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Aus: Ausgabe vom 29.03.2021, Seite 12 / Thema
Arbeitswelt der Zukunft

Jeder schuftet für sich allein

Die Hölle der Flexibilisierung und des »Gig-Working«. Unternehmen planen die Zeit nach der Pandemie
Von Marcus Schwarzbach
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Eine Kippe auf Arbeit heißt normalerweise: Sich ein paar Minuten Auszeit vom Stress gönnen. »Gig-Worker«, die von zu Hause aus permanent Aufträge ergattern müssen, können sich das meist nicht leisten

Der Ausbruch der Coronapandemie erforderte in den Betrieben schnelle Entscheidungen. Fehlende Hygienepläne sorgten für Druck auf viele Beschäftigten, zu Hause zu arbeiten. Die Unternehmen werten diese Erfahrungen aus und planen die Arbeitswelt nach der Pandemie. »Die Coronakrise treibt den digitalen Wandel voran«, ist sich die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften sicher.¹

In der Praxis ist dies jedoch nicht so eindeutig, stellen Gewerkschafter fest. Wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe dagegen sprechen, sollen Unternehmen Homeoffice anbieten, gibt die Coronaarbeitsschutzverordnung vor. Die Realität sieht anders aus. Die IG Metall berichtet von Vorwänden, die manche Betriebe beim Homeoffice-Wunsch vorschieben. Einerseits wird die Arbeit zu Hause verboten. »Ob jemand bei uns von zu Hause arbeiten darf, kommt sehr auf den Vorgesetzten an. In der Praxis wird das oft umgangen. Mein direkter Vorgesetzter ist bei dem Thema Homeoffice sehr unbeweglich«, deshalb solle eher im Betrieb gearbeitet werden, berichtet ein Betroffener.²

»Alles wird digitaler«, stellt dagegen Wilhelm Bauer vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation fest. »Als Arbeits- und Innovationsforscher erlebe ich gerade eine sehr spannende Zeit«, vieles werde ausprobiert und zeige eine »Innovationsdynamik«. In manchen Werkshallen übt seit der Pandemie eine Technikneuheit Druck aus: »Es piept, wenn sich ein Kollege nähert«, wird die Technik »Secure Distance Vest« vom Hersteller »Linde Material Handling« beworben.³

Die sogenannten Wearables sollen dazu beitragen, dass Arbeiter »sich auf ihre Tätigkeit konzentrieren können, ohne ständig abschätzen zu müssen, ob sie den vorgeschriebenen Abstand einhalten«. Wird der Abstand von 1,50 Meter nicht eingehalten, macht das Gerät Lärm: »Akustisch, visuell und sensorisch« wird der Arbeiter gerügt, Verstöße können dokumentiert werden. Ideal für die Unternehmen, um die Verantwortung für den Gesundheitsschutz bei den Belegschaften abzuladen.

Gefährliche Tendenz

Digitalisierung sei jedoch nicht nur »Einsatz neuer Technologien. Erst in der Kombination mit einer modernen Aufbau- und Arbeitsorganisation«, so Bauer, »entfesseln neue Technologien ihre volle Leistungsstärke.« Der Wissenschaftler verdeutlicht, dass Veränderungen erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigten haben.⁴ Es werde kein »back to normal«, keine Rückkehr zur Normalität geben, ergänzt Jennifer Gunkel. Einen »Paradigmenwechsel« sieht die Professorin der Hochschule Fresenius in München, »der sich nun zügig fortsetzen wird – und jeden von uns betrifft«. »Activity-Based Flexible Office« sei jetzt angesagt, ein Arbeiten zu Hause, im Büro oder bei Kunden: »Das neue Arbeiten wird vor allem flexibel und ortsunabhängig.« In der Praxis spielen »Desksharing«-Konzepte eine große Rolle. Den Unternehmen geht es um Kostensenkung, deren Ausmaß bereits der Immobilienbranche Sorgen bereitet. In Stuttgart sei die Nachfrage nach Büroräumen im Jahresvergleich um 56 Prozent zurückgegangen, meldet der Immobilienspezialist Jones Lang LaSalle (JLL). Im Schnitt stürzte die Nachfrage gemessen an der Fläche demnach in den sieben größten Städten der Bundesrepublik um mehr als 30 Prozent ab. Ein Ende sei nicht absehbar.⁵

