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Aus: Ausgabe vom 24.04.2021, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage
Kabarett

»Ich will mutig sein«

Über die Folgen der Pandemie für den etablierten Kulturbetrieb und die alternative Szene, über neue Sendeformate und alte Feinde. Ein Gespräch mit Serdar Somuncu
Interview: Maximilian Schäffer
Serdar_Somuncu-Pressefoto4-©Paul_Schirnhofer.jpg
Serdar Somuncu

Ein Jahr Auftrittsverbot – wie geht es Ihnen damit?

Ambivalent, würde ich sagen. Auf der einen Seite ist es ärgerlich, 32.000 Tickets, die auf Halde liegen, nicht bespielen zu können. Auf der anderen Seite ist es eine Herausforderung, die ich auch annehme. Ich bin auch nicht ganz auf Eis gelegt, ich probiere viele neue Sachen aus, was ich irgendwie gewöhnt bin, da ich in den letzten Jahren immer wieder Pausen eingelegt habe. Vielleicht weil ich ahnte, dass das Live­geschäft irgendwann einbrechen könnte.

Wenn man bei 32.000 Tickets mit einem Gewinn von vielleicht zehn Euro pro Karte rechnet, ist man schon bei einem Batzen Geld.

Auf jeden Fall. Für mich ist das akut finanziell weniger schlimm, ich habe die letzten Jahre gut gearbeitet, und ich habe ja noch Jobs. Viel schlimmer ist es für die Menschen, die von meiner Arbeit mit abhängen: Techniker, Lichtleute, Fahrer, Assistenten. In meiner Dokumentation »Innen/Außen« sieht man, wie viele Leute eigentlich im Hintergrund und im Umfeld solcher Auftritte arbeiten; das sind an die 50 pro Abend. Und die überleben das nicht. Die sind jetzt alle entweder auf Hartz IV oder haben sich neue Jobs gesucht, und es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie wieder zurückkommen werden. Weil, wenn du einmal diese schmale Basis, die du dir über die Jahre hinweg in dieser Branche aufgebaut hast, verlierst, dann kannst du nicht ohne weiteres wieder bei Null anfangen, dann ist deine Existenz maßgeblich beschädigt.

Sollte es gemäß der Coronamaßnahmen irgendwann wieder möglich sein, aufzutreten, stellt sich die Frage, was aus den Klubs und Theatern und Konzerthallen bis dahin geworden ist.

Dazu gibt es eben unterschiedliche Theorien. Die einen sagen, das wird schnell wieder vergessen sein, und die Menschen werden wieder in die Veranstaltungsstätten strömen. Die anderen sagen, das wird die nächsten zwanzig Jahre nicht mehr so werden, weil die Zuschauer einfach Angst haben. Vielleicht überleben ja auch die Veranstalter nicht. Fraglich auch, inwiefern die restliche Infrastruktur dann noch existiert. So ein Auftritt besteht ja nicht nur daraus, dass ich auf die Bühne gehe. Er ist ein hochkomplexes Gebilde an unterschiedlichen Dienstleistungen, die zusammenkommen. Wenn diese Struktur nicht mehr funktioniert, weil die Basis zerstört ist – und die Basis ist weitgehend zerstört –, dann weiß man auch nicht, wie lange das dauern wird, bis man das wieder aufbaut.

Staatlich subventionierte Theater und Opernhäuser werden bestimmt in absehbarer Zeit wieder öffnen. Aber was ist mit unabhängigen Orten? Was ist mit Untergrundkultur? Für die gibt es in absehbarer Zeit keine Perspektive. Da kommt doch ein großes gesellschaftliches Problem auf uns zu.

Sicherlich trifft es die am schlimmsten. Einerseits die materielle Existenzbedrohung durch Corona, denn Subkultur wurde nicht über Jahre hinweg staatlich gefördert. Andererseits ist es so, dass gleichermaßen die Akzeptanz, die sich Subkultur aufgebaut hat, schwindet. In einer Notsituation gucken die Leute erst einmal, dass sie ihre eigene Existenz sichern. Für viele Menschen, die nicht zu schätzen wissen, was Kultur in ihrer Vielfalt bedeutet, ist sie verzichtbar, und je weniger staatlich subventioniert sie ist, desto unwichtiger scheint sie für diese Leute auch zu sein. Ich befürchte, es wird lange dauern, bis wir die Vielfalt, die wir vor der Krise hatten, danach wieder haben werden. Das wird nicht nur finanzielle Mittel erfordern, sondern auch eine Akzeptanz in der breiten Bevölkerung.

