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Aus: Ausgabe vom 14.04.2021, Seite 12 / Thema
Spanische Geschichte

Als die Menschen »¡Basta!« sagten

Vor 90 Jahren wurde die Zweite Spanische Republik ausgerufen. Über eine gescheiterte Revolution, die bis heute lebendig in Erinnerung ist
Von Miguel Ángel Collado Aguilar
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Kämpferische Verteidigerin der Republik: Die KP-Abgeordnete im spanischen Parlament, Dolores Ibárruri Gómez (»La Pasionaria«), die im Bürgerkrieg den Ausspruch »¡No Pasarán!« prägte (undatierte Aufnahme)

Die Stimmen, die eine Dritte Republik in Spanien fordern, werden immer zahlreicher. Die Skandale um die Krone einschließlich der Flucht des »emeritierten« Königs, die Krise des nach dem Tod des Diktators Francisco Franco etablierten politischen Systems sowie die Unzulänglichkeiten eines Wirtschaftsmodells, das vom Tourismus und der Baubranche abhängt, haben bei vielen Menschen den Wunsch nach einem neuen, gerechteren und solidarischen System geweckt.

Die Proklamation der Zweiten Republik am 14. April 1931 zeigt, dass es möglich ist, auf diesem Wege voranzukommen. Der Rückblick auf die damalige Zeit veranschaulicht, dass Verbesserungen durchsetzbar sind, wenn die progressive Linke mutig und vereint handelt. Obwohl die Spanische Republik kein Allheilmittel war, legte sie den Grundstein für Veränderungen, in deren Folge, wenn sie nicht gescheitert wäre, der Wohlstand gerechter verteilt und Millionen Menschen aus der Armut gehoben worden wären.

Die Zweite Republik entstand in einer Zeit des Niedergangs und der Dekadenz. Das Spanien des frühen 20. Jahrhunderts war vom Verlust der letzten überseeischen Kolonien (Kubas, der Philippinen sowie Puerto Ricos) gezeichnet und befand sich in allgemeiner Depression. Wirtschaftlich rückständig, war die Landwirtschaft der wichtigste ökonomische Sektor, politisch war das Land erstarrt, weil das parlamentarische System von einer undemokratischen Oligarchie beherrscht wurde.

Der Zusammenbruch der Ersten Republik im Jahr 1873 war mit einem Bündnis zwischen den ehemaligen monarchistischen Politikern und der Landoligarchie einhergegangen, die den Bourbonen den Thron zurückgaben und ein Zweiparteiensystem aus Konservativen und Liberalen installierten, in dem die Latifundistas bzw. Großgrundbesitzer entscheidenden Einfluss auf die Wahlen nahmen. Alle Abstimmungen der folgenden Jahrzehnte wurden so manipuliert, dass die Partei gewann, die ihren Interessen am nächsten kam. Die Anwesenheit von Gegnern der Monarchie in den Parlamenten war bloß symbolisch.

Debakel für die Krone

Außerhalb dieses Systems standen bestimmte republikanische Gruppen, die eine Erinnerung an die Erste Republik aufrechterhielten, sowie die Arbeiterbewegung, die angesichts der Lage der Lohnabhängigenklasse und dank der Propagandaarbeit ihrer ersten Führer rasch anwuchs.

Die koloniale Aufteilung des afrikanischen Kontinents wurde in den Augen der mächtigsten Teile der Oligarchie als letzte Chance angesehen, Spanien wieder zu einem Imperium zu verhelfen. Die Kabinette unter Alfons XIII. steckten skandalöse Geldmengen in den sogenannten Krieg um Afrika, der den nördlichen Teil Marokkos »befrieden« sollte, und opferten dabei ungezählte Menschenleben. Diesem Krieg jedoch versagten bald die Volksklassen, deren Angehörige dort an der Front verheizt wurden, die Unterstützung. Militärisch verlief das Unternehmen ohnehin nicht gut, da die Berberstämme der spanischen Armee schwere Niederlagen zufügten.