Bei Neubaukonzepten sollen Kosten gesenkt werden, so dass etwa bei 400 Beschäftigten statt für jeden jeweils ein Arbeitsplatz insgesamt nur 300 »flexible« Plätze eingerichtet werden. »Auf einen eigenen, fest zugeordneten Arbeitsplatz muss man verzichten«, erläutert ein Internetportal unter der Überschrift »Schreibtisch verzweifelt gesucht«. Vor Arbeitsbeginn im Betrieb oder online zu Hause suchen die Arbeitenden einen Platz: Sollte keiner mehr vorhanden sein, muss – oft per Laptop – im Homeoffice gearbeitet werden. Wichtig sei dabei eine »Clean Desk Policy«: »Damit das Konzept funktioniert, muss zudem jeder den Schreibtisch am Ende seiner Arbeitszeit wieder vollständig aufräumen und Arbeitsmittel sowie persönliche Gegenstände anderweitig verstauen.«⁶

»Die Zukunft wird einen Mix aus Büro und Homeoffice bringen«, berichtet das Internetportal haufe.de über eine Umfrage der Jobplattform Stepstone bei Unternehmensvertretern. In mehr als jedem vierten Unternehmen soll die Arbeit von zu Hause die Ausnahme bleiben. Aber fast genauso viele Betriebe wollen sich noch nicht festlegen, wo die Beschäftigten arbeiten. »Die Studienergebnisse deuten es an: Auf lange Sicht wird die Mehrzahl der Unternehmen auf hybride Arbeitsmodelle umstellen, die sowohl die Arbeit im Büro als auch im Homeoffice ermöglichen.«⁷

»Zu Beginn der Cornonapandemie wurde das Homeoffice als Ausnahmesituation deklariert«, viele Arbeitende begrüßten die Entwicklung, schildert Swen Schneider, Professor der Frankfurt University of Applied Sciences.⁸ Der Weg zur Arbeit oder Kontakte in überfüllten Bahnen mit Ansteckungsgefahr entfallen, das Homeschooling wird erleichtert. Unternehmensberater sprechen hier von »Quick win«⁹: Es stehen gravierende Veränderungen an, erste Kleinigkeiten werden zum Vorteil der Beschäftigten geändert, können also als »schnelle Erfolge« durchgehen. Negative Aspekte und langfristige Nachteile werden dabei leicht übersehen. So werde selbst ein »Arbeitsplatz am Küchentisch« ohne entsprechende ergonomische Bedingungen akzeptiert, zusätzliche Kosten ignoriert. »Finanzielle Regelungen wie die Übernahme von Stromkosten durch den Arbeitgeber oder die Bereitstellung der digitalen Infrastruktur (Bildschirme, Drucker, Scanner, Internet etc.)« bleiben meist aus, so Schneider.

Neue Formen der Kontrolle

Die »Arbeitszeit als Steuerungsinstrument« verliere an Bedeutung, da der Vorgesetzte nicht direkt am Arbeitsplatz prüfen kann, was der Angestellte bereits erledigt hat. »Eine Kamera, die in den privaten Raum schaut und die Arbeitsumgebung observiert, kann hierbei keine allgemeine Lösung sein«, kommentiert Swen Schneider. Nicht jeder Betrieb arbeitet mit solchen schikanösen Methoden, von denen die IG Metall berichtet: »Für jeden Tag im Homeoffice müsse ein Rapportzettel ausgefüllt und an den Vorgesetzten geschickt werden«, schildert ein Angestellter.¹⁰ Bei Kundenberatern ist die akribische Überwachung einzelner Arbeitsschritte auch ohne Kontrollzettel oder Zugriff per Kamera aufs Homeoffice möglich. Dabei findet häufig ein Customer-Relationship-Management (CRM) statt. CRM bezeichnet die systematische Gestaltung von »Kundenbeziehungsprozessen«, deren Bearbeitung durch Sachbearbeiter erfolgt.

Die Vernetzung der IT-Systeme ermöglicht den Unternehmen eine dauernde Überwachung der Arbeitsleistung und des Verhaltens der Beschäftigten, unabhängig vom Arbeitsort. Die dazugehörende Dokumentation und Verwaltung von Daten der Kunden und der Arbeitenden mit Hilfe moderner Technik ist von besonderer Bedeutung. Voraussetzung ist in der Regel ein ­Data-Warehouse. In diesem »Datenlager« werden Informationen aus unterschiedlichen Quellen in einem einheitlichen Format zusammengefasst. Unter »Data-Mining« versteht man die Anwendung von Methoden und Algorithmen zur möglichst automatischen Auswertung dieser Daten, auf die der Vorgesetzte zugreifen kann. Es wird ausgewertet, wie lange ein Gespräch mit einem Kunden oder die Bearbeitung eines Antrages gedauert hat. Die Steuerung besteht letztendlich aus Vorgaben von oben, deren Einhaltung mit Technikunterstützung kontrolliert wird. So existieren Formen der Arbeitsorganisation, die stark auf Fremdsteuerung setzen, Planung und Ausführung strikt trennen, die Arbeitsschritte noch stärker zergliedern als ohnehin schon und den Beschäftigten nur wenig Entscheidungsspielraum belassen.

