1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Mittwoch, 23. Juni 2021, Nr. 142
Die junge Welt wird von 2552 GenossInnen herausgegeben
1.000 Abos für die Pressefreiheit! 1.000 Abos für die Pressefreiheit!
1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 24.04.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Wareniki

Von Maxi Wunder

»Ich bin jedenfalls zufrieden mit Russland.« Roswitha hört Tschaikowski, erstes Klavierkonzert, und blättert genüsslich in »Krieg und Frieden«. »Zwar weiß ich nicht, wie die Russen heute komponieren und dichten, aber das hier gefällt mir schon mal.« Sie dreht lauter. »Diese Klanggröße, verstehst du, Maxi Maxiljowna, diese Weite in jedem Akkord, einfach herrlich!« brüllt sie gegen das elegante Getöse. – »Und diese Dicke!« ergänze ich lautstark und deute auf den 1.600-Seiten-Wälzer von Tolstoi. Ihr Lesezeichen ist bei Seite elf. »Wie willst du das schaffen, Roswitha Wartenbergskaja?« – »Ach, sei nicht so kleinlich, Täubchen! Bestimmt gibt es ein russisches Sprichwort, das da lautet: ›Ein gutes Buch ist wie der erste Kuss. Es soll niemals enden …‹« Au, die hat’s erwischt. Aber das ist ja auch der Sinn eines russischen Kulturabends.

Udo kocht. »Mädels, wie heißen nochmal die ukrainischen Pelmeni?« – »Die was?« – »Na, die gefüllten Teigtaschen … auf ukrainisch. Die mit der Specksoße!?« – »Auf ukrainisch oder auf krimtatarisch?« blödelt Rossi. – »Auf was?« Egal. Das Essen heißt:

Wareniki

Für die Füllung 800 g Kartoffeln schälen, salzen und kochen. In der Zwischenzeit zwei mittelgroße Zwiebeln kleinhacken und in Butter oder Butterschmalz goldgelb anrösten. Wenn die Kartoffeln gar sind, abgießen und stampfen. Mit einem halben Becher Kräuterquark, den gerösteten Zwiebeln, Salz, Pfeffer und einem halben Bund kleingehackten Dill mischen. Auskühlen lassen.

Für den Teig 400 g Mehl, eine Prise Salz, ein Ei, 125 ml Wasser und einen EL Öl zu einem glatten Teig verarbeiten und ca. 30 Minuten bemehlt ruhen lassen. Auf einer mehlbestäubten Arbeitsfläche den Teig mit einem Nudelholz dünn ausrollen und mit einem großen Wasserglas oder einer Teigtaschenform runde Scheiben ausstechen. Die ausgestochenen Teigscheiben mit jeweils etwa einem Esslöffel Kartoffelfüllung belegen, einen Halbmond falten und die Ränder fest zusammendrücken. Die Ränder vorher leicht mit Wasser bestreichen, damit sie besser zusammenkleben. Die rohen Teigtaschen in siedendem Salzwasser unter gelegentlichem Umrühren kochen, bis sie an der Oberfläche schwimmen. Mit dem Schaumlöffel herausnehmen und warm stellen. In einer Pfanne zwei gewürfelte Zwiebeln und 100 g gewürfelten Speck in Butter braten und über die Wareniki verteilen. Wareniki schmecken wie alle Teigtaschen auch angebraten. Hierfür eine Tef­lonpfanne mit viel Fett verwenden.

Dazu eine Runde Horilka. Der Name des Schnapses kommt von dem ukrainischen Wort für »brennen« und verdient ihn auch. »Maxi Maxiliewna, warum zieren Sie sich?« Udo Iwanowitsch schaut mich aufmunternd an. »Stoßen Sie schon mit uns an. Sa wasche sdorowje!« Die Russifizierung unserer Namen ist albern, gehört aber zum korrekten Ablauf eines Kulturabends. Ich weiß, dass ich den Fusel nicht runterkriege, und wehre mich mit einem echten russischen Sprichwort: »Nein danke. Erstens trinke ich nie Wein. Zweitens ist heute kein Tag zum Trinken. Und drittens habe ich schon drei Gläschen gekippt.«

1.000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Ähnliche:

  • EU-Kommissionschefin hat keine Zeit für Ukraines Präsidenten Sel...
    17.04.2021

    Kalte Füße in Brüssel

    Kommissionspräsidentin von der Leyen sagt Teilnahme an Kiewer Propagandaveranstaltung ab
  • »Donbass, das Herz Russlands«. Plakat der Russischen Sowjetrepub...
    15.04.2021

    Angriff auf Donbass

    Mit Rückendeckung der USA droht die Ukraine den seit sieben Jahren bestehenden »Volksrepubliken« Donezk und Lugansk mit Krieg. Russland will seine dortigen Staatsbürger verteidigen
  • Lloyd Austin am Dienstag: 500 GIs mehr für die Bundesrepublik. D...
    14.04.2021

    Besuchen Sie Europa, solange es noch steht

    Großmanöver gegen Russland, der Ukraine-Krieg und Afghanistan: US-Kriegsminister Lloyd Austin mit politischem Sprengstoff auf Visite in Berlin

Mehr aus: Wochenendbeilage