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Aus: Ausgabe vom 03.04.2021, Seite 5 / Inland
Serie »Unsere Armut – Ihre Profite«

Krankheit als Geschäft

Serie. Unsere Armut – ihre Profite. Teil 6 und Schluss: Fette Dividenden und magere Löhne – private Klinikkonzerne wie der Krankenhausbetreiber Helios verteilen um
Von Gudrun Giese
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Helios-Chef Stephan Sturm will die »Effizienz« des Konzerns steigern

In der größten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg schützt die Bundesregierung Konzerne. Für Lohnabhängige hat sie kaum etwas übrig. In der sechsteiligen jW-Serie werden schlaglichtartig die größten Profiteure der Coronapandemie beleuchtet. (jW)

Ginge es nach dem privaten Krankenhausbetreiber Helios, der zum Medizintechnik- und Gesundheitskonzern Fresenius gehört, hätten die Beschäftigten in der Tarifrunde »Verzicht üben« sollen. Nach fünf sogenannten Nullmonaten offerierte das Unternehmen ab Juni ein Lohnplus von gerade einmal einem Prozent. »Das bewerten die Beschäftigten eher als Provokation denn als ernsthaftes Angebot«, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführerin Sylvia Bühler in einer Pressemitteilung vom 26. Februar. Im Ergebnis bedeute diese Offerte angesichts der Inflationsrate sogar Reallohnverluste, so Bühler.

Am Mittwoch abend konnte die Gewerkschaft dann doch einen Erfolg verbuchen: Die rund 21.000 nichtärztlichen Beschäftigten der 34 Kliniken im Geltungsbereich des Helios-Konzerntarifvertrags sollen insgesamt 3,8 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von 24 Monaten sowie eine einmalige Corona­prämie in Höhe von 400 Euro erhalten. Zudem soll es einen sogenannten Coronaentlastungstag als »Würdigung der besonderen Situation während der Pandemie« geben. Auszubildende sollen eine Prämie in Höhe von 100 Euro bekommen, während sich die Ausbildungsentgelte schrittweise um insgesamt 70 Euro erhöhen sollen.

Mit dem Verhandlungsergebnis soll auch die vom Unternehmen gekündigte Regelung zur Pflegezulage von 100 bis 300 Euro im Monat wieder in Kraft gesetzt werden. Gefordert hatte Verdi eine Entgelterhöhung von 5,5 Prozent mit einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie 70 Euro mehr für Ausbildungsvergütungen und einen Extrafreizeitausgleich für die Beschäftigten. »Das ist ein ordentliches Ergebnis, das den kreativen Protestaktionen und Warnstreiks zu verdanken ist«, erklärte Bühler. In den kommenden vier Wochen sollen die Gewerkschaftsmitglieder bei Helios über die Annahme des Tarifergebnisses abstimmen.

Helios kann sich die Entgelterhöhung ohne weiteres leisten. 2020 strich der Konzern einen Gewinn von mehr als 600 Millionen Euro ein – vor Zinsen und Steuern. Zwar sank dieser im Vergleich zum Vorjahr leicht, doch das hält Helios nicht davon ab, den Aktionären zum 28. Mal in Folge eine erhöhte Dividendenausschüttung zuzusagen. Janine Balder, Gewerkschaftssekretärin im Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg, kritisierte in einer Pressemitteilung vom 23. März, dass die Beschäftigten einen Großteil dieses Geldes erwirtschaftet hätten, das den Aktionären zugute kommen soll.

2021 rechnet Helios erneut mit einem Plus in der Kasse. Doch das Geld soll dem Mutterkonzern Fresenius zufolge in einen umfassenden Umbau fließen. Konzernchef Stephan Sturm kündigte Ende Februar an, die »Effizienz« im Unternehmen steigern zu wollen. Geschäftsfelder zu digitalen Medizinangeboten, Kinderwunschkliniken, Heimdialyse für Nierenkranke sowie Nachahmerprodukten von Biotech-Arzneien sollen demnach ausgebaut werden.

Generell haben die privaten Klinikbetreiber weniger mit der Coronapandemie zu schaffen gehabt als Universitätskliniken und andere Krankenhausbetreiber in öffentlicher Hand. In Berlin etwa profitierten vorwiegend die Charité sowie der landeseigene ­Vivantes-Konzern durch die Versorgung schwer erkrankter Covid-19-Patienten. Private und kirchlich-karitative Klinikbetreiber kamen erst an dritter Stelle.

Gleichwohl gab es für Krankenhäuser einen fatalen Fehlanreiz, zusätzliche Intensivbetten zu schaffen, für die die Bundesregierung Zuschüsse zahlte. Belegt werden konnten die Betten dann allerdings nicht mit intensivpflichtigen Patienten – dafür fehlte das Personal, wie das ARD-Magazin »Plusminus« Anfang Dezember 2020 berichtete. Während im April des Jahres 22.000 Intensivbetten gemeldet worden waren, gab es im Sommer bereits 32.000. Die Krankenhäuser hätten für die neu geschaffenen, aber zum Teil nicht genutzten Betten 626 Millionen Euro bekommen. Gutes Geld, das besser für mehr Pflegepersonal eingesetzt worden wäre.

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In der Serie Unsere Armut – ihre Profite:

Coronapandemie führt zur größten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg. Millionen Beschäftigte in Deutschland müssen Lohneinbußen hinnehmen oder wurden arbeitslos. Gleichzeitig hat der Dax an der Frankfurter Börse ein neues Allzeithoch erreicht.

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