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Aus: Ausgabe vom 30.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Pizzabäcker des Tages: UEFA

Von Peter Merg
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Da muss Belag drauf: Die UEFA-Pizza

Mögen Sie Pizza? Na klar, wer liebt sie nicht. Aber auch jeden Tag? Morgens Funghi, mittags Mista, abends Caprese und für zwischendurch vielleicht noch eine kleine Quattro Stagioni? Nein? Dann sind Sie sicher kein Fußballfunktionär. Denn deren Ideal ist spätestens seit den Zeiten des seligen Leo Kirch: Fußball auf allen Kanälen, rund um die Uhr. Zur Prime time natürlich möglichst hochklassig, also Real Madrid gegen Paris Saint-Germain, Manchester United gegen Juventus Turin, solche Kaliber. Ob mit Zuschauern oder ohne ist mittlerweile unerheblich, das hat Corona gezeigt. Lewandowski und Co. können auch vor Pappaufstellern gegen den Ball treten, die Einschaltquoten sind trotzdem garantiert – und damit die Millionen für die Übertragungsrechte.

Der neueste Clou der Europäischen Fußballunion (UEFA) heißt »Schweizer Modell«. Nach dem soll ab 2024 die Vorrunde der Champions League ausgespielt werden. Das wird der Verband am Mittwoch beschließen. Wer bei »Schweizer Modell« statt an Fußball an Bankgeheimnis und Nummernkonten denkt, liegt trotzdem richtig. Denn natürlich geht es ums Geld. Statt 32 Teams treten künftig 36 gegen einander an. Auch wenn hinsichtlich der Details noch heftig geschachert wird, heißt das mehr Topspiele, mehr Übertragungsrechte, mehr TV-Einnahmen. Für die großen Klubs besonders angenehm: Prominente Ausfälle sind nahezu unmöglich, weil sie bei der Nominierung von früheren Erfolgen profitieren. Eine »Königsklasse« ohne den FC Bayern ist damit quasi ausgeschlossen. Eine mit Mainz 05 freilich ebenfalls.

Aber kein Problem, die UEFA hat schließlich auch ein Herz für die kleinen Pizzabäcker. Die sollen sich laut einem neuen Verbandspapier zukünftig von Investoren unbegrenzt Geld zuschießen lassen können. Für den extra Käse.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

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