Viele hochqualifizierte Angestellte können aber nicht mehr durch diese CRM-Systeme gesteuert werden. Mehr und mehr nutzen Unternehmen deshalb Arbeitspakete, »um die Menschen im Homeoffice zu lenken und zu überwachen«. Die Steuerung der Arbeit haben Unternehmen in Coronazeiten für zu Hause Arbeitende verändert. Dabei merke das Management schnell, dass es »nicht zwangsläufig festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter braucht. Die Arbeiten können auch von Freien ausgeführt werden«, so Schneider.¹¹ Diese Art des Arbeitens fordere von jedem Beschäftigten, »sich stärker selbst zu organisieren: Er muss wissen, wieviel Arbeit er in welcher Zeit schafft«, so die Münchener Professorin Jennifer Gunkel.¹² Da dies auch unter Coronabedingungen am Arbeitsplatz zu Hause für viele Beschäftigte nicht einfach ist, stehen die Vorgesetzten vor einer Herausforderung.

Druckmittel der Vorgesetzten

Deshalb wird das Prinzip der »indirekten Steuerung« zusehends bedeutsam. Für diesen Ansatz gelten besonders die IT-Branche, die Werbeindustrie und die Medienbranche als Paradebeispiele. Aber Elemente dieses Steuerungskonzeptes sind auch in anderen Branchen zu erkennen – die Entwicklung in diese Richtung verstärkt sich gerade in Coronazeiten. Indirekte Steuerung erfolgt, indem sich Gruppen von Beschäftigten oder einzelne Arbeitende in eigener Verantwortung innerhalb der Vorgaben direkt dem Kunden gegenüber am Markt orientieren müssen. Das Arbeitsverhältnis wird zum Verhältnis »Dienstleister gegenüber Kunde«, um so aus dem Angestellten einen »Unternehmer im Unternehmen« zu machen.

»Management by Objectives« (MBO) feiere deshalb ein Comeback, so Swen Schneider. Dabei werden meist keine Ziele »vereinbart«, sondern letztlich durch die Führungskraft einfach vorgegeben. Eben »Arbeitspakete«, bei denen nicht »der Weg« das Entscheidende ist, also in welcher Art und Weise diese bearbeitet werden. Vielmehr entscheidet der Beschäftigte eigenständig, wie er das Ziel erreichen kann. Dieses beteiligungsorientierte Konzept ist jedoch problematisch, wenn die Ziele zu hoch angesetzt werden, was häufig der Fall ist. Statt direkte Anweisungen oder Hilfestellungen zu erhalten, wie eine Arbeit auszuführen ist, müssen die Beschäftigten ihre Arbeitsabläufe dann selbst organisieren.

Die Leistungsdynamik eines Selbständigen soll so für das Arbeitsverhältnis genutzt werden. Der Beschäftigte nimmt es zunächst als Befreiung vom bisherigen Prinzip »Befehl und Gehorsam« wahr, da er eigenverantwortlich Entscheidungen treffen kann. Können die Ziele jedoch nicht erreicht werden, gibt es Druck. Es drohen der Entzug von Finanzmitteln, Versetzungen auf schlechter bezahlte Stellen, Verlagerung von Aufgaben an andere Standorte oder sogar Entlassungen. »Die einzelnen werden nicht mehr an ihrer Leistung, d. h. dem tatsächlich erbrachten Aufwand gemessen, sondern an ihrem Beitrag zum unternehmerischen, zum geschäftlichen Erfolg«, betont der Philosoph Klaus Peters.¹³ Der Druck sorge für einen »doppelten Blick auf die eigene Arbeit: Neben die fachliche Seite tritt die unternehmerische, d. h. die geschäftliche Seite.« Die Beschäftigten vernachlässigen dabei oft die eigene Gesundheit, Pausen oder Höchstarbeitszeiten werden deshalb im Homeoffice oft nicht eingehalten. Die »Angst vorm Misserfolg« belastet die Betroffenen immer stärker.

