Gegründet 1947 Freitag, 7. Mai 2021, Nr. 105
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Aus: Ausgabe vom 24.04.2021, Seite 11 / Feuilleton
Corona

Alles dicht machen

Von Thomas Salter
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Noch ganz dicht? Jan Josef Liefers (2020)

Kiffer sind meistens etwas spät dran, das sollte man den jetzt viel gescholtenen Schauspielern Ulrich Tukur, Heike Makatsch, Jan Josef Liefers und Hans-Jürgen »Richy« Müller und ihrer Kampagne mit dem Hashtag »Alles dicht machen« schuldvermindernd anrechnen. Klar, der 20. April – oder 420 Day, wie Marihuanaenthusiasten wie ich den inoffiziellen Weltcannabistag nennen – war schon am Dienstag. Aber probieren Sie mal das Gebot des »Wake und Bake« zu befolgen (also gleich mit dem Morgenkaffee einen quarzen), und dann Satire zu machen. Was wetten: Sie werden – unkontrollierbarer Laberflash – erst viel zu spät fertig werden; Hunger auf Süßigkeiten kriegen; vertrödeln, den Film zu schneiden; es auf Mittwoch schieben – und irgendwie sind die Gags dann doch nicht mehr so geil, wie Sie breit noch dachten. Aber das Motto lautet ja: Alles dicht machen. Also brav die nächste Tüte anzünden, weitermachen, alles für den guten Zweck.

Und alle Spießer sollen mal chillen! Wenn Tukur witzelt, die Regierung solle auch Supermärkte schließen, denn wenn alle verhungern, endet auch Corona: Wenn Sie gerade einen Topf mit einer Zweiliterbong durchgezogen hätten, würden auch Sie diesen Steinzeitsarkasmus à la »Ich mein’ das Gegenteil, hö hö, voll kritisch« zumindest kraftlos bekichern. Und der Gag von »Richy«, der von einer Plastiktüte in die andere atmet, um niemanden anzustecken, das würden Sie high mit einem breiten schläfrigen Grinsen honorieren ... Warten Sie mal, was sagst du, Peter? Oh, mein Kollege meint, die sind gar nicht Kiffer, sondern halten sich für Kritiker der neuesten Coronamaßnahmen. Aber das kann nicht sein. So doof ist man doch nicht nüchtern.

