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Aus: Ausgabe vom 30.03.2021, Seite 5 / Inland
Serie »Unsere Armut – ihre Profite«

Mit Vollgas durch die Krise

Serie. Unsere Armut – ihre Profite. Teil 3: Autokonzerne setzen Massenentlassung durch und zahlen üppige Dividenden aus. Staat subventioniert Gewinne
Von Stephan Krull
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Boom trotz Überproduktion: Jährlich werden 70 Millionen Autos in den Weltmarkt gedrückt

In der größten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg schützt die Bundesregierung Konzerne. Für Lohnabhängige hat sie kaum etwas übrig. In der sechsteiligen jW-Serie werden schlaglichtartig die größten Profiteure der Coronapandemie beleuchtet. (jW)

Wir erleben eine Vielfachkrise von Ökologie, Ökonomie, des Gesundheitswesens und der demokratischen Strukturen. Es gibt viele Verlierer, Vorboten all dessen, was auf uns zukommt: In der BRD sind laut Bundesagentur für Arbeit mehr als 510.000 Personen zusätzlich erwerbslos geworden, insgesamt 3,7 Millionen Menschen haben keine Erwerbsarbeit.

Doch das sind nur die Probleme der Lohnabhängigen. Den Monopolen hingegen geht es blendend: »Die Pandemie legt Firmen der Alltagsökonomie lahm, den 30 Konzernen im Dax kann sie wenig anhaben«, berichtete das Handelsblatt am vergangenen Freitag.

Man reibt sich verwundert die Augen, wenn man sich die Bilanzen der Autokonzerne anschaut: weniger Absatz, aber höhere Gewinne und rasant steigende Aktienkurse. Volkswagen, Daimler und BMW, die »Big Three« der deutschen Autoindustrie, haben zusammen im vergangenen Jahr 2,4 Millionen weniger Autos produziert, aber trotzdem 16,6 Milliarden Gewinn erzielt. Die Aktionäre konnten sich über Dividenden in Höhe von 7,2 Milliarden Euro freuen. Damit das Geschäft aufging, wurden weltweit mehr als 20.000 Arbeiter vor die Tür gesetzt – eine Wette auf weiter steigende Profite, die nicht in jedem Fall aufgehen wird.

Die Absatzrückgänge sind keine neue Erscheinung und haben nur bedingt mit der Pandemie zu tun. Seit 2018 stagniert der Weltmarkt, in Europa und Amerika ist er rückläufig, in China wächst er langsamer als in der vorherigen Dekade. »Das Problem ist das Geschäftsmodell der Branche, das dafür ausgelegt ist, jährlich 70 Millionen Autos in den Weltmarkt zu drücken«, sagte der Betriebsratsvorsitzende des VW-Werkes in Kassel, Carsten Bätzold, dem Freitag am 5. März. Daraus ergibt sich bei stagnierendem Absatz die mörderische Konkurrenz der globalen Autokonzerne, die auf jeden einzelnen Arbeitsplatz projiziert wird und zur weiteren Konzentration führt.

Der Absatz auf dem chinesischen Markt ist die wesentliche Profitquelle. Der VW-Konzern verkauft inzwischen fast die Hälfte der Autos in der Volksrepublik, bei Daimler und BMW sieht es nicht viel anders aus. Die zweite Gewinnquelle sind sprudelnde Subventionen in Europa. Die Ankündigung zum Aufbau einer Batteriefertigung in verschiedenen europäischen Ländern verbinden die Konzerne mit der Erwartung großzügiger staatlicher Unterstützung analog zur Tesla-Fabrik in Grünheide, die mit mindestens einer Milliarde Euro subventioniert wird. Die EU-Kommission hat bereits drei Milliarden Euro für den Bau von Batteriefabriken zugesagt. Der Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos wird mit viel Geld vorangetrieben, etwa zehn Milliarden Euro werden vom Staat als Verkaufsprämien für Elektroautos ausgereicht – bis zu 10.000 Euro pro Fahrzeug. Bei den kleineren Zulieferbetrieben werden die Preise solange gedrückt, bis diese nicht mehr können. Aber selbst aus der Kurzarbeit wird noch Profit geschlagen. Etwa eine Milliarde Euro Lohnzuschüsse haben die drei Autokonzerne bekommen – und zahlen dennoch üppige Dividenden und erhöhen ihre Gewinnrücklagen.

Lesen Sie am Mittwoch Teil 4: Boom am Bau

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Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

In der Serie Unsere Armut – ihre Profite:

Coronapandemie führt zur größten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg. Millionen Beschäftigte in Deutschland müssen Lohneinbußen hinnehmen oder wurden arbeitslos. Gleichzeitig hat der Dax an der Frankfurter Börse ein neues Allzeithoch erreicht.

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