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Aus: Ausgabe vom 03.04.2021, Seite 4 / Inland
Kampf gegen Gentrifizierung

»Grüne Lunge« besetzt

Frankfurt am Main: Aktivisten sehen Freifläche mitten in Metropole von Luxusbebauung bedroht. Misstrauen gegen Bündnis90/Die Grünen
Von Gitta Düperthal
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Protestbanner in Frankfurt am Main (17.9.2020)

Junge Aktivisten von »Fridays for Future« und ehemalige Besetzer des Dannenröder und Hambacher Waldes halten seit Dienstag offiziell die »Grüne Lunge« in Frankfurt am Main besetzt. Bei ihrer Pressekonferenz präsentierten die Besetzerinnen und Besetzer erste Baumhäuser in Höhen von bis zu zehn Metern. Die »Grüne Lunge« sei nicht wegen einer anstehenden Räumung besetzt worden. Dass der Prozess bis zur Bebauung noch fünf Jahre dauern könne, beantworten die Aktivisten mit ihrer Perspektive, vor Ort bleiben zu wollen um ein alternatives Leben »fernab von neoliberalem Machtgefüge« zu führen, in einer Gemeinschaft, in der es keine Polizei brauche, weil man gegenseitig auf sich aufpasse.

Der einstigen Umweltpartei Bündnis 90/Die Grünen in Frankfurt am Main und in Hessen traue man beim Erhalt der 16 Hektar großen Grünanlage nicht mehr über den Weg. Der Wählerschaft war vor den Kommunalwahlen Mitte März noch versprochen worden, die Anlage zu erhalten. Doch bereits in zwei Fällen hätten Spitzenpolitiker in Hessen ihre Basis geflissentlich ignoriert, stellten die Besetzer fest: Beim Bau der Autobahn 49 auf dem Waldgebiet des »Danni« sowie bei den Rodungen für den Flughafenausbau im Treburer Wald.

Im Fall der »Grünen Lunge« lägen bei der Instone Real Estate AG bereits Pläne vor, um hier rund 1.500 Wohnungen im Luxuspreissegment hochzuziehen. Diese Wohnungen für Reiche bedeuteten jedoch Gentrifizierung, würden die Mieten für alle Stadtbewohner in die Höhe treiben und die ärmere Bevölkerung aus der Stadt verdrängen, so die Aktivisten. Bebauung müsse aber sozialverträglich und ökologisch nachhaltig erfolgen. Um Klimaziele einzuhalten, dürften weniger Böden in der Stadt versiegelt werden. Für den Winter sehen sich die Aktivistinnen vorbereitet: Hütten könnten in Absprache mit Pächtern von Kleingärten renoviert und mit Sonnenenergie beheizt werden.

Alexis Passadakis von der Kampagne »Grüne Lunge bleibt – Instone stoppen« gab zu verstehen: Sollte entschieden werden zu bauen, könne die Biodiversität in der »Grünen Lunge« innerhalb nur eines Jahres zerstört werden. Jedes noch so kleine Biotop sei für den Fortbestand der Menschheit wertvoller als die Profitinteressen einzelner Kapitaleigner, bemerkte Areeg Mulhi vom Bündnis »Stadtklima Wiesbaden«.

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