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Aus: Ausgabe vom 30.03.2021, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
Tarifkampf

»Am Ende steht ein Kompromiss«

Bei der Charité Facilitiy Management (CFM) liegt jetzt ein Tarifvertragsentwurf vor. Ein Gespräch mit Maik Sosnowsky
Von Pascal Richter
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Zäher Kampf: CFM-Beschäftigte bei Warnstreik 2020 vor dem Hauptgebäude der Berliner Charité

Im Ergebnis der Schlichtung liegt bei CFM jetzt ein Tarifvertragsentwurf vor, der in die Abstimmung bei den Beschäftigten geht. Hat der Berliner Senat sein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag eingehalten?

Solche Versprechen sind oft sehr auslegungsfähig. In diesem Fall war der Koalitionsvertrag aber schon eindeutig. Formuliert wurde das Ziel der Angleichung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, TVöD. Dieses wird möglicherweise bei CFM nicht erreicht werden. Dennoch war mir stets klar, dass die Angleichung an den TVöD kein Sprint, sondern eher ein Marathon wird. Wir arbeiten weiterhin mit den von der Charité gestellten Kolleginnen und Kollegen zusammen, werden aber bei gleicher Arbeit weiterhin unterschiedlich entlohnt.

Wie schätzen Sie das Tarifergebnis grundsätzlich ein?

Das ist stets Ergebnis der Kräfteverhältnisse. Es war schon immer schwierig, die breite Masse der Kolleginnen und Kollegen zu bewegen, sich für Tarifkämpfe starkzumachen. Und Verhandlungen enden meist mit Kompromissen. Trotzdem: Das Ergebnis darf sich Tarifvertrag nennen. Es bringt wesentliche Verbesserungen für eine Vielzahl von Beschäftigten. Jetzt ist es wichtig, über die guten und schlechten Seiten des Ergebnisses offen zu berichten, um so eine Meinungsbildung für die Mitglieder zu ermöglichen.

Sind auch Löhne in Höhe des Vergabemindestlohnes enthalten?

Auch der TVöD kennt in seinen Tabellen Stundenentgelte unter 12,50 Euro und Steigerungen nach Betriebszugehörigkeit. Aber wir haben nun auch eine Diskussion um die Frage, warum innerhalb der CFM bei gleicher Arbeit das Entgelt u. a. von der Betriebszugehörigkeit abhängig gemacht wird. Zudem scheint es, dass jeder das Ergebnis für sich auf dieser Grundlage sehr individuell bewertet. Da ich selbst schon lange dabei bin, würde ich vermutlich bei 14,99 Euro pro Stunde landen. Ich habe im Jahr 2006 mit zirka sieben Euro angefangen. Ich werde wohl zustimmen.

Wie ist die Stimmung im Betrieb?

Mitarbeiter, die erst kurze Zeit bei uns sind, haben sich wohl mehr erhofft. Wenn ich mit meinen Weggefährten aus den Streiks 2011 spreche, sind diese mit dem Zwischenschritt zum TVöD als Kompromiss zufrieden. Viele werden dennoch auf keine gute Rente mehr kommen können. Aber auch der Einstiegslohn von 12,50 Euro ist nicht dazu geeignet, eine vernünftige Rente zu erreichen. Hier muss noch einiges passieren.

Wann soll über den Entwurf abgestimmt werden?

Nach meinem Stand soll die Abstimmung durch die Verdi-Mitglieder bald starten. Leider kennen weder die Mitglieder noch der Betriebsrat bisher die Volltextversion. Ich würde mir das transparenter und offener wünschen. Natürlich sieht man in dem Text, dass beide Seiten für sich bestimmte Dinge geregelt haben. Sicherlich bestehen auch Regelungen, die der Arbeitgeber gut findet.

Der Entwurf wurde in einer Schlichtung verhandelt. Würden Sie das weiterempfehlen?

Tatsächlich hätte ich mir eine Rückkopplung mit den Gewerkschaftsmitgliedern, aber vor allem auch mit der Tarifkommission gewünscht. Grundsätzlich ist Offenheit und Transparenz das Grundrezept dabei. Zwar gelangt aus Schlichtungen traditionell nicht viel nach außen, aber bei einer besseren Rückkopplung hätte sich vieles besser klären lassen können.

Bei CFM arbeiten zirka 3.200 Kolleginnen und Kollegen. Solche Ergebnisse werden von vielen Menschen im Betrieb erkämpft, die sich für die Sache einsetzen. Deshalb sollte zeitnah und transparent informiert werden. Eine Schlichtung kann das Eis brechen, schließt aber gleichzeitig die aus, die das Ganze ermöglicht haben.

Maik Sosnowsky ist Betriebsratsvorsitzender der Charité Facilitiy Management

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

Polizei vor Kiezkneipen- oder Waldschützern, Instagram vor linken Bloggern, Geheimdienste vor Antifaschisten? Oder eher andersherum? Die Tageszeitung junge Welt entlarvt jeden Tag die herrschenden Verhältnisse, benennt Profiteure und Unterlegene, macht Ursachen und Zusammenhänge verständlich.

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