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Aus: Ausgabe vom 16.04.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Digitalisierung

Bargeldloser Boom

Afrika ist der größte Markt für Onlinetransaktionen – Internationale Konzerne wittern Morgenluft
Von Georges Hallermayer
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Zahlen per Handy nimmt in Nigeria immer mehr zu (Ojuelegba, 21.6.2018)

Weltweit ist mehr als die Hälfte der Dienste für elektronisches Bezahlen auf dem afrikanischen Kontinent angesiedelt. Das US-Wirtschaftsportal Quartz meldete am 30. März, dass 55,2 Prozent von international 310 Anbietern ihr Geschäft von Afrika aus betreiben. Dabei bezog sich die Webseite auf den diesjährigen Bericht der Global System for Mobile Communications Asscociation (GSMA), einer Lobbyorganisation von Mobilfunkbetreibern.

Demnach wuchs 2020 die Zahl der registrierten Mobile-Money-Konten weltweit um 12,7 Prozent auf 1,2 Milliarden. In Subsahara-Afrika kamen mit 43 Prozent die meisten Nutzer hinzu. Nach den Kriterien der GSMA sind »mobile Gelddienste« solche, die für Menschen ohne offizielles Bankkonto zugänglich sind. Jedoch sind mobile Bank- und Zahlungsdienste, die mit Bankkonten oder Kreditkarten verbunden sind, nicht mit inbegriffen.

Zwar kosten Handyanrufe und das Internet in Afrika weniger als in Europa, aber, auf nationale Preisniveaus umgerechnet, bezahlen afrikanische Handynutzer fast dreimal soviel wie im globalen Durchschnitt. Dennoch nimmt elektronisches Bezahlen auf dem Kontinent zu, auch wegen der Coronapandemie: Viele mobile Gelddienste boten in den vergangenen Monaten einen Gebührenverzicht an, um den Umgang mit Bargeld während der Pandemie zu reduzieren.

Der globale Transaktionswert der Branche stieg 2020 um 22 Prozent auf 767 Milliarden US-Dollar und hat sich damit seit 2017 mehr als verdoppelt; allein 64,5 Prozent in Afrika. Viele Unternehmen auf dem Kontinent haben deshalb im vergangenen Jahr weitere Schritte unternommen, um in dem Sektor zu expandieren. So haben beispielsweise die kenianischen und südafrikanischen Telekommunikationsunternehmen Safaricom und Vodacom den E-Zahlungsabwickler M-Pesa der britischen Vodafone übernommen. Airtel Africa ging eine Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Moneygram ein, dem weltweit zweitgrößten Anbieter von Auslandsüberweisungen. Das ermöglicht Airtel-Money-Kunden, Moneygram-Überweisungen aus mehr als 200 Ländern weltweit direkt auf ihren mobilen Geldkonten zu empfangen.

Aber auch weitere internationale Konzerne wittern Morgenluft: In den vergangenen Jahren haben die US-Bezahldienste Paypal, Mastercard, Visa und Stripe in auf Afrika konzentrierte Finanztechnologieunternehmen investiert, wie etwa in das ägyptische Bezahlportal Fawry sowie den nigerianischen Dienst Interswitch. Flutter­wave, ebenfalls aus Nigeria, ist seit 2019 ein Partnerunternehmen von Alipay, einem Onlinebezahlsystem der chinesischen Alibaba-Gruppe. Mit mehr als 200 Millionen Einwohnern ist Nigeria für die Konzerne von besonderer Bedeutung: 95 Prozent der Transaktionen werden in bar getätigt. Weniger als die Hälfte der 100 Millionen Erwachsenen im Land hat ein Bankkonto, schrieb das US-Nachrichtenportal Techcrunch.com am 24. März.

Neben Alibaba sind weitere chinesische Unternehmen in Afrika vertreten, wie etwa der Handyhersteller Transsion aus Shenzhen. Mit 48,2 Prozent Marktanteil an Mobiltelefonen liegt dieser auf dem Kontinent deutlich vor dem zweitplazierten Samsung (16 Prozent), berichtete The Africa Report am 19. März. Transsion brachte 2019 in Nigeria für seine Marken Tecno, Infinix und Itel einen eigenen Bezahldienst namens Palmpay auf den Markt.

Gegenüber der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua erklärte Ghanas Ministerin für Kommunikation Ursula Owusu-Ekuful Ende 2019, dass sie Investitionen und die Digitalisierung auf dem Kontinent begrüße. »Mit Technologie haben wir die Chance, den Menschen mehr Möglichkeiten zu bieten«. Dazu gehörten Arbeitsplätze in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, so Owusu-Ekuful.

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