebe Leserinnen und Leser!

In eigener Sache

Viele Wege führen zur jungen Welt – entsprechend gibt es für Sie unterschiedliche Möglichkeiten, Ihre Meinung zu Artikeln unserer Zeitung kundzutun. So können Zuschriften über eine besondere Leserbriefmaske auf jungewelt.de eingesandt werden, per E-Mail oder auf Papier per Post. Sie werden während der Redaktionszeiten bearbeitet. Einige Zeit lang bestand für Onlineabonnenten zudem die Option, Kommentare zu einzelnen Artikeln direkt im Internet zu veröffentlichen. Erst danach wurden diese von uns gesichtet und moderiert – was immer wieder dazu führte, dass sich auch irreführende Beiträge unwidersprochen unter unseren Artikeln fanden und wieder aus dem Netz genommen werden mussten. Personalmangel und pandemiebedingte Einschränkungen, die auch unsere Redaktion in ihrer Arbeitsfähigkeit berühren, haben dies in den letzten Monaten ständig komplizierter gestaltet.

Dieses System wollen wir ab sofort etwas vereinfachen: Vom heutigen Montag an finden sich Kommentar- und Leserbrieffunktion zusammengelegt. Die eingegebenen Texte werden nicht mehr automatisch freigeschaltet, sondern nach Sichtung während unserer Redaktionszeiten Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr. Dies soll möglichst zeitnah geschehen. Wir haben zudem die Leserbriefseite im Internet überarbeitet und übersichtlicher gestaltet, die online veröffentlichten Zuschriften werden nun einheitlich und lesefreundlich unter den Artikeln präsentiert. Wir behalten uns vor, die Kommentarfunktion unter neuer Regie – beispielsweise in Form von moderierten Diskussionen zu Themen des Tages oder der Woche – wieder einzurichten, wenn die Umstände dies zulassen.

Wir bitten die regelmäßigen Nutzer der Kommentarfunktion um Verständnis für die Änderung. Wir hoffen, dass sie sich in der Praxis in der kommenden Zeit als Vereinfachung und Verbesserung bewährt.

Redaktion

Umsturz vereitelt

Zu jW vom 19.4.: »Belarus: Lukaschenko spricht von ›Putschversuch‹«

Es hat sich eingebürgert, bezweifelnde Wörter wie »angeblich« voranzustellen, wenn es sich um Meldungen offizieller Stellen in Russland oder Belarus handelt. Auch wenn man etwas gegen die Politik von Präsident Alexander Lukaschenko einzuwenden hat, muss eine wahrheitsgemäße Berichterstattung jedoch lauten: Ein Attentat und ein Putschversuch wurden vereitelt. Im ersten russischen Fernsehkanal wurde ein Video gezeigt, in dem in aller Ausführlichkeit und absoluter Eindeutigkeit von den verhafteten Drahtziehern die Einzelheiten des Staatsstreiches besprochen werden: Stromversorgung unterbrechen, schwarze Listen, die Ermordung von Lukaschenko und seiner Familie während der Parade am 9. Mai. Was hätte die Presse geschrieben, wenn es um den US-Präsidenten gegangen wäre?

Fred Buttkewitz, Ulan-Ude, Russland

Kein Vergessen

Zu jW vom 23.4.: »Stand der Aufarbeitung: Verstörend«

Ich bin unbedingt der Meinung, dass das Gedenken an das »Stalag 326« in Stukenbrock ein antifaschistisches sein muss. Deshalb ist die Unterstützung und Förderung des ehrenamtlichen Engagements zum Erhalt der Gedenkstätte notwendig und dauerhaft zu sichern. Braucht es dazu eine »Neukonzeption« und eine Ausweitung des Blickwinkels auf die Geschichte dieses Ortes bis in die Gegenwart, wie es Bundes- und Landesregierung fordern? Natürlich nicht. Was haben das nach der Befreiung auf dem Gelände entstandene Sozial- bzw. Missionswerk für Aussiedler oder gar die danach eingerichtete Polizeischule NRW mit dem antifaschistischen Gedenken an die Opfer des »Stalag 326« zu tun? Es ist meines Erachtens doch geradezu lächerlich, die Existenz dieser Einrichtungen als Vorwand für eine »Neukonzeption« heranzuziehen. Nein, es geht hier nicht um eine Veränderung der Konzeption einer antifaschistischen Gedenkstätte, sondern um ihre Relativierung und letztlich antikommunistische Umdeutung. Diesen Prozess gemeinsam mit Elmar Brok (CDU) anzugehen, wie es einige Antifaschisten vorhaben, verkennt meiner Ansicht nach grundlegend die politische Macht und die Herrschaftsmethoden im real existierenden Kapitalismus. Brok ist kein Provinzpolitiker. jW hat ihn zu Recht als einen der »Strippenzieher des Maidan« in der Ukraine und als »politischen Arm des Bertelsmann-Konzerns im Europaparlament« bezeichnet. Als fanatischer Antikommunist war Brok führend an der Entschließung des Europäischen Parlaments »zum Gewissen Europas und zum Totalitarismus« 2009 beteiligt. Darin werden die Verbrechen des Hitlerfaschismus und die Politik der Sowjetunion gleichgesetzt. Es ist leider eine Illusion zu meinen, in der Zusammenarbeit mit solchen Leuten, die auch noch das Geld mitbringen sollen, den Takt angeben zu können. Es wird andersrum enden.

