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Aus: Ausgabe vom 14.04.2021, Seite 1 / Titel
Austin-Besuch

Besuchen Sie Europa, solange es noch steht

Großmanöver gegen Russland, der Ukraine-Krieg und Afghanistan: US-Kriegsminister Lloyd Austin mit politischem Sprengstoff auf Visite in Berlin
Von Arnold Schölzel
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Lloyd Austin am Dienstag: 500 GIs mehr für die Bundesrepublik. Die Hauptstadtpresse nahm’s als Geschenk gegen Putin

Die Aufrüstung der NATO gegen Russland trägt Früchte: Die Kriegsgefahr nimmt sprunghaft zu. In Südosteuropa proben im Mai rund 28.000 Soldaten während der US-geführten Übung »Defender Europe 2021« den Vormarsch Richtung Osten, Kiew spitzt den Konflikt in der Ostukraine zu, und offenkundig sollen die rund 10.000 Soldaten der NATO und ihrer Verbündeten in Afghanistan nicht wie angekündigt zum 30. April abziehen – mit unabsehbaren Folgen.

In dieser Situation besuchte mit Verteidigungsminister Lloyd Austin am Dienstag das erste Mitglied des Kabinetts von US-Präsident Joseph Biden die Bundesrepublik. Im Gepäck hatte er als Geschenk eine symbolische Aufstockung des US-Truppenkontingents in der Bundesrepublik um 500 Mann. Bidens Vorgänger Donald Trump hatte noch eine Reduzierung angekündigt. Die Hauptstadtpresse erstarb vor Austin in Dankbarkeit, dem Berliner Tagesspiegel schwoll der Kampfhahnkamm derart, dass er online titelte: »Die US Army bleibt in Deutschland, Herr Putin – sie wird sogar aufgestockt.«

In den Verlautbarungen nach den Gesprächen Austins mit der deutschen Kriegsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wurde »Defender Europe 2021« nicht erwähnt. Dabei findet das jährlich stattfindende Manöver fast in den Dimensionen des Vorjahres statt, als es der Planung nach zur größten Truppenübung seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa werden sollte. Die Pandemie verhinderte das. In diesem Jahr nehmen Soldaten aus 26 Ländern, darunter die Ukraine, Georgien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Moldawien als Nichtmitglieder der NATO, bis Ende Juni teil. Sie trainieren vor allem in der Schwarzmeerregion, in Bulgarien und Rumänien, die Verlegung großer Kontingente Richtung Russland. Wie 2020 wird eine fünfstellige Zahl von US-Soldaten über den Atlantik gebracht, um den Marsch nach Osten zu proben. Zwei US-Kriegsschiffe wurden bereits ins Schwarze Meer entsandt. Die Bundesrepublik ist mit gut 430 Bundeswehr-Soldaten dabei.

Offiziell ging es zwischen Austin und Kramp-Karrenbauer vor allem um den gestoppten Truppenrückzug aus Afghanistan und den Ukraine-Krieg, den die von USA und EU am 23. Februar 2014 in Kiew installierte Putschregierung aus Nationalisten und Faschisten am 14. April 2014 mit einer Militäroffensive gegen die aufständischen Regionen in der Ostukraine vom Zaun gebrochen hatte. Dem war Gewalt der Putschisten gegen russischsprachige Ukrainer vorausgegangen. Im Februar wiederholte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij das Szenario. Er schloss russischsprachige Sender und ließ Armeechef Ruslan Chomtschak verkünden, der Präsident habe kein Problem damit, den Befehl für eine Offensive zu geben. Am 8. April behauptete Selenskij schließlich: »Die NATO ist der einzige Weg, um den Krieg im Donbass zu beenden.« Seitdem führen westliche Medien den Krieg auf ihre Weise. Der US-Sender CNN zeigte z. B. am Montag Bilder von angeblich russischen Panzern. Es waren ­ukrainische. Russland reagierte auf die Eskalation mit Truppenbewegungen in der Nähe zur ukrainischen Grenze. Am Dienstag behaupteten die Außenminister der G-7-Staaten in einer gemeinsamen Mitteilung, das seien »bedrohliche und destabilisierende Aktivitäten«. Der russische Außenminister Sergej Lawrow antwortete am selben Tag auf die Frage, was Russland mache: »Wir wohnen dort.«

Am Hindukusch, von wo aus Russland mit konventionellen Waffen leicht erreichbar ist, möchte sich nun die NATO häuslich einrichten.