Der Staat vermittelt aktuell gern Sicherheit, indem er alles, was er selbst »hygienisch« reguliert als vertrauenswürdig verkauft. Alles Private, Eigenständige gilt hingegen als unsicher. Die Leute werden bestimmt mehr Angst haben in einen Klub zu gehen als ins staatliche Theater, wo es scheinbar medizinisch einwandfreie Hygienekonzepte gibt.

Ich habe mir abgewöhnt, mir da so pauschale Urteile zu bilden, von denen ich nicht genug Ahnung habe. Ich weiß nicht, was der Staat gerade macht.

Ich weiß es auch nicht.

Ja, diese Ungewissheit belastet uns alle. Wir haben alle das Gefühl, etwas Schlimmes könnte auf uns zukommen, aber gleichzeitig scheint uns nicht angemessen, welche Maßnahmen im Moment geboten sind. Und immer nur Lockdowns zu verschärfen, den Leuten immer nur zu sagen »bleibt möglichst zu Hause«, immer nur zu sagen »keine Kontakte« – das führt auf Dauer nicht weiter. Diese Verbotsspirale, in der wir ja jetzt schon seit geraumer Zeit stecken, lässt gleichzeitig die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wachsen.

Wenn ich heute durch Berlin fahre, dann sehe ich nur Leute ohne Maske, die auf der Straße rumstehen und mit anderen zusammen Bier trinken. Da fragt man sich dann schon, ob das Ende der Fahnenstange erreicht ist und ob die Maßnahmen noch wirken. Oder müssen wir nicht wieder zu einer Eigenverantwortlichkeit in der Bevölkerung zurückkehren, die wir mit staatlichen Maßnahmen unterstützen, indem wir den Menschen Masken oder Schnelltests zur Verfügung stellen? Der Staat kann eben nicht ins letzte Eckchen jeder Wohnung gucken und sagen: »Pass auf, da musst du dich schützen!« Wir müssen dringend zurück zur Verantwortung des einzelnen – das ist mittlerweile meine Meinung –, wenn wir auch die kulturelle Infrastruktur dieses Staats erhalten wollen.

Jeden Tag stehe ich auf und sehe in der »Tagesschau«-App nur die Gesichter der endlosen Pandemie. Meine Resilienz ist am Ende, auch finanziell bin ich am Boden. In meiner Verzweiflung frage ich mich, warum eine entschiedene Kritik an den in sich widersprüchlichen, aber autoritären Coronamaßnahmen fast ausschließlich von rechts kommt.

Wir sind sozusagen Teil eines großen Experiments, dessen Überschrift lautet: »Wie weit kann man eigentlich gehen?« Was passiert, wenn man die Leute dauerhaft Isolation aussetzt, sie ihrer Grundrechte beraubt und ihnen Restriktionen zumutet, von denen man nicht weiß, ob sie eher nützen oder eher schaden. Das Ergebnis ist, dass wir gerade alle feststellen, dass hier irgendwas kaputtgeht und wir nicht wissen, ob wir das irgendwann wieder erneuern oder heilen können oder ob das bleibt. Zweitens wird die öffentliche Debatte über richtig und falsch sehr stark über Zuordnungen oder Zugehörigkeiten gesteuert. Bestimmte politische Richtungen haben sich bestimmte Denkweisen angeeignet, und kein Dialog findet mehr zwischen beiden Richtungen statt, aber auch keine gemeinsame Anstrengung, Lösungen zu finden. Was bleibt, ist ein Entweder-Oder, ein Beschuldigen und Schwarzweißdenken, das wir davor schon hatten und das sich durch Corona noch verstärkt hat. Solche Ersatzdebatten, die die Frage verdecken, wie wir einen gesellschaftlichen Konsens finden können, der uns aus dieser Krise herausführt, führen dazu, dass sich die Situation verschärft, dass sich die Stimmung verdüstert und wir an den Rand der Hysterie geraten. Wir sind aber nicht nur hysterisch, sondern auch depressiv und mutlos, fast so, als wären wir schon von Corona infiziert.