Die als »Desaster von Annual« bekannte Niederlage des Jahres 1921 forderte auf seiten der spanischen Armee rund 11.500 Tote, von denen mehr als die Hälfte nach ihrer Kapitulation getötet wurde. Das hatte zur Folge, dass die Regierung gezwungen war, eine Untersuchung einzuleiten, um die dafür Verantwortlichen zu finden. Die »Picasso-Akte« wies direkt auf die Monarchie hin, was Alfons XIII. veranlasste, 1923 einen Staatsstreich zur Erhaltung der Krone anzuzetteln. Dessen Hauptfigur war Miguel Primo de Rivera, Diktator bis in die frühen 1930er Jahre hinein und Vater des Gründers der faschistischen Partei Falange Española, José Antonio Primo de Rivera.

Die Regierung von Primo de Rivera wurde in den ersten Jahren durch einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung begünstigt; der sozialdemokratische Partido Socialista Obrero Español (PSOE) und die ihm nahestehende Gewerkschaft UGT kollaborierten, so dass ihnen einige Ämter zugesprochen wurden. Der Rest der Arbeiterbewegung, Kommunisten und ­Anarchisten, war ausgeschlossen und arbeitete klandestin. Im Laufe der Jahre büßten König und Diktator indes die letzten Sympathien ein. Die kleine republikanische Opposition gewann an Stärke, und der PSOE verabschiedete sich aus den Institutionen der Monarchie, was unverkennbar auf die Zerrüttung des Regimes hindeutete.

Tatsächlich brachen die sozialdemokratischen Organisationen Ende 1929 vollends mit Primo de Rivera, als dieser ein »Grundgesetz« zur Festigung seines Regimes erlassen wollte, wobei er die UGT aufforderte, fünf Delegierte für eine euphemistisch als solche betitelte »verfassunggebende Versammlung« zu benennen.

Eine liberale Republik wird geplant

Die Regierungskrise zwang den Diktator zum Rücktritt, um die Monarchie zu retten. Die Erosion der politischen Verhältnisse setzte sich jedoch fort, und auch Primo de Riveras Nachfolger Dámaso Berenguer scheiterte mit dem Projekt, das Land zu den Verhältnissen von vor 1923 zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund begannen die zerstreuten republikanischen Gruppen einen Einigungsprozess, der im August 1930 zum »Pakt von San Sebastián« führte. In der Übereinkunft wurde die gemeinsame Strategie für die Ausrufung einer Zweiten Republik festgelegt.

An dem entsprechenden Treffen nahmen zwei prominente Mitglieder des PSOE persönlich teil – Indalecio Prieto und Fernando de los Ríos –, aber weder PSOE noch UGT traten dem Pakt bis Oktober bei. Einen weiteren Monat dauerte es, bis sich auch die Anarchosyndikalisten anschlossen. Die Strategie zur Vertreibung des Monarchen, die einen militärischen Aufstand in Kombination mit einem Generalstreik vorsah, konnte erst im Dezember umgesetzt werden.

Das Revolutionskomitee veröffentlichte Anfang Dezember einen Aufruf zum republikanischen Aufstand, in dem zu lesen war: »Die Revolution wird immer ein Verbrechen oder eine Verrücktheit sein, wo immer Gerechtigkeit und Recht herrschen; aber sie ist Gerechtigkeit und Gesetz, wo die Tyrannei herrscht. Ohne die Zustimmung und die Solidarität des Volkes würden wir die Revolution nicht initiieren und führen. Mit ihm gehen wir an der Spitze eines nationalen Aufstands, der an alle Spanier appelliert. Wir sind uns sicher, dass die Türen von Werkstätten, Fabriken, Büros, Universitäten und sogar Kasernen sich öffnen werden und sich ihre Kräfte mit unseren vereinen; denn in dieser höchsten Stunde sind alle Soldaten freie Bürger. Und alle Bürger werden Soldaten der Revolution im Dienst des Vaterlandes und der Republik sein.«

Der Aufruf zielte nicht auf eine sozialistische Revolution oder die Errichtung einer mit der Sowjetunion vergleichbaren spanischen Republik ab. Explizit ging es darum, zunächst eine verfassunggebende Versammlung liberalen Stils einzurichten.

Erste Fehlschläge

Nach mehreren Verschiebungen wurde der Termin für den endgültigen Schlag gegen die Monarchie vom Revolutionskomitee auf den 15. Dezember 1930 festgelegt. Es gab jedoch Missverständnisse innerhalb der politischen Führung und unter einigen der beteiligten Militärangehörigen, wodurch der Aufstand ungeplant und verfrüht losgetreten wurde.

