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Teiche voll Geld

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Von Lucas Zeise
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Zunächst ein Wort der Gratulation an Blackrock. Dem größten Vermögensverwalter des Globus sind im ersten Quartal dieses Jahres 172 Milliarden US-Dollar zugeflossen. Er verwaltet nun für seine Klientel in aller Welt den neuen Rekordbetrag von mehr als neun Billionen US-Dollar. Auch dem CEO (Chief Executive Officer oder auch einfach Chef) der netten Gesellschaft, Larry Fink, ist zu gratulieren. Denn er garnierte den neuen Erfolg nicht mit dummen Werbesprüchen, sondern beschränkte sich bei der Erklärung dafür, warum soviel Geld in seine Richtung läuft, auf die zutreffende (und lyrisch gelungene) Beschreibung von Blackrocks Geschäftsbedingungen: »Da liegt einfach eine unglaubliche Menge an Geld herum. Unsere Kunden sitzen immer noch am Rand von Teichen voller Geld, das noch nicht investiert ist.«

Soll heißen, er und seine Angestellten machen nichts anderes als die Arme auf, um den Geldsegen in Empfang zu nehmen. So geht es auch der Konkurrenz anderer Vermögensverwalter oder im engeren Sinne der Anbieter von ETF (Exchange Traded Funds – börsennotierte Fonds). Die Aktienkurse der meisten Konkurrenten sind im ersten Quartal sogar besser gelaufen als der von Blackrock. Sie hatten, wie die Börsianer es formulieren, noch Nachholpotential. Auch die Gebühren, die Blackrock nimmt, sind in den ersten Monaten wieder kräftig gewachsen (plus 14 Prozent), entsprechend auch der Gewinn, auf 1,2 Milliarden US-Dollar. Das ist noch lange nicht die Größenordnung, die ausgewachsene Banken oder große Investmentbanken erreichen (etwa Goldman Sachs: satte 6,8 Milliarden US-Dollar). Blackrock bietet schließlich auch nicht die große Palette an Spekulationsdienstleistungen an. Aber man kann konstatieren: Den Banken geht es glänzend. Der Grund dafür ist derselbe, den Herr Fink so niedlich beschrieben hat. Es liegt mehr Geld in den Pools der Reichen herum als je zuvor.

Andere Phänomene, die diesen Zustand beschreiben, sind: fast täglich neue Rekorde der Aktienindizes (darunter auch der deutsche Dax), Unternehmen, die neu an die Börse kommen, darunter leere Spekulationshüllen oder »Börsenmäntel«, die ein reales oder auch nur spekulatives Geschäft erst noch zu kaufen versprechen, und wieder kräftig steigende Immobilienpreise. Am verrücktesten: Der Gesamtwert der Pseudowährung Bitcoin hat in US-Dollar gerechnet die Marke von zwei Billionen überschritten. Aktuell wird die Spekulation noch angetrieben von der Erwartung, dass sich die US-Wirtschaft von der Coronakrise erholt, dass die kleinen Leute auf breiter Front einzukaufen beginnen und die Gewinne auch außerhalb des Onlinehandels, der Pharmabranche und des blühenden Finanzsektors wieder sprudeln.

Nehmen wir einmal an, dass die mit zwei Billionen US-Dollar bewerteten Bitcoins, wenn ihr Gebrauchswert sich als nichtig erweist, sich in das Nichts auflösen, das sie wertmäßig darstellen. Ein gigantischer Crash wäre die Folge. Die neun Billionen US-Dollar unter »Verwaltung« von Blackrock wären plötzlich nur 4,5 Billionen. Die gesamte aufgeblasene Veranstaltung wäre am Ende und die vollen Geldteiche plötzlich trocken. Können die Notenbanken dem einfach zusehen? Natürlich nicht, sagen die Praktiker: Erstens, die Notenbanken würden von neuem Geld spenden. Zweitens und Nebenfolge, sie würden das Pseudogeld unter ihrem Schutzschirm zu einer echten Währung adeln.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main.

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