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Ein »hochkomplexes Gebilde«: Serdar Somuncu bei der Abschlussgala der 3. Dresdner Humorfestspiele »Humorzone« im Alten Schlachthof, Dresden (12.3.2017)

Am Anfang der Krise wurde immer davon gesprochen, dass der R-Wert gesenkt werden müsse, mittlerweile spricht keiner mehr drüber. In der nächsten Phase haben wir über die Verkürzung der Verdopplungszeit gesprochen – spricht keiner mehr drüber. Dann haben wir über die Zahl der Toten gesprochen, dann haben wir über die Zahl der Intensivbetten gesprochen, mittlerweile sind wir nur noch bei den Inzidenzwerten. Man sieht, nicht nur der gesellschaftliche Diskurs ist gestört, die Politik beteiligt sich gar nicht mehr daran, sie verwaltet die Krise nur noch. Und das auf eine sehr orientierungslose Weise.

In Berlin besetzen nun private Testzentren die mehr und mehr verwaisten Einkaufspassagen und Gastronomiebetriebe. Vor kurzem bot man negativ Getesteten hier noch freies Geleit zum Einkauf. Ein Test pro Woche kostenlos, Nichtinfizierte mit den entsprechenden Geldmitteln konnten sich folglich die Ödnis mit Shopping austreiben. Was vermittelt mir das als Bürger?

Erst einmal, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Jeder hat mitbekommen, wie schnell die Regierung der Lufthansa neun Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hat. Es liegt natürlich im Interesse der Wirtschaft, eine große Fluggesellschaft am Leben zu halten und damit auch Infrastruktur und das Urlaubsbedürfnis der Menschen zu bedienen. Gleichzeitig hat die Lufthansa Zigtausende Stellen gestrichen und rein profitorientiert gehandelt. Ich frage mich nun: Wenn der Staat neun Milliarden an ein Unternehmen ausschütten kann, das nur zum Teil verstaatlicht ist, warum kann derselbe Staat nicht auch zwei Milliarden in die Hand nehmen, um subventionierte, spottbillige Schnelltests für alle auf den Markt zu werfen? Aber von uns Bürgern wird ständig gefordert, dass wir solidarisch sind. Das ist paradox.

15 Jahre lang haben viele Menschen, inklusive Teile der parlamentarischen Opposition, festgestellt, dass die Regierungen unter Merkel eine absolut rücksichtslose Gesundheitspolitik durchgezogen haben. Seit 2020 fahren sie bereitwillig mit der Kanzlerin »auf Sicht«. Plötzlich zählt jeder Tote, auch für die Schlagzeilen der Boulevardzeitungen.

Es gibt große Versäumnisse auch bei der Presse, die Medien gehen höchst unverantwortlich mit der Situation um. Vor allem Bild und Spiegel online, die jetzt alles hinter eine Paywall stellen und Tag für Tag ein Ungleichgewicht bei den Menschen erzeugen – zwischen »Es wird schon alles wieder gut!« und »Es wird noch alles viel schlimmer, als wir dachten!« Hauptsächlich geht es um darum, als Profiteure der Krise Abozahlen zu steigern. Tagtäglich überlegt man, welche nächste große Angst noch stimuliert werden könnte. Aktuell geht es beispielsweise um die Wirksamkeit des Impfstoffs oder die Gefährlichkeit von Mutanten. Irgendein Institut, irgendwo, hat dann anhand irgendeiner Studie angeblich herausgefunden, dass der Impfstoff zu soundsoviel Prozent nicht wirkt oder dass man danach noch kränker ist als zuvor. Das zieht, die Leute lesen das und merken dabei zugleich, dass es sich nur um einen Clickbait handelt, weil dieser nämliche Wissenschaftler gleichzeitig sagt, dass die Wahrscheinlichkeit eigentlich nur sehr gering ist. Dieses perfekte Ungleichgewicht aus Hoffnung und Verzweiflung zur Grundlage von Entscheidungen zu machen ist der Fehler der Politik. Sie lässt sich viel zu sehr darauf ein, anhand verbreiteter Zahlen und Ängste über Entscheidungen nachzudenken. Wenn das die »größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg« ist, wieso gibt es dann keinen nationalen Krisenstab? Da muss dann nicht nur ein Wissenschaftler sitzen, sondern die besten Wissenschaftler der Republik, gemeinsam mit Kulturschaffenden und Presseleuten. Dann kann vielleicht der eine zum anderen sagen: »Halt mal den Ball flach und mach nicht noch einen NDR-Infopodcast, in dem du sagst, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die britische oder südafrikanische Variante zu uns gelangt, sondern informiere die Leute so, dass sie auch beruhigt sind und eine Perspektive haben!«

Finden Sie Formate wie einen »Faktencheck« propagandistisch?

