Gegründet 1947 Mittwoch, 14. April 2021, Nr. 86
Die junge Welt wird von 2500 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 09.04.2021, Seite 10 / Feuilleton
Literatur

GmbH & Co. KG

Monika Köhler zum 80. Geburtstag
Von Daniel Bratanovic
Domma_Vorabend_RLK_ 004.jpg
Sagen, was die BRD nicht hören will: Monika Köhler (r.) mit Mann Otto

Regelmäßige Leser dieser Zeitung werden Otto Köhler als den witzig-lästerlichen und schonungslos entlarvenden, niemals offiziellen Chronisten der Bundesrepublik mit ihrem bald schauderhaften, bald lächerlichen Personal, ihren alten und neuen Nazis kennen. Was sie dabei nicht wissen dürften: Die Aufsätze, die da unter seinem Namen erscheinen, sind Produkte der erfolgreichen Unternehmung Monika & Otto Köhler GmbH & Co. KG. Wer am von dichtem Grün umrankten Unternehmenssitz bei Hamburg anruft, um den nächsten Artikel zu besprechen, der führt das Telefonat noch stets mit beiden. Kein Otto-Köhler-Text also ohne Monika Köhler.

Damit wäre bloß das wenigste gesagt. Denn sie selbst ist Buchautorin, Lyrikerin, und unter ihrem Namen erscheinen regelmäßig Artikel in der Zweiwochenschrift Ossietzky. Auch für junge Welt schrieb Monika Köhler des öfteren: über Kunstausstellungen zu Giacometti, Chagall, Liebermann et al.

Geboren am Alexanderplatz zu Zeiten, als die Nazis die halbe Welt überfielen, lernte sie Anfang der 60er Jahre auf der Insel Westberlin den etwas älteren Studenten Otto Köhler kennen – in einer literarischen Kellerkneipe mit dem Namen »Massengrab«. An einem Ort, der nach Ende und Verderben klingt, begann eine lebenslange fruchtbare Bindung. »Spätestens am nächsten Tag«, berichtet Monika, bat Otto sie, sich um sein Archiv zu kümmern. Das ist auch heute noch dringend nötig.

Gemeinsam erschlossen sie sich Themen, von denen in einer von kollektiver Amnesie befallenen Bundesrepublik kaum einer hören mochte. Die Recherchen zu den rassistischen Vererbungsthesen des deutsch-britischen Psychologen Hans Jürgen Eysenck brachten Monika Köhler zu ihrem Debüt als Schriftstellerin. Der Roman »Die Früchte vom Machandelbaum« erschien 1980 und erzählt aus der Sicht der fiktiven Tochter des sehr realen Obersturmbannführers August Hirt, der in der mit Abstammungsmythos und der Mär von der Überlegenheit der »arischen Rasse« beschäftigten Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V. tätig war und zu »Forschungszwecken« 86 jüdische Häftlinge aus dem KZ Auschwitz ermorden ließ. Wiederum auf der Grundlage gemeinsamer Recherchen entstand 1996 ihr zweiter Roman »Kielkropf« vor dem Hintergrund des verbrecherischen »Euthanasie«-Programms der Nazis.

Wie ihr Ehemann Otto gehört Monika Köhler mit ihrer Haltung zu jenen »wenigsten«, die schauderhafte Vergangenheit mit hässlicher Gegenwart in Verbindung setzen. Ein von ihr verfasstes Haiku mit dem Titel »Luft-Hoheit«, das 2014 in dieser Tageszeitung erschien, geht so: »Wunderbarer Herbst / die Vögel bleiben noch hier – / Deutschland schickt Drohnen«. An diesem Freitag feiert Monika Köhler ihren 80. Geburtstag.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

Polizei vor Kiezkneipen- oder Waldschützern, Instagram vor linken Bloggern, Geheimdienste vor Antifaschisten? Oder eher andersherum? Die Tageszeitung junge Welt entlarvt jeden Tag die herrschenden Verhältnisse, benennt Profiteure und Unterlegene, macht Ursachen und Zusammenhänge verständlich.

Unverbindlich und kostenlos lässt sich die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) probelesen. Abbestellen nicht nötig, das Probeabo endet automatisch.

Mehr aus: Feuilleton