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Aus: Ausgabe vom 15.04.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
»Breites Portfolio«

Kriegsgerät geht immer

Airbus: Zivile Geschäfte liefen schlecht. Rüstungssparte als Hoffnungsträger
Von Gerrit Hoekman
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Militärtransporter A400M: Mit Flugzeugen dieses Typs schickt auch Erdogan seine Söldner nach Libyen und heizt den Krieg dort an

Am Mittwoch fand in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam die Hauptversammlung von Airbus statt. Resümee: 2020 war schlecht. Der EU-Konzern lieferte im vergangenen Jahr nur 566 zivile Maschinen aus, 2019 waren es noch 863. Der Umsatzverlust belief sich auf 29 Prozent, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank um 550 Millionen Euro. Die Folge: Keine Dividende für die Aktionäre.

»Für die gesamte Luftfahrtbranche war 2020 ein äußerst schwieriges Jahr, so auch für Airbus«, hieß es im Grußwort des Vorstandsvorsitzenden Guillaume Faury, das vorab an die Aktionäre verschickt wurde. Es sei aber nicht alleine die Pandemie gewesen, die dem Unternehmen zu schaffen machte. »Neben Covid-19 gab es weitere geopolitische Hindernisse zu überwinden. Hierzu gehören die Zölle im Zusammenhang mit einem Streitfall vor der Welthandelsorganisation (WTO) und Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem ›Brexit‹«, stellte Faury fest.

»In einem solchen schwierigen Jahr bot das breite Portfolio von Airbus einen gewissen Schutz. Während die zivilen Flugzeugaktivitäten durch die Pandemie erheblich beeinträchtigt wurden, boten Airbus Defence and Space und Airbus Helicopters Unterstützung«, so der Vorstandschef. Übersetzt: Zum Glück für Airbus lassen sich militärische Konflikte von keinem Virus beeindrucken. Das Unternehmen ist nicht nur neben Boeing Weltmarktführer beim zivilen Flugzeugbau, sondern auch einer der größten Rüstungskonzerne.

»Es geht zum Beispiel um Jagdflugzeuge für den Krieg im Jemen, militärische Frachtflugzeuge für die Türkei, Helikopter für tödliche Operationen der brasilianischen Polizei und militärische Grenzschutzsysteme für Länder weltweit«, schrieb die niederländische NGO »Stop Wapenhandel« am Dienstag. Am Vorabend der Hauptversammlung gab sie gemeinsam mit den Partnerorganisationen »Urgewald« und »Terre des Hommes« das Dossier »Airbus – ein Konzern im Sinkflug« heraus.

Die NGOs kritisieren, dass die Türkei Frachtflugzeuge des Typs A 400 M auch für Waffentransporte nach Libyen eingesetzt und Airbus damit geschickt das Embargo der UNO umgangen habe. Zudem gerate Airbus bei den Waffengeschäften immer wieder unter Korruptionsverdacht. Im Januar 2020 musste der Konzern bereits eine Strafzahlung von insgesamt 3,6 Milliarden Euro leisten. Im Moment prüfe Kuwait, ob bei einer Bestellung von Militärhubschraubern illegal Geld geflossen sei. An der Spitze der Rüstungssparte wird es eine personelle Veränderung geben: Der ehemalige Bundeswehr-Hubschrauberpilot Michael Schöllhorn ersetzt im Juli Dirk Hoke, der Airbus aus eigenen Stücken verlässt.

Im Moment steht beim Rüstungsmulti die Entwicklung des Riesenprojekts »Future Combat Air System« (FCAS) im Mittelpunkt, das in ferner Zukunft den »Eurofighter« als Standardkampfflugzeug ablösen soll. Der Haushaltsausschuss des Bundestages muss bis Ende Juni dem nächsten Entwicklungsschritt zustimmen. »Solange Airbus an diesem Geschäftsmodell festhält, wird sich der Konzern weiter mitschuldig machen am Tod zahlloser unschuldiger Opfer von Waffengewalt weltweit«, kritisieren die NGOs.


Wegen der angespannten Pandemielage in den Niederlanden bat Airbus dringend, nicht persönlich im Fünfsternehotel »Okura«, dem Versammlungsort in Amsterdam, zu erscheinen und empfahl den Aktionären, durch Vollmachts- und Weisungserteilung abzustimmen. Die Anteilseigner konnten die Versammlung zwar live im Internet verfolgen, aber nur passiv. Kritische Fragen waren nicht möglich.

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