Ich finde alles, was im Moment im Fernsehen läuft, propagandistisch. Ich habe das Gefühl, die haben schon längst das Maß verloren. Ob das ein »ZDF Extra« ist oder eine Maybrit Illner oder eine ­Anne Will oder ein »RTL Aktuell« – da guckt jeder nur auf seine eigenen Zuschauerzahlen, und das ist angesichts der Krise höchst unverantwortlich. Ich will keine staatliche Kontrolle oder ein Zensurgremium haben, auch hier gilt Eigenverantwortung. Ein Julian Reichelt oder ein Peter Kloeppel muss sich doch auch mal fragen, ob das noch okay ist, was er gerade macht.

Sie selbst produzieren mittlerweile auch im Internet, »XStream Latenight« heißt die neue Show. Wieso erfolgt eine humoristische Aufarbeitung der Situation, die sich angesichts ihrer offensichtlichen Absurditäten doch anbietet, in der Öffentlichkeit kaum?

Das würde ich nicht so sagen. Es gibt Formate, in denen das aufgearbeitet wird. Von der ZDF-»Anstalt« bis hin zu Dieter Nuhr, die auch politisch auf gegenüberliegenden Seiten stehen. Die andere Frage ist für mich wichtiger: Wieso findet eine Show wie meine nicht auch in Medien statt, die sichtbarer sind. Das hat mehrere Gründe. Ich bin durch die Art, wie ich arbeite, zu einer Persona non grata geworden. Das liegt ganz häufig einfach daran, dass ich das sage, was ich denke, aber eben nicht wie ein Attila Hildmann mit psychotischem Unterton. Ich versuche immer sehr wahrhaftig und unabhängig von Auftraggebern und Institutionen zu sein, die mir Geld geben für das, was ich sage. Für die, die gerne regeln wollen, was rausgeht und was reinkommt, wird der kommerzielle Erfolg eines Unabhängigen zur Bedrohung. Deswegen meiden sie mich.

Gilt das für die Öffentlich-Rechtlichen genauso wie für die Privaten?

Das gilt für alle, die redaktionell arbeiten. Schließlich geht es entweder um »Bildung« oder um Einschaltquoten. Wenn also einer daherkommt und erst einmal sagt, was er denkt, dann bekommt der Sender Angst, seine Werbepartner zu verlieren, oder Angst davor, dass die Öffentlichkeit mitbekommt, wie sehr er seine Inhalte reglementiert. Das ist auch eine Form von Korruption. Meine Unabhängigkeit ist für viele ambivalent, einerseits ist es anziehend, weil sie sehen, dass das Publikum sich nicht beschummeln lässt – ich habe trotz weniger Werbung sehr viele Zuschauer. Gleichzeitig meidet man mich, weil ich zuviel Risiko bin. Besonders in dieser Zeit, wo jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, ist jemand, der sagt, was er denkt, unangenehm unkalkulierbar.

Wie waren Ihre Einschaltquoten bei N-TV, bevor Ihre Sendung »So! Muncu!« Ende 2019 eingestellt ­wurde?