Die Aktion begann in Jaca, einer Stadt in der Nähe der Pyrenäen, wo am 12. Dezember die Truppen einer Garnison unter dem Kommando der Hauptmänner Fermín Galán und Ángel García Hernández den Aufstand probten, im Stadtrat die Zweite Republik proklamierten und eine Erklärung veröffentlichten, in der sie verlauten ließen, dass sie die neue Republik auch mit Waffengewalt verteidigen würden. Allerdings wurden sie noch am selben Tag überrannt. Galán und García Hernández wurden in einem Schnellprozess am 13. Dezember im Morgengrauen zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am Mittag des folgenden Tags vollstreckt. Es machte aus den beiden Offizieren die ersten Märtyrer und Symbolfiguren der Zweiten Republik.

Infolge des Scheiterns von Jaca wurden das Revolutionskomitee und eine große Anzahl an Arbeitern und militanten Republikanern inhaftiert – obwohl der Streikaufruf in Kraft blieb und es in einigen Regionen des Landes tatsächlich zum Ausstand kam. Die Führung der ­Madrider Sozialdemokraten, die sich mehrheitlich gegen den Aufstand aussprachen, sabotierte jedoch den Plan, so dass es nicht zu einer landesweiten Niederlegung der Arbeit kam.

Dennoch begann am 15. Dezember am Militärflugplatz von Cuatro Vientros in Madrid eine erneute Revolte unter dem Kommando von Ramón Franco (dem Bruder des späteren faschistischen Diktators) und Gonzalo Queipo de Llano (der später wie Ramón Franco die Fronten wechselte und im Spanischen Bürgerkrieg Operationen der Republikfeinde leitete). Auch diese Erhebung scheiterte, jedoch konnten die beiden Anführer nach dem Fehlschlag nach Portugal fliehen und entgingen damit einer Verurteilung. Der großen Masse der beteiligten Arbeiter gelang dies jedoch nicht, viele von ihnen wurden für ihre Unterstützung des Streiks inhaftiert und misshandelt.

Der Thron wackelt

Die Niederlage beim Versuch, im Dezember 1930 die Republik zu proklamieren, war jedoch nicht vollständig: Dámaso Berenguer sah sich danach gezwungen, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit wiederherzustellen. Zudem berief er allgemeine Wahlen für den 1. März 1931 ein. Die Ziele dieser Maßnahmen sind im königlichen Dekret festgehalten. Darin wird angekündigt, »ein Parlament zu bilden, das in Kontinuität zum Vorangegangenen (der Diktatur von Primo de Rivera, M. C.) steht und die Funktionalität der souveränen Kräfte (des Königs und der Versammlung, M. C.) wiederherstellt, die die Achse der Verfassung der spanischen Monarchie bilden«.

Für die Krone kam dieser Versuch einer bloß oberflächlichen Reform des Systems jedoch zu spät. Berenguers Projekt fand selbst unter den alten monarchistischen Parteien keine Unterstützung, die sich ebenso wie die Republikaner und die Sozialdemokraten weigerten, Kandidaten für dieses Scheinparlament aufzustellen. Alfons XIII. musste also nach einem Ersatz suchen, um die Regierungsgeschäfte auszuführen. Dazu traf er sich am 11. Februar 1931 mit Francesc Cambó, dem ehemaligen Finanzminister und Führer einer rechten Bewegung in Katalonien, die für Autonomie eintrat. Cambó berichtete in seinen Memoiren über das Treffen: »Ich fand ihn (den König, M. C.) zutiefst besorgt (…). Er fragte mich nach der Ausrichtung der Regierung, die er bilden solle, und ich antwortete ihm, ohne zu zögern, dass sie von links kommen müsse. (…) Er fragte mich nach der Angemessenheit, die Einberufung einer konstituierenden Versammlung zu beschleunigen, und ich antwortete, dass ich nicht glaube, dass irgend jemand gerade seine Macht anerkennen würde, und fügte hinzu, dass dies nicht die Zeit sei, eine Versammlung aufzuzwingen. Dann sagte er mir, dass er verbittert und enttäuscht sei und oft den Wunsch verspüre, Spanien zu verlassen. Er fragte mich, wie ich es fände, wenn eine Volksabstimmung anberaumt würde, bei der die Leute mit Ja oder Nein abstimmen könnten, ob er die Krone niederlegen müsse. Ich antwortete, dass ich das Ergebnis voraussagen könne: Eine große Mehrheit würde dafür sein, dass er die Krone abgebe.«

