1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Dienstag, 15. Juni 2021, Nr. 136
Die junge Welt wird von 2546 GenossInnen herausgegeben
1.000 Abos für die Pressefreiheit! 1.000 Abos für die Pressefreiheit!
1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 24.04.2021, Seite 8 / Ansichten

Zivilisationsbringer des Tages: Emmanuel Macron

Von Raphaël Schmeller
Chad_President_Kille_69177211.jpg
Gibt im Tschad den Ton an: Macron mit dem neuen Übergangspräsidenten Mahamat Déby bei der Beerdigung von Exstaatschef Idriss Déby am Freitag in N’Djamena

Als Frankreichs Präsident Emmanuel Macron 2017 gewählt wurde, versprach er, »ein neues Kapitel« in den Beziehungen zwischen seinem Land und dem afrikanischen Kontinent schreiben zu wollen. »Ich stamme aus einer Generation von Franzosen, für die die Verbrechen der Kolonisierung unbestreitbar sind«, so der Mann, der von einigen auch als »Retter der EU« betrachtet wird, in einer Rede in Ouagadougou.

Am Freitag, knapp vier Jahre nach diesem Auftritt, nahm Macron in alter Kolonialherrenmanier an der Beerdigung von Tschads Expräsidenten Idriss Déby Itno teil – einem »mutigen Freund« Frankreichs, so die Würdigung aus Paris. Nach 30 Jahren an der Macht war Déby am Montag überraschend gestorben, nachdem er zuvor in Kampfhandlungen verletzt worden war. Nun wollte sich Macron persönlich versichern, dass auch Débys nachrückender 37jähriger Sohn Mahamat ein »Freund« ist, der die Interessen der Grande Nation im Blick hat. Dass die Verfassung des Tschad für Mahamats Ernennung als Staatsoberhaupt kurzerhand außer Kraft gesetzt wurde, ist dem Bewohner des Élysée-Palasts egal.

Denn selbstbestimmt Politik zu machen ist eben schwierig, wenn man wie »Afrika« ein »zivilisatorisches Problem« hat, wie Macron während des G-20-Gipfels 2017 in Hamburg erklärt hatte. Was er damit genau meinte? »Wenn in manchen Ländern eine Frau immer noch sieben oder acht Kinder auf die Welt bringt, dann können Sie dort Milliarden ausgeben, Sie werden trotzdem nichts stabilisieren können«, so die elegante Erläuterung des Problems.

Trotz anfänglicher Versprechen macht Frankreichs Präsident auch in der Außenpolitik eben doch wieder nur das, was er am besten kann: Alles wie seine Vorgänger tun, nur noch schlimmer. Die (Neo-)Kolonialmacht Frankreich hat damit eine schöne Zukunft vor sich – zur größten Zufriedenheit des Kapitals.

1.000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Mehr aus: Ansichten