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Aus: Ausgabe vom 17.04.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Monopole und Oligarchen

Megafonds der Finanzmärkte

Weltweit verwaltetes Vermögen von Blackrock umfasst neun Billionen Dollar. Boom an den Börsen und Konjunkturprogramme füttern Investoren
Von Marco Schröder
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Das große Fressen ist angerichtet. Den Spekulanten schmeckt’s (Protestaktion gegen Blackrock in London, 14.10.2019)

Blackrock sahnt ab. Der Marktwert an Aktiva des weltgrößten Vermögensverwalters stieg im ersten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 39 Prozent auf mehr als neun Billionen US-Dollar.

Der Megafonds mit Sitz in New York verbuchte allein in diesem Jahr im Zeichen der Coronapandemie einen Zuwachs von 35 Milliarden auf 172 Milliarden Dollar an Aktieninvestitionen, während die Einnahmen um 19 Prozent auf 4,4 Milliarden stiegen. Blackrock profitiert von der allgemeinen Rally an der Wall Street, die sich am Mittwoch in Rekordhöhen des Dow-Jones- und des S&P-500-Index zeigte. Anleger und Investoren setzen auf einen Wirtschaftsboom nach der Coronapandemie. Allen voran in den USA.

Blackrock operiert unter anderem mit Geldmarktfonds, Beteiligungsgesellschaften und Hedgefonds. Haupteinnahmequelle des Unternehmens sind die Anlageberatung sowie anfallende Verwaltungsgebühren. Dazu ist Blackrock größter Anteilseigner einiger der am profitabelsten gehandelten Banken und Konzerne wie Apple, Microsoft, Wells Fargo, J. P. Morgan Chase und auch der größte Anteilseigner der Deutschen Bank. Damit besitzt Blackrock eine Marktmacht, die historisch beispiellos ist.

Als Anlagefirma ist der Finanzkonzern von vielen Kapitalvorschriften, die für herkömmliche Kreditinstitute gelten, ausgenommen. Das Netzwerk von Industrie, Finanzmarkt und Politik, das Blackrock verwaltet, macht das Unternehmen de facto zur größten Schattenbank der Welt. Es gibt derzeit kaum eine Entwicklung am Finanzmarkt, in die Blackrock nicht involviert ist. Allein drei Viertel des momentan an der Börse heißlaufenden Marktes für börsennotierte Wertpapiere (Exchange Traded Funds, ETF) entfallen auf den Vermögensverwalter und seine zwei Konkurrenten Vanguard und State Street.

Zwei Anleihenkaufprogramme der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) werden von dem Unternehmen verwaltet. Ende März 2020 hatte die Fed als Reaktion auf die Coronapandemie erstmals im großen Stil ETF von Blackrock gekauft, um das Finanzsystem zu polstern. Damit entfielen seither Gebühren an das Unternehmen, die direkt vom Staat und damit dem Steuerzahler finanziert werden.

Diese Woche hat Blackrock den US Carbon Transition Readiness Fund emittiert, der mit Investitionen in Höhe von 1,25 Milliarden Dollar, unter anderem von Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon, Rekorde gebrochen hat. Der Indexfonds soll Unternehmen, die sich der Umstellung auf »grüne« Technologie widmen, ausmachen und auf deren Gewinnaussichten spekulieren.

Im vergangenen Jahr hatte Vorstandschef Laurence »Larry« Fink in einem offenen Brief angekündigt, das Unternehmen werde in Zukunft vorrangig in nachhaltige Energien investieren. Mit Angeboten von ethischen und ökologischen Portfolios für Investoren liegt der Vermögensverwalter damit ganz im Trend des aktuell in Politik und Finanzmarkt verbreiteten Greenwashings. Dabei war Blackrock noch 2018 in die Kritik von Klimaschützern und NGO geraten, da das Unternehmen Anteile der Gas-, Kohle- und Ölindustrie hält und 2017 entsprechend für 30 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen mitverantwortlich war. Blackrocks Beteiligung am Ausbau der weltweiten Kohleindustrie lag 2018 bei etwa elf Milliarden Dollar.

Kritiker wie der ehemalige Finanzpolitiker im Bundestag Gerhard Schick (Grüne), der die Bürgerbewegung »Finanzwende« leitet, kritisieren seit langem die enorme monopolistische Macht von Blackrock. Wobei diese Kritik größtenteils auf die Befürchtung hinausläuft, das reibungslose Funktionieren der »freien« Marktwirtschaft könnte gefährdet sein. Das Problem bestehe in der Machtkonzentration und dem »wettbewerbsfeindlichen Einfluss«, wie ein Papier der »Finanzwende« in der FAZ (Mittwochausgabe) zitiert wurde.

Es fragt sich, was das in Zeiten des finanzialisierten Kapitalismus – also spätestens nach dem Crash von 2008 – überhaupt bedeuten soll. Tatsächlich hat Blackrock so wie alle großen Banken und Unternehmen enorm von der Speisung des Finanzmarktes mit Zentralbankgeld und den damit einhergehenden niedrigen Zinsen profitiert. Nur sieht es nicht so aus, als ob es zu dieser finanzierten Wirtschaft gerade eine veritable Alternative für die Kapitalseite gebe. Und es wird sich zeigen, inwiefern Investitionen in eine neue – noch dazu »grüne« – Industriepolitik, wie in den USA und der EU angekündigt, sich als mehr als eine Schaufensterdekoration entpuppen werden.

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