Cambó fiel immer schon durch seinen Opportunismus auf, wenn es darum ging, was für die katalanische Bourgeoisie am nützlichsten war. Und die Wahrnehmung, dass die Monarchie sozusagen das Ende ihres »Haltbarkeitsdatums« erreicht hatte, teilten viele. Im ganzen Land wurde die Ablehnung der Königsherrschaft geteilt, was sich anschaulich in einer Erklärung der Führungen des PSOE und der UGT widerspiegelte, die im Februar veröffentlicht wurde: »Beide Exekutivkomitees sind sich einig, dass die Notwendigkeit bekräftigt werden muss, die tiefe Krise des nationalen Lebens zu beenden und unter einer neuen Regierung den Weg für die Entwicklung der Demokratie zu bereiten und nicht im jetzigen Zustand zu verharren. Vielmehr muss entschlossen mit der Vergangenheit gebrochen und die Arbeit der Neustrukturierung des Landes von einer republikanischen Regierung übernommen werden.«

Königsflucht nach der Wahl

Berenguers Nachfolger war Juan Bautista Aznar, der am 13. Februar zum Präsidenten ernannt wurde und eine monarchistisch ausgerichtete Regierung installierte, in der einige Vertreter der alten konservativen und liberalen Parteien sowie ein Mitglied der Cambó-Partei saßen. Das grundlegende Ziel seiner Ernennung zum Präsidenten bestand darin, die Zustände vor der Diktatur wiederherzustellen. Dementsprechend beraumte er für den 12. April Kommunalwahlen an. Danach sollten Wahlen für eine verfassunggebende Versammlung stattfinden. Ziel war ein Parlament mit der Kompetenz, auch die Macht der Krone einzuschränken. Ein konkretes Datum für eine solche Wahl nannte Aznar aber nicht.

Im Gegensatz zu der von Berenguer geplanten Wahl entschieden sich Republikaner und Sozialdemokraten, gemeinsam anzutreten, und warben in allen Städten und Gemeinden, wo sie verankert waren, für ihre Kandidaten. Eine große Anzahl kleiner Städte musste dabei allerdings ausgelassen werden, da dort die Agrar­oligarchie dominierte und republikanische und Arbeiterorganisationen noch zu schwach waren. Die Wahlen wurden als echte Volksabstimmung angesehen, bei der die Grundsatzentscheidung zu treffen war, ob sich die Zukunft Spaniens wie bisher monarchisch oder aber republikanisch gestalten würde.

Inmitten des Wahlkampfs wurde am 20. März 1931 auch das Kriegsgericht über die Aufständischen der Dezemberrevolten abgehalten. Dies trug entscheidend zu einem Stimmungsumschwung in der Bevölkerung zugunsten der antimonarchistischen Kräfte bei. So wurden die Wahlen vom 12. April 1931 ein großer Erfolg für die republikanisch-sozialistische Koalition, die in 43 Provinzhauptstädten und sogar in einer Reihe von Bergbau- und Industriegemeinden mit großem Abstand gewann. In Madrid verdreifachte sich die Zahl der republikanischen Ratsmitglieder. Lediglich in einigen ländlichen Gebieten im Innern Spaniens, wo der Einfluss der Großgrundbesitzer zu stark war und mitunter nicht einmal linke Kandidaten zur Wahl standen, gelangen keine vergleichbaren Erfolge.

Die unmittelbare Folge des Wahlergebnisses war eine erneute Regierungskrise. Aznar musste kurze Zeit später zurücktreten. Alfons XIII., der sich seiner mangelnden Unterstützung endgültig bewusst wurde, verließ Spanien in der Nacht vom 13. auf den 14. April. Noch auf der Flucht gab der König eine Erklärung ab, die ausschließlich in der monarchistischen Zeitung ABC veröffentlicht wurde: »Die Wahlen am Sonntag zeigen mir deutlich, dass ich heute der Liebe meines Volkes nicht sicher sein kann. Mein Gewissen sagt mir, dass das nicht endgültig sein wird, weil ich immer versucht habe, Spanien zu dienen, mit dem alleinigen Anliegen des öffentlichen Interesses, selbst in den kritischsten Momenten. Ein König kann sich irren, und zweifellos habe ich es einmal getan; aber ich weiß gut, dass unser Vaterland angesichts von Schuld ohne Bosheit immer großzügig war.« Zugleich hielt er jedoch weiterhin seinen Anspruch auf den Thron aufrecht und erklärte: »Ich verzichte auf keines meiner Rechte, denn mehr als meine eigenen sind sie ein von der Geschichte angehäuftes Depot, über dessen Verwahrung sie von mir eines Tages strenge Rechenschaftslegung verlangen wird.«

