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Aus: Ausgabe vom 10.04.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Standorterhalt

Erpresserische Methoden

Österreich: Beschäftigte des MAN-Werks in Steyr gegen Übernahme des Standorts. Konzernspitze droht mit Schließung
Von Johannes Greß, Wien
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Bosse machen die Zukunft des Unternehmens unter sich aus

Bis Mittwoch abend konnten die Beschäftigten des Lastwagenbauers MAN am oberösterreichischen Standort Steyr über die Zukunft des Werks abstimmen. Gefragt wurde, ob der Standort vom Automobilmanager Siegfried Wolf übernommen werden soll. Am Donnerstag hat der Betriebsrat verkündet, dass sich rund 64 Prozent gegen die Übernahme entschieden hätten. An der Abstimmung beteiligt haben sich demnach 94 Prozent der rund 2.300 Beschäftigten des Werks. Nun ist unklar, wie es weitergeht.

Im Vorfeld der Wahl versuchte die Konzernspitze in München Druck auf die Beschäftigten auszuüben, damit sie der Übernahme zustimmten. Die Wiener Zeitung zitierte am 15. März den Vorsitzenden des Arbeiterbetriebsrats, Erich Schwarz. Dieser beklagte »fast erpresserische Methoden«. Das Angebot an die Beschäftigten laute: »Friss oder stirb!« Denn entweder solle das MAN-Werk in Steyr in die WSA Beteiligungs GmbH von Wolf überführt werden oder – sofern das nicht geschieht – bis 2023 komplett geschlossen werden.

Wolf plant jedoch, lediglich 1.250 der 1.900 Personen zählenden Stammbelegschaft zu übernehmen und deren Nettolöhne um bis zu 15 Prozent zu kürzen. Vor der Wahl versuchte er, um die Gunst der Beschäftigten zu werben, und legte ihnen seine Zukunftspläne dar: Er habe vor, die Marke »Steyr« wiederzubeleben und unter anderem Kastenwagen mit Dieselmotoren und Elektroantrieb sowie mittlere Lkw zwischen sechs und zwölf Tonnen am Standort zu produzieren. Rund 10.000 Fahrerkabinen sollen pro Jahr an den russischen Nutzfahrzeughersteller GAZ gehen, in dessen Aufsichtsrat Wolf sitzt. GAZ ist Teil des Konglomerats JSC Russian Machines, welches wie sein Inhaber Oleg Deripaska auf US-Sanktionslisten steht.

Für gekündigte Beschäftigte stellte Wolf einen Sozialplan in Aussicht. Wer von den 2.300 Arbeitern nach der geplanten Überführung in die WSA Beteiligungs GmbH zu den 1.250 Übernommenen gehören würde, war den Beschäftigten vor der Abstimmung nicht klar. Bis Ende Juni sollten sie über ihre Zukunft informiert werden. Nach den Ankündigungen Wolfs sollte eine Urabstimmung der Belegschaft über den weiteren Verbleib entscheiden. Der Industrielle peilte mindestens eine Zweidrittelmehrheit an. Anfang April warnte er gar vor einem »Detroit in Österreich«, sollten ihm die Beschäftigten die Zustimmung verweigern.

Neben Wolf hatten sich auch der tschechische Automobilhersteller Tatra und ein Konsortium um den Linzer Unternehmer Karl Egger (Ke Kelit) mit dem Konzept eines »Green-Mobility-Centers« um den Betrieb der Produktionsstätte beworben. Die Münchener Konzernspitze lehnte dieses Angebot jedoch von vornherein ab und beharrte auf dem Standpunkt: Verkauf an Wolf – oder das Werk wird geschlossen.

Die geplante Schließung des seit 1914 bestehenden Traditionsstandorts in Steyr ist Teil eines umfassenden Kürzungs- und Umstrukturierungsprogramms der VW-Tochter MAN. Noch Ende 2019 hatte das Unternehmen eine Standort- und Beschäftigungsgarantie für das Steyr-Werk und die dort Beschäftigten unterschrieben, die den Verbleib bis mindestens 2030 sichern sollte. Mit Beginn der Coronapandemie meldete MAN die Belegschaft zur Kurzarbeit an – um dann wenige Monate später die Standortgarantie aufzukündigen.

Seither kämpfen Beschäftigte, Betriebsrat, Gewerkschaft und auch politisch Verantwortliche gegen die Werksschließung und den Erhalt der Arbeitsplätze. Das Schließen des Werks samt Zulieferbetriebe werde 8.400 Arbeitsplätze in der Region kosten, erklärte Friedrich Schneider, Leiter der Initiative Wirtschaftsstandort Oberösterreich, am Montag. Es drohe ein BIP-Rückgang von rund 957 Millionen Euro. Die Münchner Konzernspitze will jedoch die Produktion zukünftig nach Polen verlagern. Zwar war der Standort in Steyr äußerst profitabel, aber in den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten betragen die Bruttolöhne teils nur die Hälfte des österreichischen Lohnsatzes.

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