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

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  • Leserbrief von Anne Hornung (30. April 2021 um 15:00 Uhr)
    Mittlerweile rudern bekanntlich immer mehr der Protagonisten von »Alles dichtmachen« wieder zurück und bereuen zutiefst, an der Aktion teilgenommen zu haben. Das ist zwar löblich, aber nicht immer überzeugend. Ein Zeichen echter und solidarischer Kritik an den Coronamassnahmen könnte darin bestehen, dass die Akteure und Promis ihre Bekanntheit dafür nutzen, in einer genauso medienwirksamen Aktion für ein solidarisches Gesundheitswesen mit guter Bezahlung und einer personell ausreichenden Besetzung einzutreten. Das würde auch beinhalten, dass sie sich von AfD und jeglichen »Querdenkern« öffentlich distanzieren und das Verbot aller faschistischen Parteien und Organisationen fordern. So könnte das Ganze glaubwürdig hinterlegt werden.
  • Leserbrief von Jörg Tetzner (30. April 2021 um 14:31 Uhr)
    Eure bisherigen Artikel zur Aktion »Alles dichtmachen« der Schauspieler waren erschreckend auf Linie der Mainstreammedien. Aus den Kommentaren und Leserbriefen habt ihr hoffentlich verstanden, dass eine linke Kritik der sogenannten Coronamaßnamen bisher fehlt. Es fehlt eurerseits eine differenzierte Herangehensweise an die sehr gut gelungene satirische Kritik an den sogenannten Coronamaßnahmen der Bundesregierung. Mich erschreckt die einseitige Reaktion der Medien darauf. Denn damit geben sie deutlich der von den Schauspielern geäußerten Kritik recht. Eine kritische Berichterstattung zu den widersprüchlichen und oft nicht wissenschaftlich basierten Maßnahmen leisten diejenigen nicht, die die Schauspieler Anschuldigungen überschütten. Im Kampf für eine bessere Ausstattung der Krankenhäuser, für eine gute Bezahlung des Pflegepersonals und gegen die kontraproduktiven Fallpauschalen in der Krankenhausabrechnung sucht man die nun jammernden Journalisten vergebens. Bitte organisiert eine linke Pro-Contra-Debatte. Forderungen nach einem harten »Lockdown« fördern die autoritäre Staatshörigkeit.
  • Leserbrief von Roland Winkler aus Aue (30. April 2021 um 11:51 Uhr)
    Viel Mut braucht es sicher kaum, dass sich bekannte Mimen von Film, Funk und TV mal an Satire versuchen. Das wäre übertrieben. Etwas mehr politischen Verstand und Gespür hätte es ganz sicher gebraucht. Hätten sie doch mal bei einigen hervorragenden Kabarettisten und Satirikern genau hingehört, wie deren scharfe Klinge bei Corona und anderen brisanten Themen die Richtigen richtig trifft, mit Satire nicht den politischen Sumpf und Hintergrund zu kritisieren vergisst. Den »Mutigen« eine schlechte Absicht unterstellen, wäre sicher ungerecht. Politische Dummheit und Einfalt käme dem schon näher, wenn wir hören, was Reaktionen aus welchen Richtungen sind, die ihnen um die Ohren fliegen. Über nette und gelungene Witzeleien an orientierungsloser Regierungspolitik mal richtig lachen können ist und tut gut. Den richtigen Sinn macht es aber nur, wenn es politisch bildet, erklärt und adressiert. Auffallend für den eigentlichen Schuss in den Ofen oder das eigne Knie ist es dann, wenn sich aus Politik unvermittelt Stimmen finden, die Zynismus unterstellen und selbst in maßloser Heuchelei so tun, als lägen ihnen Pflegekräfte, Klinikpersonal, Patienten usw. am Herzen. Von einkalkuliertem Zynismus bei den Initiatoren reden ist bestimmt falsch. Weil den Liefers und Co. die Zustände des durchökonomisierten, profitorientierten Menschenrechts auf Gesundheit gerade in dieser Pandemie und auch Arbeits- und Lebensbedingungen von Beschäftigten dieser Bereiche weitgehend fremd sind, weil sie wenig über Ursachen, Hintergründe usw. wissen, kommt schnell etwas heraus, was nicht die Absicht war. Typisch für politischen Unverstand sind meist noch dümmliche, deplazierte, gefallsüchtige Bemerkungen wie »zurück zu DDR, Partei« usw. Auf Mut zu politischem Unverstand brauchen wir keine Lobeshymnen anzustimmen.
  • Leserbrief von E. Rasmus aus Berlin (30. April 2021 um 11:14 Uhr)
    Ich halte den Artikel von Thomas Salter genauso für verfehlt, mache aber auf Clint Kohlberg aufmerksam, der schreibt: »Meine Hoffnung ist immer noch, dass die junge Welt die sozialistische Arbeiterbewegung von den stalinistischen Verengungen eines Einparteiensystems befreit. … Ich werde ›niemals‹ linientreu sein, sondern, wenn möglich, eine eigene Meinung haben. Ich bin kein Borg (›Star Trek‹), sondern ein Mensch.