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Aus: Ausgabe vom 08.04.2021, Seite 7 / Ausland
Kolumbien und Venezuela

Spannungen verschärft

Venezuela: Gefechte zwischen Streitkräften und bewaffneten Gruppen in Grenzgebiet zu Kolumbien halten an. Caracas sieht Verantwortliche in Bogotá
Von Frederic Schnatterer
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Die Kontrolle der venezolanisch-kolumbianischen Grenze ist keine leichte Aufgabe (San Antonio, 23.8.2015)

Auch mehr als zwei Wochen nach Beginn der Militäroperation »Bolivarisches Schutzschild« gehen die venezolanischen Streitkräfte weiter gegen bewaffnete Gruppen im Bundesstaat Apure an der Grenze zu Kolumbien vor. Laut Informationen der Regierung in Caracas starben dabei bis Montag neun »Terroristen«, 33 wurden festgenommen. Auch venezolanische Soldaten kamen zu Schaden. Am Dienstag (Ortszeit) erklärte der venezolanische Außenminister Jorge Arreaza gegenüber der Presse, die Streitkräfte des Landes hätten die Kontrolle über die Ortschaft La Victoria – Zentrum der Kämpfe – mittlerweile wiedererlangt.

Am 21. März hatten die Bolivarischen Nationalen Streitkräfte (FANB) eine Offensive bei La Victoria in unmittelbarer Nähe zur Grenze zu Kolumbien gestartet, nachdem »irreguläre bewaffnete Gruppen« nach Angaben von Caracas Infrastruktur und Einsatzkräfte angegriffen hätten. Wer genau dahintersteckt, ist weiterhin unklar. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass es sich um ehemalige FARC-Guerilleros handelt, die das Friedensabkommen mit der kolumbianischen Regierung nicht anerkennen und mittlerweile vor allem Drogenhandel betreiben.

Was als Operation gegen von Caracas als »kolumbianische Narcoparamilitärs« definierte Gruppen begonnen hatte, verschärft die Spannungen zum Nachbarland weiter. Laut venezolanischer Regierung handelt es sich bei den bewaffneten Banden um »imperialistische Agenten«, deren Hintermänner in Bogotá und Washington sitzen und deren Ziel es sei, das Land zu »balkanisieren«. Anzeichen dafür sei unter anderem, dass sich die bewaffneten Gruppen wieder in das angrenzende kolumbianische Departamento de Arauca zurückgezogen hätten – »dort sind sie geschützt, dort gibt es keine Ordnung«, so Außenminister Arreaza am Dienstag. Denn: »Kolumbien ist ein Narcostaat, das kann niemand leugnen.« Den Vorwurf, eng mit dem illegalen Drogenhandel zusammenzuarbeiten, richtet die kolumbianische Rechtsregierung von Iván Duque regelmäßig an Caracas. Bogotá unterhält seit mehr als zwei Jahren keine Beziehungen mehr zur venezolanischen Regierung und arbeitet offen auf einen Regime-Change im Nachbarland hin.

Unter den Gefechten in Apure leidet insbesondere die lokale Bevölkerung. Am vergangenen Mittwoch forderten mehr als 60 NGO sowohl aus Kolumbien als auch aus Venezuela angesichts der Kämpfe die Vereinten Nationen dazu auf, einen Sondergesandten in die Region zu schicken. In einem Brief betonten sie zudem, die Regierungen in Bogotá und Caracas dürften »die Ereignisse in Apure und Arauca nicht als Vorwand für eine weitere Eskalation der Lage missbrauchen«. In den vergangenen Wochen hatten kolumbianische Stellen berichtet, dass 6.500 Menschen über die Grenze geflüchtet seien. Die venezolanische Regierung wies die Angaben unter Verweis auf den letzten Zensus als »künstlich aufgebauscht« zurück. Dieser gibt die Gesamtbevölkerung mit rund 3.500 an. Angesichts einer großen Menge an von den bewaffneten Gruppen plazierten Landminen forderte Caracas am Montag unterdessen bei der UNO Hilfe für deren Räumung an.

Auch eine »Untersuchung der irregulären Gruppen« sei beantragt worden, erklärte Verteidigungsminister Vladimir Padrino López am Montag. In der zu einem großen Teil unwegsamen Grenzregion zwischen Venezuela und Kolumbien operieren mehrere kolumbianische bewaffnete Gruppen. Von staatlicher Kontrolle kann an den meisten Abschnitten keine Rede sein. Das soll nun die Einrichtung einer »Speziellen Operationszone zur Verteidigung« (ZODI) ändern, die Padrino López ankündigte. Eine »temporäre« Militärverwaltung in den Gemeinden Páez, Muñoz und Rómulo Gallego solle dem »Schutz der Ordnung, des Friedens und der Menschenrechte dienen«. Allerdings müsse auch Kolumbien für den Schutz der Grenze sorgen.

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