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Aus: Ausgabe vom 21.04.2021, Seite 2 / Ausland
#BlackLivesMatter

Jury berät in Minneapolis

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Die Welt blickt nach Minneapolis: Demonstranten nach dem Ende der Schlussplädoyers am Montag in der US-Stadt

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd liegt die Entscheidung jetzt bei den Geschworenen. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung des angeklagten weißen Expolizisten Derek Chauvin hielten am Montag nachmittag (Ortszeit) vor Gericht in Minneapolis ihre Schlussplädoyers. Die Anklage warf dem 45jährigen dabei Mord vor. Die Jury zog sich anschließend zu ihren Beratungen zurück. Wann das Urteil gefällt wird, ist unklar. Eine Zeitvorgabe für die Geschworenen gibt es nicht.

Staatsanwalt Steven Schleicher forderte in seinem Schlussplädoyer einen Schuldspruch gegen Chauvin in allen drei Anklagepunkten. Der 45jährige habe Floyd am 25. Mai 2020 »getötet«, indem er ihm neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt habe. »Das war keine Polizeiarbeit. Das war Mord«, sagte Schleicher. »Das waren neun Minuten und 29 Sekunden eines schockierenden Amtsmissbrauchs.« Chauvin habe »das Polizeiabzeichen verraten und alles, wofür es stand«.

Chauvins Anwalt, Eric Nelson, wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in seinem Schlussplädoyer zurück. Der Verteidiger argumentierte unter anderem, der Angeklagte habe rechtmäßig und gemäß der Polizeiregeln Zwangsmittel eingesetzt, weil Floyd bei seiner Festnahme »aktiven Widerstand« geleistet habe. Die Staatsanwaltschaft könne zudem nicht zweifellos belegen, dass nicht Herzprobleme und Drogenkonsum bei Floyds Tod eine Rolle gespielt hätten.

Für eine Verurteilung ist ein einstimmiges Votum der zwölf Geschworenen nötig. Sie stimmen über jeden Anklagepunkt einzeln ab. Schuldsprüche gegen Polizisten sind in den USA selten.

Die Behörden befürchten Proteste und Ausschreitungen, sollte Chauvin nicht verurteilt werden. In Minneapolis sind Tausende Nationalgardisten im Einsatz. Facebook teilte mit, dass Teile von Minneapolis intern zu einem Hochrisikogebiet erklärt worden seien. Deshalb werde das Onlinenetzwerk alle Aufrufe löschen, dorthin Waffen mitzubringen. Auch werde man zusätzliche Maßnahmen unternehmen, um die Verbreitung »falscher Informationen« zu stoppen.

Floyds auf einem Handyvideo festgehaltener Tod vor knapp einem Jahr hatte landesweit und international Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Chauvin hatte dem wegen Falschgeldvorwürfen festgenommenen Floyd neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl der am Boden liegende wiederholt klagte, er bekomme keine Luft mehr.

Der nach Floyds Tod aus dem Polizeidienst entlassene Chauvin ist unter anderem wegen Mordes zweiten Grades angeklagt, was mit bis zu 40 Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Die beiden weiteren Anklagepunkte lauten Mord dritten Grades mit einer Höchststrafe von 25 Jahren Haft und Totschlag zweiten Grades mit einer Höchststrafe von zehn Jahren.

Neben Chauvin sind drei weitere am Einsatz gegen Floyd beteiligte Expolizisten angeklagt, die in einem separaten Verfahren ab dem 23. August vor Gericht stehen werden. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. (AFP/dpa/jW)

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