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Aus: Ausgabe vom 07.04.2021, Seite 16 / Sport
Olympia

Keine Lust auf Coronaspiele

Nordkorea hat als erstes Land seine Teilnahme an der Olympiade in Tokio abgesagt
Von Jens Walter
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Langsam wird es eng: Nicht nur Nordkorea zweifelt an Tokios Test- und Hygienekonzept

Bilder der Hoffnung, symbolische Zeichen des Friedens und der Versöhnung – Thomas Bach hätte sie wohl allzu gerne gesehen: Die Olympischen Spiele in Tokio, eine Bühne für die geopolitisch bedeutsame Annäherung im jahrzehntelangen Korea-Konflikt. Dazu wird es, anders als bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang, nicht kommen. Der Wunsch des IOC-Präsidenten bleibt unerfüllt. Die Sommerspiele in Japan finden ohne eine Delegation aus Nordkorea statt.

Als erstes Land sagte die DVRK die Teilnahme in Tokio (23. Juli bis 8. August) ab. Als offizielle Begründung nannte das Sportministerium in Pjöngjang Sicherheitsbedenken aufgrund der Coronapandemie. Das Nationale Olympische Komitee (NOK) habe die Entscheidung getroffen, »nicht an den 32. Olympischen Spielen teilzunehmen, um die Athleten vor der globalen Gesundheitskrise zu schützen, die durch Covid-19 ausgelöst wurde«, hieß es am Montag auf einer vom nordkoreanischen Sportministerium betriebenen Website.

Dem IOC lag am Dienstag laut eines Sprechers allerdings noch kein offizieller Antrag vor. Zudem habe das nordkoreanische NOK bislang trotz »mehrfacher Anfragen« kein Konferenzgespräch organisiert, um die Coronalage zu diskutieren. Diese lässt sich bezüglich der DVRK zur Zeit kaum einschätzen. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Land aktuell keinen einzigen Coronafall gemeldet. Nordkorea schottet sich ab. In der Pandemie noch mehr als sonst.

In Japan gibt man sich trotz der ersten Absage noch ruhig. Zu schwer sind die Hintergründe der Entscheidung einzuschätzen. Das Verhältnis zwischen Pjöngjang und Tokio gilt als äußerst angespannt. »Es scheint, als wolle Pjöngjang gegen die japanische Nordkorea-Politik protestieren«, sagte Yang Moo-jin, Professor an der University of North Korean Studies in Seoul, der Nachrichtenagentur AFP. Das Verhältnis der beiden Staaten ist traditionell unfreundlich. Die japanische Regierung erklärte, die Berichte zur Kenntnis genommen zu haben. Man arbeite daran, die Rahmenbedingungen der Spiele zu verbessern, darunter auch die »Antiinfektionsmaßnahmen, damit viele Länder und Regionen an den Spielen in Tokio teilnehmen können«.

Kommen Athleten aus zahlreichen Staaten, ist der Verzicht des sportlich und für das IOC wirtschaftlich unbedeutenden Nordkoreas zu verschmerzen. Etwas mehr als 100 Tage vor der Eröffnungsfeier ist die Liste der Probleme aber noch lang – und geht über die unsicheren Olympiaqualifikationen hinaus. Da wäre die Sorge vor den Spielen als »Superspreader«, ungeachtet umfangreicher Test- und Hygienekonzepte. Der Handlungsdruck des IOC ist groß, etwa beim Thema Impfen. Man hat zwar chinesischen Impfstoff geordert, dieser ist aber nicht weltweit zugelassen und etwa für deutsche Sportler deshalb keine Option. Generell bereitet die Verfügbarkeit von Vakzinen Kopfzerbrechen.

Weitere Absagen sind somit nicht auszuschließen. Ein Dominoeffekt dürfte von Nordkoreas Verzicht, anders als von Kanadas Absage im März 2020, wohl vorerst nicht ausgehen – sofern die Pandemie nicht erneut an Dynamik gewinnt. Dann könnte die DVRK unversehens zum Vorreiter werden.

Für die Politik ist das eine verpasste Chance. Das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium äußerte sein »Bedauern« darüber, dass die Pandemie verhindere, dass die Olympischen Spiele dazu dienen könnten, »den Frieden auf der Koreanischen Halbinsel voranzubringen«. Das war 2018 im Rahmen der Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang zum Teil gelungen, als erstmals seit der Teilung des Landes ein gesamtkoreanisches Eishockeyteam auflief. Anzeichen, dass die Volksrepublik auf die südkoreanischen Avancen eingehen würde, hatte es in jüngster Zeit allerdings keine gegeben.

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