Die Methoden der Unternehmen sind keineswegs besonders neu. So werden etwa die Zielvorgaben für Projekte nach und nach erhöht oder finanzielle Ressourcen immer knapper kalkuliert. »Arbeitsverhältnisse werden heute oft so gestaltet, dass die Ziele häufig unrealistisch, jedenfalls sehr hoch sind. Das wird bewusst eingesetzt, um den Hunger nach Erfolg ständig wachzuhalten«, so Peters. Ein engmaschiges, zeitaufwendiges Controllingsystem hinsichtlich der Erledigung der »Arbeitspakete« verschärft den Stress.

Der besondere Charakter dieses Managementkonzeptes besteht darin, die Beschäftigten im Home­office eigenverantwortlich nach ökonomischen Prinzipien arbeiten zu lassen. Aufgaben, Aufträge und Ausstattung werden vom einzelnen Beschäftigten fast nur noch nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip betrachtet.

Vom Homeoffice zur »Gig-Economy«

Die Folgen sind weitreichend. Sind über MBO »solche abgegrenzten Arbeitspakete erst einmal dokumentiert und nachvollziehbar, sind diese nicht mehr so fest an die Arbeitnehmer gebunden und können je nach Bedarf an freie Mitarbeiter vergeben werden«, analysiert Swen Schneider. Der Schritt zur »typischen Ausprägung der Gig-Economy« sei dann nicht mehr weit. Formen der Plattformökonomie, etwa die virtuelle Arbeitsteilung per »Gig-Work«, werden innerbetrieblich vorangetrieben. Diese Entwicklung begann schon vor der Pandemie. Unternehmen bieten kleine, zeitlich befristete Aufträge, sogenannte Gigs, an, die digital für einen Arbeitskräftepool ausgeschrieben werden. Der Begriff »Gig« ist eher aus der Musikbranche bekannt und beschreibt den bezahlten Auftritt einer Band. Der Begriff »Arbeitspakete« zeigt, in welche Richtung Unternehmen planen. Im Internetzeitalter wird dieser Begriff weitgehender genutzt, der Essenlieferant »Lieferando« ist ein Beispiel.

Allein in der Bundesrepublik gibt es inzwischen Hunderttausende von »Gig-Workern«. Bei vielen Plattformen haben die Klick-Jobber noch nicht einmal ein Recht darauf, für getane Arbeit bezahlt zu werden. Theoretisch kann jede Firma in der ganzen Welt auf den Internetseiten ihre Aufträge einstellen, jeder Mensch mit Internetanschluss kann diese Aufgaben übernehmen. Auch deutsche Firmen geben Aufträge an Amazons Crowdworking-Website. Bereits 2013 hat etwa das deutsche Energieunternehmen EnBW einen Teil der handschriftlichen Zählerablesungen seiner Kunden digitalisieren lassen, da die Handschrift für den Computer oft schlecht zu lesen war. Was wie eine leichte Möglichkeit zum Nebenjob klingt, ist ein radikaler Arbeitsplatzabbau im stillen. Denn zu den »Gigs« können das Erstellen von einfachen Werbetexten oder Bildern, aber auch hochqualifizierte Aufgaben wie Design oder Programmierung zählen.

Die flächendeckenden Erfahrungen mit Home­office in Pandemiezeiten führen in Unternehmen zu Überlegungen, ein »Führen auf Distanz« in anderer Form anzugehen. »Gig-Work« »lässt einen größeren Freiraum und Selbstbestimmung zu, als in vielen klassischen Jobs. Gerade für junge Leute ist die Gig-Economy eine gute Gelegenheit, verschiedene Arbeiten auszutesten und sich für die Zukunft gleichzeitig ein Netzwerk aufzubauen«, heißt es etwa auf der Website www.unternehmer.de und verschleiert damit die Vorteile aus Unternehmenssicht.¹⁴ Denn bei »Gig-Working« fällt der »Arbeitnehmerstatus« weg, der Betrieb muss keine Fristen nach Kündigungsschutzgesetz einhalten. Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Urlaubsanspruch entfallen. Internetplattformen wie »Clickworker« sind die Vorboten einer neuen Arbeitsorganisation. Bei den Internetmarktplätzen für Arbeit ist die Macht klar auf seiten der Auftraggeber. Bezahlt wird oft nur, wer zuerst eine Lösung einreicht, die den Anforderungen des Auftraggebers entspricht. Bereits 2017 erarbeiteten Konzernvertreter ein Positionspapier für »flexibleres Arbeiten«. Die »Flexibilität moderner Arbeitsformen« müsse genutzt werden, »Gig-Worker« sollen »keineswegs nur für einfache Mikroaufgaben, sondern auch für anspruchsvollere Problemlösungen genutzt werden«, formulieren Vertreter von BMW, Bayer, Münchener Rück und Telekom.¹⁵ Die aktuellen Erfahrungen der Arbeitsorganisation in Coronazeiten können von Unternehmern genutzt werden, um die Struktur des Arbeitsvertrages hin zu »Gig-Working« zu verändern.