« Aha! Was die Vernichtung der der Einheit der Arbeiterklasse gebracht hat, dürfte dem Leserbriefschreiber wohl entgangen sein. Im übrigen hatten wir in der Deutschen Demokratischen Republik in der Nationalen Front neben der Sozialistischen Einheitspartei die im demokratischen Block wirkende Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD); die Liberaldemokratische Partei Deutschlands (LDPD); die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD) und Massenorganisationen wie den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB); die Freie Deutsche Jugend (FDJ) – in der alten BRD verboten; den Kulturbund – ebenfalls in der alten BRD verboten – und die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) sowie viele weitere Organisationen wie die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) oder die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) etc. Darin kam ein zutiefst demokratischer Charakter und überhaupt erst die Möglichkeit als Grundbedingung zum Aufbau eines wahren oder auch real existierenden Sozialismus zum Ausdruck. Clint Kohlberg schüttet das Kind mit dem Bade aus, wenn er von stalinistischen Verengungen schreibt. Die »stalinistische Verengung« in der Sowjetunion führte erst am 8. Mai 1945 zur Befreiung vom Hitlerfaschismus und brachte ein sozialistisches Weltsystem auf den Weg. Womit der Grundstein für die programmatische und wissenschaftliche Losung von Karl Marx und Friedrich Engels »Proletarier aller Länder, vereinigt euch!« gelegt worden war. Die heute nicht »linientreue« Politik der Linken bis hin zur Sozialdemokratie macht Kapital und Krieg möglich. Ich für meinen Teil pflege Linientreue zum wissenschaftlichen Sozialismus, damit er nicht Utopie bleibt.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (30. April 2021 um 10:54 Uhr)
    Die Aktion der Schauspieler ist bemerkenswert, weil endlich Kulturschaffende sich zur »Bundesnotbremse« äußern. Es ist eindeutig von dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit abgedeckt, unterschiedliche Meinungen zu vertreten und zu veröffentlichen, ohne von wem auch immer politisch in eine Ecke gedrängt und ohne Richterspruch verurteilt zu werden. Die »Bundesnotbremse« ist mit Sicherheit kritikwürdig, warten wir mal das Urteil zuerst ab. Aber, wenn so weitgehende Einschränkungen in Grundrechte beschlossen werden, ist Kritik und Diskussion mehr als gefragt. Sie herabzuwürdigen, indem der Kritiker ohne Grund einer rechten politischen Gruppierung zugeordnet wird, offenbart die Absicht, Kritik mundtot zu machen. Dies widerspricht elementar dem Grundrecht freier Meinungsäußerung. Das ist anmaßend, erzeugt Vorurteile und diskriminiert nachdenkliche Mitbürger. Besorgniserregend und alarmierend scheint mir die Tatsache, dass zahlreiche Schauspieler ihren Beitrag, nach dem medialen Druck gelöscht haben und die Veröffentlichung des Beitrags als Fehler bezeichnet haben. »Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.« So notierte es Kurt Tucholsky 1919 im Berliner Tageblatt. Trotzdem ist es traurig, dass mehr als hundert Jahre später vielleicht eine nicht ganz gut gelungene, übertriebene »Satire« noch immer vielen Menschen übel aufstößt.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Claudia S. (24. April 2021 um 11:58 Uhr)
    Ich kann mich allen bisher hier geäußerten Kommentaren nur anschließen. Ich lese die junge Welt seit Jahren, ich verteile sie am 1. Mai und werbe für sie, wo immer ich kann. Ich bin nicht immer eurer Meinung, aber das wäre auch fatal. Aber zum Diskutieren und Nachdenken, Nachlesen usw. sind eure Beiträge immer. Nur seit der Berichterstattung über Corona verstehe ich echt nicht, was euer Problem ist. Und zwar nicht erst seit gestern. Von Anfang an in das Geheul der meisten Medien einzustimmen, obwohl ihr die ganze Zeit über die Begleitumstände und alles, was hier ringsumher passiert, in gewohnter Weise kritisch berichtet, von der Schere zwischen Arm und Reich, den Miseren des Gesundheits- und des Bildungssystems, über die Situation von Flüchtlingen auf dem Meer und in den Lagern bis zu den Kriegsvorbereitungen der westlichen Welt, alles habt ihr auf dem Schirm, aber den Zusammenhang zur aktuellen Innenpolitik, also all dem Chaos und der Angst, die hier verbreitet wird, ohne auch nur ansatzweise das tatsächlich vorhandene Problem der Krankheit anzugehen, diesen Bogen schlagt ihr nicht, und ich frage mich – warum? Statt dessen stimmt ihr immer wieder in die Verunglimpfungswellen ein, mit denen Menschen überrollt werden, die klare Haltung zeigen, ihre Meinung sagen, ihr Wissen teilen und sich für eine angstfreie und tatsächlich solidarische Umgangsweise mit der Situation einsetzen, egal ob es Wissenschaftler sind (von denen mittlerweile wirklich viele sich kritisch äußern), über Künstler bis hin zu den »einfachen Leuten«. Und ich meine nicht Nazis, Faschisten, Rassisten und alles, was sich da bewusst (oder unbewusst) in diesem Milieu versammelt und die Situation ausnutzt. Aber mit diesem »In die Rechte Ecke stellen« von Menschen, die sich erlauben, selber zu denken, die kritisch hinterfragen, was hier passiert, und ihre Zweifel äußern, genau mit dieser Handlung reiht ihr euch ein in die Reihen derjenigen, die die Rechten und die Faschisten tatsächlich stärken. Und das sind seit Jahren nicht nur die Mainstreammedien, das sind die Politik dieses Landes, die Regierung, der Verfassungsschutz, Teile der Polizei, der Bundeswehr. Ihr berichtet darüber immer wieder. Wo ist das Problem, sich mit Linken, mit selbstständig Denkenden, sich mit berechtigt Fragenden und Zweifelnden zu solidarisieren? Und warum gibt es keine Unterstützung für die, die Tucholsky einmal sinngemäß so beschrieb: »Das Volk versteht das meiste falsch, aber es fühlt das meiste richtig«?
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marco O. (24. April 2021 um 22:09 Uhr)
      Hervorragend!

