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Aus: Ausgabe vom 24.04.2021, Seite 6 / Ausland
EU-Grenzregime

Das Sterben geht weiter

Bis zu 130 Menschen auf Flucht im Mittelmeer ertrunken
Von Ina Sembdner
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Die rund 130 Menschen an Bord dieses Bootes wurden wissentlich dem Tod überlassen (22.4.2021)

Jeden Tag sterben Menschen auf dem Mittelmeer, auch wenn die Öffentlichkeit nur von einem Bruchteil der missglückten Überfahrten in seeuntauglichen Booten erfährt. Seit Donnerstag gibt es erneut die Gewissheit, dass bis zu 130 Flüchtende den Tod auf See fanden bzw. finden mussten. Denn nach Angaben der Hilfsorganisation Alarmphone, die seit dem ersten Notruf des Bootes am Mittwoch morgen mit den Insassen in Kontakt war, weigerten sich die zuständigen EU-Behörden Italiens und Maltas, Frontex, das UN-Flüchtlingshilfswerk und die Milizionäre der sogenannten libyschen Küstenwache, den Schiffbrüchigen zu helfen.

Die EU-Grenzbehörde Frontex, die sich am Donnerstag, dem »Earth Day«, auf Twitter dafür feierte, mit dem Kampf gegen Umweltverbrechen »das Wasser um Europa sicherer« zu machen, hatte erst sieben Stunden nach Meldung durch Alarmphone das Aufklärungsflugzeug »Osprey 3« zur angegebenen Position geschickt. Laut einer E-Mail an die Hilfsorganisation sichtete Frontex zwar das Boot nordöstlich von Tripolis und informierte alle Behörden. Allerdings habe die Grenzbehörde die Such- und Rettungsaktion nicht unterstützt und die »Osprey« zurückkehren lassen, ohne sie rechtzeitig wieder einzusetzen.

Gemeinsam mit drei Handelsschiffen versuchte statt dessen das private Seenotrettungsschiff der Organisation SOS Méditerranée »Ocean Viking«, dass sich rund zehn Stunden von der Unglücksstelle entfernt befand, den Geflüchteten zu Hilfe zu kommen. Nach mehr als 24 Stunden fanden sie am Donnerstag nur noch leblose Körper vor. Es sei ein »Wettlauf gegen die Zeit« gewesen, »bei sehr rauer See mit bis zu sechs Meter hohen Wellen«, konstatierte Luisa Albera von der »Ocean Viking« in einer Pressemitteilung. Und sie prangert an: »Es gab keinerlei Koordination durch eine staatliche Rettungsleitstelle, keinerlei Unterstützung von den zuständigen Seebehörden.«

Während die nach Angaben der italienischen Leitstelle für Seenotrettung »kompetenten Behörden«, also die »libysche Küstenwache«, für Alarmphone nicht erreichbar waren, stoppten sie ein gleichzeitig gestartetes Boot mit Geflüchteten, das sich ganz in der Nähe befand, und brachten die Menschen zurück in die Haftanstalten Libyens. Von einem weiteren Holzboot mit rund 40 Menschen an Bord, dessen Havarie die Organisation ebenfalls am Mittwoch gemeldet hatte, fehlt indes jede Spur.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • M. Faulhaber: Menschenrechte nur für Europäer Jeden Tag sterben Menschen auf dem Mittelmeer – an solche Berichte hat man sich über viele Jahre gut gewöhnt, das juckt hier niemanden mehr. Migrationsursachen zu beseitigen kann oder will sich Europa...

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