Sensationell gut. Alle Sendungen, die danach gekommen sind, sind total abgekackt. Wir hatten am Anfang die Position eines Außenseiters und über die Jahre hinweg die Quoten fast verdreifacht. Für diesen Sender, bei dem wir als Fremdkörper auftraten, hatten wir wirklich sensationelle Zahlen. Das war kein Showkonzept von der Stange, wir haben das von der Pike auf entwickelt, und es ist echt etwas Einzigartiges gewesen, weil Politiker, Journalisten und Künstler an einem Tisch zusammensaßen und mit einem Moderator über ein Thema gesprochen haben, der total außer Rand und Band war. So haben sich verschiedene Floskeln und Gewohnheiten bloßgestellt. Indem man die Regeln der gewöhnlichen Talkshow aushebelt, kann man Leute gut entlarven. Wir sind ja auch für den Deutschen Fernsehpreis und den Grimme-Preis nominiert worden, aber ich glaube, das war selbst denen, die uns nominiert haben, am Ende zuviel, und sie haben ein bisschen Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen. Irgendwann dachte der Sender dann, er könnte auf uns verzichten, aber alle nachfolgenden Programme, die unseren originären Ansatz vermissen ließen, wurden reihenweise nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Jetzt ist N-TV wieder das, was er einmal war – ein relativ dröger Nachrichtensender.

Ob Maischberger, Will oder Lanz – es ist eigentlich immer dasselbe Umfeld, immer dieselben Personen mit denselben Fragen mit denselben Antworten.

Das ist ja auch der Grund, weshalb ich aus diesen Medien letztendlich rausgegangen bin. Du kannst im Fernsehen nichts machen, ohne dass du immer mit einem Bündel von Angst konfrontiert wirst: die Angst der Redakteure, ihren Job zu verlieren, die Angst des Senders, die Zuschauer zu verprellen, die Angst der Werbekunden, die Angst der Leute, die Werbung besorgen. Und ich will nicht mit Angst konfrontiert werden, ich will mutig sein. Wir haben genug Anlass, im Augenblick mutig zu sein, aber die meisten haben das noch nicht begriffen und ruhen sich aus auf Formaten, die seit Jahren laufen und die keiner mehr sehen will. Den Mut zur Innovation haben viele nicht, und deswegen ist das Fernsehen mittlerweile auch eine Dauerschleife von Belanglosigkeit.

Serdar Somuncu …… ist Kabarettist, Autor, Regisseur und Moderator. Aktuell produziert er das Internetformat »XStream Latenight«, spricht im Podcast »Schroeder und Somuncu« auf Radio eins (Berlin) und bereitet seine neues Tourneeprogramm »Das vierte Reich« vor

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Dagmar G. (24. April 2021 um 14:50 Uhr)
    Danke für das Interview. Herr Somuncu tut, was wir alle mehr tun sollten, nämlich an geeigneter Stelle zu sagen, was man denkt. (Ist er deshalb nicht mehr in der »Heute-Show«?) Besonders der Satz: »Ich weiß nicht, was der Staat gerade macht«, hat mir gefallen. Unserer Regierung fehlt nach über einem Jahr noch immer ein Plan durch und aus der Pandemie, der allen gesellschaftlichen Bereichen gerecht wird, rettet aber sehr zeitnah die Lufthansa (wozu?), und auch die Fußballbundesliga spielt seit langem wieder (wozu?). Die Chefs des Paul-Ehrlich-Instituts und der STIKO wirken medial, als wären sie gerade aus dem Winterschlaf erwacht, und das in einer Krise, in der sie in der Öffentlichkeit mit Fachkompetenz und Krisenmanagementfähigkeiten geradezu brillieren könnten – wann, wenn nicht jetzt? Man hätte wenigstens vigilante Pressesprecher engagieren können.
    Ich bin inzwischen ermüdet von immer noch einem neuen Virologen/Experten und immer noch einem ARD-Brennpunkt. Ich würde mich freuen über eine Regierung, die zusammen mit dem Parlament und klug ausgewählten Fachleuten (Virologen, Intensivmedizinern, Kulturschaffenden, Wirtschaftsexperten, Handel etc. und auch immer dieselben) einen für alle akzeptablen langfristigen Weg aus der Pandemie findet. Dass unsere derzeitige Regierungsriege sich immer nur von einem Lockdown zum anderen hangelt, mit dem Impfen nicht vorankommt und das neue Gesetz, das alles regeln soll, »Notbremse« nennt, finde ich sehr bedenklich.
    Ich bin übrigens nicht im Homeoffice, sondern langjährig Ärztin in einem der Krankenhäuser, die jetzt auch Corona-Intensivpatienten behandeln und von denen die Bertelsmann-Stiftung noch vor wenigen Jahren behauptete, sie seien verzichtbar.

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