Proklamation der Republiken

Nachdem der republikanisch-sozialdemokratische Sieg offiziell verkündet und anerkannt worden war, überschlugen sich die Ereignisse. Die baskische Stadt Eibar übernahm die Rolle des Vorreiters und proklamierte am Morgen des 14. April 1931 um 6 Uhr als erste Gemeinde die Republik. Alle Städte, in denen die Koalition gewonnen hatte, folgten diesem Beispiel. Spontan fanden vielerorts friedliche Feiern statt, bei denen die Spanier ihre Begeisterung über den Sturz der Monarchie, unter deren Herrschaft sie Jahrhunderte gelitten hatten, demonstrierten.

In Barcelona, wo die linke Regionalpartei Esquerra Republicana einen weitaus höheren Stimmenanteil als die rechte Cambó-Partei erhalten hatte, wurde die Katalanische Republik proklamiert, die in eine Föderation iberischer Völker integriert werden sollte. Die neuen Regierenden erkannten damit die historisch gewachsenen Nationalitäten und Regionalkulturen innerhalb Spaniens an und gestanden ihnen Autonomie und eigene Institutionen zur Selbstverwaltung zu. Die neue Zentralregierung bildete sich aus Mitgliedern des Revolutionskomitees, die am frühen Nachmittag des 14. April 1931 bei einer großen Versammlung auf der Puerta del Sol in Madrid die Macht übernahmen. Die Monarchie war endgültig zusammengebrochen.

Von diesem Moment an war die provisorische Regierung dafür verantwortlich, Vertreter in den Provinzen zu ernennen und sicherzustellen, dass Armee und Polizei sich den neuen politischen Kräfteverhältnissen fügten. Die prorepublikanischen Demonstrationen, die in ganz Spanien stattfanden, halfen bei dem friedlichen Übergang. Nun konnte damit begonnen werden, die parasitäre Monarchie, die Spanien früher in unzählige Kriege geführt hatte, in ein demokratisches System umzuwandeln. Besonderes Augenmerk lag auf der Ausarbeitung einer Agrarreform, mit der die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung, besonders der Landarbeiter, verbessert werden sollte. Dies bedeutete nicht, dass mit dem Aufbau eines sozialistischen Systems begonnen wurde – was angesichts des in der republikanischen Koalition stark vertretenen Kleinbürgertums, das sich gegen einen generellen Angriff auf das Privateigentum an Produktionsmitteln sperrte, auch nicht verwundert. Dennoch stellt die Gesetzgebung der Zweiten Republik einen Versuch dar, einige der dringenden Probleme der sozialen Ungleichheit zu lösen, die Spanien in den 1930er Jahren am meisten plagten. Sie konnten auch dank des Zuspruchs liberaler Kräfte angegangen werden.

Nicht weniger mächtig waren jedoch die Feinde der neuen Republik, die schon kurz nach der Wahl begannen, sich auf einen Umsturz vorzubereiten. Der erste Versuch eines Staatsstreichs erfolgte 1932. Als 1934 die linken Parteien getrennt voneinander zu den neuen Wahlen antraten, siegte die Rechte. Ein Großteil der Reformen der ersten Zweijahresperiode wurde wieder zurückgenommen. Am 18. Juli 1936 führten die Rechten mit Unterstützung Mussolinis und Hitlers das Land in den Bürgerkrieg. Nach dessen Ende mussten die Spanier fast 40 Jahre lang unter dem Joch des Faschismus leben.

Miguel Ángel Collado Aguilar ist Historiker und Experte für den Spanischen Bürgerkrieg.

Übersetzung aus dem Spanischen: Carmela Negrete

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