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Aus: Ausgabe vom 23.04.2021, Seite 8 / Ansichten

Pandemieopfer des Tages: Bolivianische Oligarchen

Von Frederic Schnatterer
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Schmeckt nicht allen: In Bolivien werden zunächst Angestellte im Gesundheitswesen gegen das Coronavirus immunisiert (La Paz, 4.2.2021)

Corona trifft nicht alle gleich. Zwar wurde zu Beginn der Pandemie versucht, uns das weiszumachen. Ein Jahr der Seuche hat uns jedoch eines Besseren belehrt: Besonders prekär und im Gesundheitssektor arbeitende, auf engem Raum lebende und allgemein arme Personen sind einem erhöhten Infektions- und Todesrisiko ausgesetzt.

Zu dieser Art von Menschen gehört die bolivianische Oberschicht gewiss nicht. Und trotzdem hat sie es in der Pandemie nicht leicht – gerade und besonders unter der regierenden Bewegung zum Sozialismus (MAS) mit ihrem Präsidenten Luis Arce. Denn der, so die Oligarchen des Andenstaates, legt diskriminierendes, ja rassistisches Handeln an den Tag. Grund genug für die Anwälte Adrian Gandarillas und Luciana Campera, am Dienstag (Ortszeit) im Auftrag der rechten Partei Comunidad Ciudadana eine Anzeige gegen den Staatschef auf den Weg zu bringen.

Doch was war geschehen? Bei einer Kundgebung der MAS in Tarija hatte Arce am 8. April vor Unterstützern erklärt: »Wir haben gerade Impfstoffe geschickt, für das Volk und das medizinische Personal, nicht für die reichen Familien oder die Oligarchie von Tarija!« Unverschämt muss die Ankündigung in den erhabenen Ohren der bolivianischen Bonzen geklungen haben, die Spritze nicht vor dem Pöbel gesetzt zu bekommen.

Dabei hatten sie doch noch im Oktober 2019 geglaubt, endgültig Schluss mit der Herrschaft der Sozialisten gemacht zu haben. In Kolonialherrenmanier, mit Kruzifix und Bibel in der Hand, war die Oligarchie nach dem Putsch gegen Evo Morales an die Macht zurückgekehrt. Doch der Versuch der Wiederherstellung des feudal-rassistischen Systems scheiterte nach nur einem Jahr schon wieder. Dass nun ausgerechnet die als »Indios« Beschimpften früher als sie geimpft werden, schmerzt die Bonzen nun um so mehr. Und das ist gut so.

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