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Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Rudi E. (14. April 2021 um 17:05 Uhr)
    Wenn Frau AKK gebetsmühlenhaft von einer angeblichen Aggression Russlands spricht, plappert sie nur das nach, was ihr der NATO-Kriegstreiber Stoltenberg ins Ohr flüstert. Die eigentlichen Fakten werden bewusst ins krasse Gegenteil gekehrt. Ich wüsste nicht, dass Russland seine Streitkräfte an der US-amerikanischen Grenze zusammengezogen hätte, geschweige denn hier in Europa an der Oder stünde – was man als Aggression verstehen könnte. Doch weit gefehlt.

    Über die Jahre hat sich die NATO (die Macron treffenderweise als hirntot bezeichnete) – trotz aller Versprechungen gegenüber Russland nach der deutschen Wiedervereinigung – sukzessive nach Osten vorgeschoben und steht nunmehr direkt an der russischen Grenze.

    Für wie dumm versucht eigentlich unsere sogenannte Verteidigungsministerin die Bevölkerung zu verkaufen? Wer seine sechs Sinne noch halbwegs beieinander hat und ansatzweise logisch denkt, merkt doch, was für ein übles und vor allem gefährliches Spiel hier gespielt wird.

    Die NATO ist ein Konstrukt, das ausschließlich US-amerikanischen strategischen Interessen dient. Die BRD wie auch alle anderen europäischen Staaten, die in ihrer blind-dümmlichen Vasallentreue zu diesem hirntoten Konstrukt stehen, werden die Quittung für ihre gefährliche Vorgehensweise bezahlen müssen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Uwe M. (14. April 2021 um 13:51 Uhr)
    Selbst bei größtmöglicher Sympathie für die russische Außenpolitik und die durchaus friedensstiftende Rolle Russlands in der Welt bleibt dennoch festzustellen, dass es sich bei Russland um einen kapitalistischen Staat handelt, der natürlich die Interessen des russischen Kapitals vertritt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass dieses wesentliche Element bei der Beurteilung russischer Politik außer Acht gelassen wird.

    Russland ist keine geschrumpfte Sowjetunion!

    Die Probleme und Schwierigkeiten, mit denen sich Russland heute international herumschlagen muss. resultieren zum großen Teil aus der Zerstörung der UdSSR. Trotz der jahrelangen Auseinandersetzung mit Amerika und dem Westen ist den sowjetischen »Kommunisten« nichts besseres eingefallen, als die Sowjetunion zu zerstören und den Sozialismus zu schleifen, dann muss man eben auch mit den Folgen eines solchen Verrates leben. Mein Mitleid hält sich dabei in Grenzen. Leidtragende sind wie immer die einfachen Menschen, die heute wie gestern für die Machtspielchen der Eliten missbraucht werden.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. (13. April 2021 um 23:44 Uhr)
    Halten wir fest: Die Aufrüstung der NATO gegen Russland trägt Früchte: Die Kriegsgefahr nimmt sprunghaft zu. In Südosteuropa proben im Mai rund 28.000 Soldaten während der US-geführten Übung »Defender Europe 2021« den Vormarsch Richtung Osten, Kiew spitzt den Konflikt in der Ostukraine zu, und offenkundig sollen die rund 10.000 Soldaten der NATO und ihrer Verbündeten in Afghanistan nicht wie angekündigt zum 30. April abziehen – mit unabsehbaren Folgen.

    Es ist an der Zeit, die vielen Truppen abzuziehen. Seit Jahrzehnten erleben wir militärische Konflikte überall auf der Welt. Lasst uns das beenden!

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Ulrich Becker, Alfter: Unfassbar Es ist wirklich unglaublich und nur noch schwer zum Aushalten: Da steht die Welt buchstäblich 2020 in Flammen (Australien, Kalifornien, Brasilien, Tundra bis nördlich des Polarkreises etc.), ein Hitze...
  • E.Rasmus: Großmanöver als Bedrohung und Vorzeichen einer militärischen Aggression Wie Kriegsvorbereitungen medial nach Goebbels-Manier ablaufen, benennt Arnold Schölzel besonders, wo er auf den US-Sender CNN hinweist. Dieser »zeigte z. B. am Montag Bilder von angeblich russischen P...
  • Istvan Hidy: Geiselnahme, Geisellage Große Teile Europas wurden von den USA okkupiert. US-Truppen sind in Deutschland, Holland, Belgien, Italien und der Türkei. In diesen Ländern sind auf Luftwaffenstützpunkten Atomwaffen stationiert. Da...

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