      Ich bin halt kein Studierter.

      Deshalb kommen meine Sachen etwas grober herüber.

      Aber bei dir bin ich zu 1.000 Prozent dabei!

      Als Orientierung nehme ich gerne einen Buchtitel von Albrecht Müller: »Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst«.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Clint K. (24. April 2021 um 11:16 Uhr)
    Die jW hat sich mal wieder im kulturellen Bereich verrannt. Alle Künstler haben die Unfähigkeit der Bundesregierung benannt, die Coronapandemie zu bekämpfen, sowie primär die psychischen Probleme der Lockdownpolitik hervorgehoben und auch vereinzelte sozialpolitische Auswirkungen aufgezeigt, sich auch über die Arroganz der Home-Office-Menschen und anderer Bessergestellter lustig gemacht. Das Dienstleistungsprekariat wird von Home-Office-Lockdown-Fetisch-Anhängern als Bringdienstsklaven, die nicht in »Luxus«-Wohnungen, leben (wird auch im Video erwähnt), vernutzt, um dann vom Balkon aus angezeigt zu werden wegen angeblicher Verordnungsverfehlungen.

    Einer der besten Beiträge war von Dietrich Brüggemann (Film: »Heil«), er hat hier auf die Spätfolgen der nicht funktionierenden Maßnahmen bemerkbar gemacht. Diese seien ein Super-GAU. Er hat auf 75 Jahre Langeweile hingewiesen, also somit die neue Gefahr eines Faschismus. Aber der jW ist es egal.

    Der Kabarettist Matthias Richling hat sich schon lange hierzu geäußert und meinte: »Wenn sie Angst verbreiten, (...) haben sie die Leute immer auf ihrer Seite.« (Phoenix-Interview, 5.3.2021) Genau diese Angstdeprivation wird verbreitet, die unverantwortlich ist. Es wird von ihm korrekt erwähnt, dass die psychische Gesundheit genauso wichtig ist wie die körperliche und dass nur auf die Coronatoten geschaut wird, an anderen Kollateralkrankheiten dürfen wir ruhig verrecken bzw. dauerhaft leiden; wo werden hier die »Kollateraltoten« (Richling) mit berücksichtigt?

    Wo sind die Interviews mit kompeteten Wissenschaftlern, die natürlich kritisch interviewt werden müssen? Mir fallen Namen wie Klaus Püschel (UKE-Hamburg), Gerald Hüther (Neurobiologe) oder Hendrik Streeck ein.

    Nun zum Vorwurf vom Applaus von der verkehrten Seite. Das ist ein Totschlagargument. Hierzu gibt es auch Beiträge im Video. Ich bin glücklich über diesen Beitrag. Er enthält keinen inhaltlichen Schrott wie von Attila Hildtmann, Xavier Naidoo oder Wendler. Insbesondere die ersten beiden sind brandgefährlich, und alle drei brauchen dringend psychologische Hilfe.

    Meine Hoffnung ist immer noch, das die junge Welt die sozialistische Arbeiterbewegung von den stalinistischen Verengungen eines Einparteiensystems befreit. Diese Hoffnung wird auch genährt, aber auch mit solchem Verhalten wie mit diesem Artikel stark beschädigt. Ich werde »niemals« linientreu sein, sondern, wenn möglich, eine eigene Meinung haben. Ich bin kein Borg (»Star Trek«), sondern ein Mensch.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Wolf-Dietrich H. (24. April 2021 um 07:46 Uhr)
    Ich werde nächsten Monat 63 Jahre.

    Ich habe die junge Welt schon als 14jähriger gelesen, damals noch in der DDR.

    Dann gab es eine Pause durch Armee, Studium und Familie bis 1990.

    Seit dieser Zeit abonniere ich die junge Welt und habe zusätzlich noch ein Onlineabo.

    Das Printabo habe ich seit einigen Jahren aber verschenkt, zahle also nur den Beitrag und beschränke mich für mich selbst auf die Onlineversion.

    Das ist aber der Tatsache geschuldet, dass ich oft auswärts tätig bin. Für mich selbst würde ich immer die Druckversion wählen.

    Dass ich die Druckversion abonniere, hat ausschließlich solidarische Gründe. Ich finde Eure Zeitung in politischer Hinsicht sehr wertvoll. Es würde mir auch etwas fehlen, wenn ich nicht bei Euch lesen würde.

