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Aus: Ausgabe vom 17.04.2021, Seite 7 / Ausland
FREE MUMIA ABU-JAMAL

Isoliert und gefesselt

Keine Informationen zu Gesundheitszustand von inhaftiertem US-Bürgerrechtler Mumia Abu-Jamal. Protestbewegung klagt Entmenschlichung an
Von Jürgen Heiser
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Demonstration für die Freilassung von Mumia Abu-Jamal am 7. April 2012 in Berlin

Seit Tagen fragt sich Wadiya Jamal, die Ehefrau des politischen US-Gefangenen Mumia Abu-Jamal: »Wo ist mein Mann?«. Diese Frage stellte sie dann auch mit bebender Stimme in der am Donnerstag abend im Internet übertragenen Videokonferenz der »Free Mumia«-Bewegung in den USA. Sie berichtete von einem kurzen Telefonat mit Mumia Abu-Jamal und zeigte sich bestürzt von seiner schwachen Stimme. Er sei untersucht, aber noch nicht operiert worden. Das war alles, was Wadiya Jamal erfahren hatte. Wo er sich genau befand, wusste der schwerkranke Langzeitgefangene nach seinem Abtransport aus dem Staatsgefängnis SCI Mahanoy in Pennsylvania selber nicht. Sein tagelanges spurloses Verschwinden bei akuten Erkrankungen kam schon öfter vor.

Offensichtlich steckt System dahinter. Für Johanna Fernandez von der »Mobilization for Mumia« ein klares »Echo der Sklaverei«. Auch die aus Afrika verschleppten Sklaven hätten nie gewusst, wohin sie verschifft wurden. Der Versuch von Abu-Jamals Seelsorger, dem Theologieprofessor Mark Lewis Taylor, Anstaltsleiterin Bernadette Mason vom SCI Mahanoy über Abu-Jamals Verbleib zu befragen, wurde von Wärtern schon am Tor brüsk zurückgewiesen: »Das Gefängnis ist geschlossen!« Auch sein Besuch zweier Kliniken in Gefängnisnähe sei erfolglos verlaufen. »Der Staat will Mumia absolut isolieren«, empörte sich Taylor.

Wie junge Welt am Freitag berichtete, war Abu-Jamal am Mittwoch aufgrund verstärkt auftretender Herzbeschwerden als medizinischer Notfall in eine Zivilklinik verlegt worden, ohne dass seine Familie oder Anwälte benachrichtigt wurden. Dass diese Missachtung der minimalsten Rechte des Schwerkranken schon allein Grund genug ist, ihn aus humanitären Gründen freizulassen, um sein Überleben zu garantieren, war die einhellige Meinung aller Beteiligten der von Abu-Jamals Koautor, dem Professor für Afroamerikanische Studien Marc Lamont Hill, moderierten 90minütigen Infoveranstaltung im Netz. »Wenn ein Staat wie in Mumias Fall nicht ausreichend für einen Gefangenen sorgen kann«, so Fernandez, dann müsse der Gefangene zwingend freigelassen werden. Angela Davis erklärte, vor allem »der Druck von Polizeiorganisationen« verhindere »bislang Mumias Freiheit«.

Es sei empörend, sagte Fernandez, »dass Mumia jetzt, in diesem Moment, in seinem Bett fixiert« werde. Abu-Jamal gehöre zu der Generation der 1960er Jahre, »die gegen das Imperium aufgestanden ist«. Durch die brutalen Misshandlungen wolle der Staat an ihm und anderen politischen Gefangenen demonstrieren, »was passiert, wenn du es wagst zu kämpfen«. Deshalb sei »die Unterstützung der Gefangenen absolut notwendig«, so die Aktivistin mit Nachdruck. »Wir müssen Krach schlagen und zeigen, dass wir nicht aufhören, ihre Freiheit zu fordern!« Das sei den verantwortlichen Behörden auch durch die vielen tausend Protestanrufe der Solidaritätsbewegung gezeigt worden, »die sie nicht überhören konnten«. Dies allein sei »ein Sieg«.

Mit »diesem Druck der Straße« nicht aufzuhören, riet auch Anwalt Robert Boyle. Erst seit den Protestanrufen würden seine E-Mails mit Eingaben an die Gefängnisbehörde von Pennsylvania »nicht mehr ignoriert wie davor«. Abu-Jamals Vertrauensarzt Ricardo Alvarez hob hervor, »dass Mumia überlebt« habe, sei allein »seiner Stärke« und der »unermüdlichen Arbeit der Bewegung zu verdanken«. Dies sei »eine Geschichte der Humanität«. In den letzten Tagen habe er es hingegen mit einer »Entmenschlichung« zu tun, die belege, wie recht Abu-Jamal habe, wenn er mit »Abolition is the mission« für die Abschaffung der Knäste plädiere. Völlig isoliert erlebe der Bürgerrechtler »die Enteignung seines Körpers«. Ihm als seinem Arzt werde weiter »ein Befund verweigert«. So könne er nur vermuten, dass Abu-Jamal »am offenen Herzen operiert werden soll, um verstopfte Arterien zu behandeln«. Deshalb gelte weiter, so Alvarez: »Die einzig richtige Behandlung Mumias ist seine Freilassung!«

kurzelinks.de/Mumia

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