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Aus: Ausgabe vom 08.04.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Aprilscherz

Zu jW vom 1.4.: »Wie der Tango nach Buenos Aires kam«

Ein super Aprilscherz, den allerdings wahrscheinlich nicht viele Leser bemerkt haben. Ralf Höller hat sehr schön eine kunstvolle Geschichte mit einigen wahren Elementen aufgetischt. Der Musiker hieß übrigens nicht Juho Unto Mononen, sondern Unto Uuno Mononen, später ab 1959 genannt Uuno Unto Mononen. Er wurde am 23. Oktober 1930 in Muolaa geboren und starb wohl durch Suizid am 28. Juni 1968 in Somero, ebenfalls Finnland. Er war Komponist, Dichter und Musiker (…). Wahr ist zudem, dass er erhebliche Alkoholprobleme hatte und offensichtlich auch depressiv war. Insofern kann Mononen nicht 1911 den Tango in Buenos Aires eingeführt haben. Mononen selbst ist aus Finnlands Tangohistorie allerdings nicht wegzudenken und hat sehr viele erfolgreiche Stücke geschrieben. (…)

Jürgen Kelle, per E-Mail

Spaltungsprozesse

Zu jW vom 11.3.: »Kult der Differenz«

Dank für die Genauigkeit der Analyse und den Mut der Positionierung! (…) Die Differenz- und Identitätseuphorie ist mittlerweile (…) schier wahnhaft geworden. Besonders tragisch: Das Kapital lacht sich ins Fäustchen – je mehr sich die Identitäten in die Haare geraten, desto ungestörter laufen die großen Geschäfte, gerade auch die dreckigen. Ich nenne nur mal die Missstände im Pflegebereich oder das Säbelrasseln gegen Russland. Man könnte geradezu auf die Idee verfallen, die ganze Bewegung sei massiv gesponsert. Im fiktiven »Lugano-Report« von Susan George (2001) findet sich jedenfalls die Empfehlung: »Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen sich nicht mehr fragen, was sie tun können, sondern in erster Linie damit beschäftigen, was sie sind.« Deshalb gehört auch Sprachgenderei zu den gesellschaftlichen Spaltungsprozessen, die man nicht mitmachen, sondern entlarven sollte.

Richard Netlef, per E-Mail

Solidarische Beziehung

Zu jW vom 25.3.: »Bengalischer Flächenbrand«

Thomas Berger gebührt Dank für die akribische Darlegung der turbulenten Ereignisse am Golf von Bengalen vor 50 Jahren. Ergänzend sei vermerkt, dass die DDR den Befreiungskampf in Ostpakistan gegen die westpakistanische Bevormundung mit solidarischer Verbundenheit begleitete und die Volksrepublik Bangladesch nach Indien und Bhutan als drittes Land diplomatisch anerkannt hat. Wenige Wochen nach der Gründung des unabhängigen Staates landete eine Interflug-Maschine mit Hilfsgütern in Bangladesch und nahm auf dem Rückflug 26 schwerverwundete Freiheitskämpfer zur Behandlung mit in die DDR. Anfang August 1975 äußerte Ministerpräsident Mujibur Rahman den Wunsch, die DDR zu besuchen. Am 13. August wurde dem Staatssekretär im Außenministerium Bangladeschs mitgeteilt, dass er in Berlin willkommen sei. In der Nacht vom 14. zum 15. August wurden er und seine gesamte Familie (außer seiner Tochter) brutal ermordet. Dennoch wurden auch danach die Beziehungen zwischen unseren Staaten auf einer vertrauensvollen Grundlage fortgeführt. Das kam nicht zuletzt in durchaus sensiblen Bereichen zum Ausdruck. Die Staatsdruckerei Leipzig übernahm die Herstellung der Reise- und Diplomatenpässe des jungen Staates, später kamen Briefmarken und Münzen dazu. Das Ministerium der Finanzen der DDR sowie das Ministerium des Innern und die Post der Volksrepublik Bangladeschs wickelten diese Aufgaben zur beiderseitigen Zufriedenheit ab. Fernerhin bestand seit 1973 eine wöchentliche Flugverbindung von Berlin nach Hanoi, die über Dhaka führte. Die Überseeschiffe der Deutschen Seereederei der DDR liefen regelmäßig Chittagong an.

Dr. Andrej Reder, per E-Mail

Zynisches Spiel

Zu jW vom 3./4./5.4.: »Opfer der Paranoia«

Robert Meeropol hat ein bewegendes Buch über seine Eltern Ethel und Julius Rosenberg geschrieben: »Als die Regierung entschied, meine Eltern umzubringen«. Für mich ein Zeugnis der Liebe und Bewunderung für seine ermordeten Eltern. Aber auch der tiefen Dankbarkeit für seine Adoptiveltern, die aus herzlichster Solidarität Ende 1953 das gerichtliche Sorgerecht für den sechsjährigen Robert und den zehnjährigen Michael Rosenberg bekamen. (…) Um ihr eigenes Leben zu retten, hätte Ethel Rosenberg (…) nur die Namen der Mitglieder der Kommunistischen Partei der USA zu nennen brauchen, mit denen sie und ihr Mann Julius in persönlichem Kontakt standen. Das zynische Spiel von Drohung und Erpressung bis zur endgültigen Beseitigung der KP wäre aber weitergegangen. ­Ethel und Julius hätten vielleicht überlebt, wenn sie sich der Macht und dem Willen des imperialistischen Staates gebeugt hätten. Aber beide weigerten sich standhaft (…). Die Rosenbergs gingen eher in den Tod, als zu Verrätern der eigenen Genossen und Freunde zu werden. Der Prozess war eine einzige Farce, konstruiert von der CIA und dem FBI. Er mobilisierte aber die Öffentlichkeit, die man mit der Bewegung in den 20er Jahren zur Verteidigung Saccos und Vanzettis vergleichen kann. Dank des Solidaritätsnetzes der Mitglieder der KP der USA entkamen Robert und sein Bruder dem Waisenhaus und fanden bei tollen Adoptiveltern Wärme und Unterstützung. (…)

Gerd-Rolf Rosenberger, Bremen

Auf Sprache achten

Zu jW vom 30.3.: »Politisch geduldete Mangelwirtschaft«

Von der Mainstreamsprache wird offenbar niemand verschont. Haben wir uns so daran gewöhnt, diverse Miseren in einer Art zu benennen, als wären sie von Göttern verursacht? (…) Nein, die Mieten »steigen« nicht, sondern sie werden in die Höhe getrieben – von Menschen, die die Macht dazu haben. Bezahlbarer Wohnraum »wird nicht knapper«, sondern bewusst verknappt, um die Preise hochzutreiben. Nein, die Zahl der Sozialwohnungen »bricht nicht ein«, denn nicht ein Erdbeben ist Schuld, sondern die gesellschaftlich etablierte Gier. Das ist keine Wortklauberei. Eine linke Zeitung sollte die Sprache dazu nutzen, sich durch Klarheit vom Mainstream abzusetzen.

Rudolf Sittner, Cottbus

Das Kapital lacht sich ins Fäustchen – je mehr sich die Identitäten in die Haare geraten, desto ungestörter laufen die großen Geschäfte, gerade auch die dreckigen.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

Polizei vor Kiezkneipen- oder Waldschützern, Instagram vor linken Bloggern, Geheimdienste vor Antifaschisten? Oder eher andersherum? Die Tageszeitung junge Welt entlarvt jeden Tag die herrschenden Verhältnisse, benennt Profiteure und Unterlegene, macht Ursachen und Zusammenhänge verständlich.

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