Gerd Detering, per E-Mail

Über Leichen

Zu jW vom 21.4.: »Weiße Weste des Tages: Johnson & Johnson«

Es scheint niemanden zu interessieren, dass die Bestellung von »Sputnik V« im neuen kalten Krieg durch die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus blockiert wird. (…) Die Begründung: Alexej Nawalny und Menschenrechte in Russland. Dass sich die Grünen ebenso intensiv für Julian Assange und die Menschenrechte in den USA einsetzen, ist mir nicht bekannt. (…) Es ist ihnen anscheinend vollkommen egal, dass sie damit den möglichen Tod vieler Berliner in Kauf nehmen. (…)

Klaus Korcz, Berlin

Falsche Militanz

Zu jW vom 20.4.: »Putsch der Topklubs«

Militanz für »unsere« Fußballprofis? Keiner dieser Spieler spendet auch nur einen Pfennig für eine wirkliche Veränderung der Welt hin zum Sozialismus. Keiner von ihnen erhebt seine Stimme für Whistleblower wie Julian Assange oder Edward Snowden. (…) Linke sollten sich nicht um Profisport kümmern, sondern selber aktiv werden: mit Ausdauer-, Kraft-, Kampfsport. Wir werden es brauchen, damit proletarischer Selbstschutz funktioniert.

Marian Rose, Brandenburg

Linke sollten sich nicht um Profisport kümmern, sondern selber aktiv werden: mit Ausdauer-, Kraft-, Kampfsport. Wir werden es brauchen, damit proletarischer Selbstschutz funktioniert.

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

Für alle, die es wissen wollen: Die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) gratis kennenlernen. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. (27. April 2021 um 12:28 Uhr)
    Kommentar zum Leserbrief »Falsche Militanz«. Aus eigener Erfahrung gebe ich dir recht: Linke sollten selbst aktiv werden ... Aber um das zu können, benötigt man Disziplin und Ausdauer. Daran scheitert es meistens. Ich selbst habe circa 15 Jahre lang Kampfsport gemacht und mache heute noch regelmäßig zweimal pro Woche Sport, obwohl ich arbeite. Proletarischen Selbstschutz muss man sich hart erarbeiten ... Der fällt nicht vom Himmel :) Manni Guerth
  • Leserbrief von Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude Russland (27. April 2021 um 10:04 Uhr)
    junge Welt ist eine gute Zeitung. An den online veröffentlichten größeren Artikeln habe ich selten etwas auszusetzen, allerdings schon einige Male bei den gemischten Agenturmeldungen unter »Kurz notiert«. In dieser Kürze kann Ausgewogenheit meist gar nicht hergestellt werden. Was übrig bleibt, ist allzuoft der übliche, gegen Russland gerichtete Unterton des Mainstreams, den diese Agenturen in aller Regel weiter vermitteln. Wenn ich nun gestern feststellen muss, dass laut Norbert Röttgen gegen Lieferungen defensiver Waffen an die Ukraine nichts einzuwenden sei, da (sinngemäß) Russland aggressive Aktionen plane, wirkt letzteres, so dargestellt, als Tatsache. Wenn das unkommentiert so dasteht, dann macht sich junge Welt zum Sprachrohr dieses Mainstreams und zum Helfer Röttgens. Der hat das sicher gern, wenn eine Zeitung als einzige Meinung in einem Beitrag ausschließlich ihn zitiert. Wenn ich dann allerdings noch zusätzlich feststellen muss, dass es mit der Neuregelung ab sofort nicht mehr möglich ist, zu den Beiträgen von »Kurz notiert« einen Leserbrief zu schreiben, dann drängt sich mir der Verdacht auf, dass mit solchen immer wiederkehrenden Agenturmeldungen plus Abschaltung der Kommentarfunktion eben diesem Mainstream gegenüber »Ausgewogenheit« und Konzessionsbereitschaft demonstriert werden soll. Bitte stellen Sie die Funktion Leserbrief auch für Beiträge unter »Kurz notiert« wieder her. Übrigens hat jeder Aggressor auch defensive Waffen, um einen Zweitschlag des Gegners abzuwehren. Die hatte auch Hitler. Der gesamte Raketengürtel, den die NATO seit über zehn Jahren dicht bei dicht entlang der russischen Grenzen platziert, wird von diesem »Verteidigungsbündnis« selbstverständlich »Abwehrschirm« genannt für die »Vorwärtsverteidigung«. Das Unternehmen Barbarossa war natürlich ebenfalls keine Aggression, sondern ein Verteidigungsakt gegen die »bolschewistische Gefahr«.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Gert A. aus Chemnitz (26. April 2021 um 10:03 Uhr)
    Bitte kehren Sie zur ursprünglichen Form bezüglich der Leserbriefhandhabung zurück. Wer hat sich denn diese Verschlimmbesserung ausgedacht? Was sollen die riesigen Zeilenabstände? Da ist nichts leserlicher und übersichtlicher. Weshalb muss immer an etwas etwas Bewährtem herumgespielt werden? Gibt es nicht nicht genug andere Baustellen? Viele Grüße Dr. Gert Alisch, Onlineabonnent und Leserbriefschreiber aus Chemnitz
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinz-Joachim R. aus Berlin (25. April 2021 um 20:00 Uhr)
    Die neue Form, wie die Leserbriefe präsentiert werden, finde ich gar nicht gut. Vor allem stehen die Namen in der Auflistung nicht dabei. Als sicher schon langjähriger Leserbriefschreiber (seit 1997) und -leser fand ich eine gewisse Komplexität zwischen den mir bekannten Autoren auch in der Ausrichtung der jeweiligen Anschauung, konnte mir also viel schneller selbst ein qualitatives Urteil anhand auch der Namen bilden.
    E. Rasmus