    Mittlerweile ist das aber nicht mehr so stark, dieses Gefühl, dass mir etwas fehlen würde.

    Und dieser Beitrag verstärkt mein Gefühl noch mehr.

    Auch die Tatsache, dass ich bei Euch nichts über die Bewegung »Danser encore«, die es in Frankreich schon seit längerer Zeit gibt, lesen konnte, trägt zu meinem Unwohlsein bei.

    Was Euch dazu bewegt, die Cononapolitik dieser Regierung kritisch unkommentiert zu lassen, weiß ich nicht. Angst vor eventuellen Folgen, die Euch daraus entstehen könnten, kann es doch aber nicht sein.

    Aber dass Ihr Menschen, die auf diese Art auf die auch meiner Meinung nach schlimmen Folgen dieser Politik hinweisen, verächtlich und lächerlich macht, stellt einen Tiefpunkt dieser Zeitung dar.

    Mehr will ich erst mal nicht schreiben, weil mir eigentlich eher zum Brechen ist.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Florian M. (23. April 2021 um 23:52 Uhr)
    Euer Kommentar ist komplett daneben!

    Ich kann mich nur dem anschließen, was in einem Kommentar der Welt von heute Abend dazu geschrieben wurde:

    »Dass sich die deutsche Meinungsblase gerade über ein Videoprojekt von fünfzig Schauspielern stärker echauffiert als über ein Infektionsschutzgesetz, das Menschen in ihren Häusern einsperrt und Kindern das Recht auf Schule verwehrt, spricht für sich.«

    ... und das alles auf Grundlage eines »richtiggehend untauglich(en)« (Gérard Krause, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung) Werts.

    Da erwarte ich von der jungen Welt definitiv eine kritischere Sicht gegenüber dem, was mit den Videos – völlig zu Recht – angeprangert wird, etwa Menschen, die den Lockdown fetischisieren, sich von systemrelevanten Arbeitern zu Hause umsorgen lassen, um sie dann von der Dachterrasse aus zu bepöbeln. Wer sich von der Kritik an der Bundesregierung angegriffen fühlt, sollte vielleicht etwas anderes vertreten als die Bundesregierung. Und das ist dringend nötig, um eine sinnvolle Antwort auf die Pandemie zu realisieren!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marco O. (23. April 2021 um 20:22 Uhr)
    Ich habe bei euch noch nirgendwo gelesen, dass das neue »Gesetz« die Unverletzlichkeit der Wohnung und der eigenen Gesundheit de facto abschafft.

    Warum?

    Wacht endlich auf!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Bjørn W. (23. April 2021 um 18:19 Uhr)
    Die Nazi-, Antisemitismus- und Verschwörungstheoretikerkeule wird hier wohl nicht greifen. Schön, dass endlich wohlbekannte Kulturschaffende öffentlich Stellung beziehen – ein guter Anfang.

    Euer Kommentar dazu zeigt einmal mehr, dass ihr euch mit eurer Coronaberichterstattung immer mehr verrennt.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Hagen K. (23. April 2021 um 17:29 Uhr)
    »Sage mir, wer dich lobt, und ich sage dir, worin dein Fehler besteht.«

    Ein Lob für die Künstler muss man bei junge Welt nicht befürchten, denn jW ist ganz auf Regierungslinie mit Zero-Covid-Plan.
    • Anmerkung der jW-Redaktion (25. April 2021 um 10:48 Uhr)
      Liebe Leserinnen und Leser, hierbei handelt es sich um eine Falschinformation, denn die Regierung ist nicht auf Zero-Covid-Linie ... (jt)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Rudolf H., Soest: Berechtigte und unberechtigte Kritik In den satirischen Beiträgen der beteiligten Schauspieler wird – neben einigen faden Beiträgen – Kritik formuliert, die richtig ist und nicht vergessen werden sollte: an den Lügen von Regierung und RK...
  • Konrad Wanner: Zu kurz gegriffen Der Kommentar zu »Alles dicht machen« bzw. Jan Josef Liefers geht meines Erachtens an der Absicht der Kulturschaffenden vorbei. Sie reagieren mit Ironie, teilweise Zynismus und Sarkasmus auf den neues...
  • Rosie Menges: Unglaublich peinlich Dieser Kommentar zu »Alles dicht machen« von Thomas Salter hat mich richtig erschreckt. Ich kann mich den Aussagen der anderen Leserbriefschreiber nur anschließen und frage mich, ist die jW nicht in ...
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