Swen Schneider prophezeit einen »Verlust langfristiger Arbeitsverhältnisse«. Denn nach dieser Logik können Manager die Frage stellen, warum Beschäftigte im Homeoffice, die gar keine Arbeitsstätte im Betrieb mehr haben und denen auch keine Arbeitsmittel gestellt werden, nicht gleich als Selbständige eingesetzt werden. »Die Ausweitung des Homeoffice als Arbeitsmodell in und nach der Coronakrise beschleunigt den Wandel zur Gig-Economy.« Die Konzerne scheinen in der Pandemie ihre Chance zu sehen, Arbeiterrechte abzubauen.

Anmerkungen

1 www.acatech.de/allgemein/zukunftsfaehig-mit-ki-plattform-lernende-systeme-bezieht-position

2 »Jeden Tag zum Rapport«, 1.3.2021, www.igmetall.de/im-betrieb/homeoffice-verweigert

3 www.haufe.de/personal/hr-management/infektionsschutz-software-und-tools-fuer-mehr-sicherheit_80_525050.html

4 »Vier Wissenschaftler erklären, wie die Arbeitswelt nach Corona aussehen wird«, Handelsblatt, 3.1.2021

5 »Nachfrage nach Büroraum eingebrochen«, Die Zeit, 22.3.2021

6 www.arbeitsrecht-weltweit.de

7 www.haufe.de/personal/hr-management/studie-zu-arbeitsmodellen-nach-der-coronapandemie_80_538918.html

8 www.haufe.de/personal/hr-management/homeoffice-beschleunigt-wandel-zur-gig-economy_80_530822.html

9 Diesen Begriff prägte Klaus Doppler, seit Jahrzehnten Experte für »Changemanagement« und Autor von »Change: Wie Wandel gelingt«.

10 »Jeden Tag zum Rapport«, 1.3.2021, www.igmetall.de/im-betrieb/homeoffice-verweigert

11 www.ergo-online.de/news/homeoffice-falle

12 »Vier Wissenschaftler erklären, wie die Arbeitswelt nach Corona aussehen wird«, Handelsblatt, 3.1.2021

13 Die Zitate stammen aus dem Praxishandbuch »Mobile Arbeit gesund gestalten«; dieses beinhaltet Forschungsergebnisse des Projekts »Prentimo« (Präventionsorientierte Gestaltung mobiler Arbeit), das sich mit diesem Thema beschäftigt hat, koordiniert durch die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Veröffentlicht unter www.prentimo.de/assets/Uploads/prentimo-Broschuere-Screen.pdf

14 unternehmer.de/lexikon/finanz-lexikon/gig-working

15 Acatech, »Arbeit in der digitalen Transformation – Agilität, lebenslanges Lernen und Betriebspartner im Wandel«, www.acatech.de/publikation/arbeit-in-der-digitalen-transformation

Marcus Schwarzbach ist Berater für Betriebsräte. Er schrieb an dieser Stelle zuletzt am 31. Mai 2019 über Probleme des Homeoffice.

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (30. März 2021 um 03:08 Uhr)
    Wie Sie andeuten, begann dieser Trend bereits vor Jahrzehnten: Anfang der 1990er Jahre arbeitete ich jahrelang als »freier freier Mitarbeiter« für eine Berliner Radiostation. Das ist kein Scherz: Es gab auch »feste freie Mitarbeiter«. Was kaum nachzuvollziehen ist, wenn die Frage gestellt wird, warum mit freien Mitarbeitern gearbeitet wurde, aber noch eine Schar von Leuten unter dieser freien Anstellung beschäftigt waren.

    Über die damaligen Einkünfte kann ich nicht klagen, doch sie endeten mit einer einmaligen Entscheidung: Die freien Freien des ORB wurden beinahe alle entlassen, als SFB und ORB fusionierten. In dieser Weise erwarte ich seit Jahren den konsequenten Umbruch der lohnabhängigen Arbeit, da durch technologische Fortschritte immer öfter der Verzicht auf die Beschäftigung der Menschen angedroht werden kann, um Gehälter und Löhne zu drücken. – Mit diesem Hintergedanken lässt sich auch die Arbeit im Homeoffice dequalifizieren.

    Falls es sich ausschließlich um die Profitmaximierung handelt. Selbstverständlich geht es auch ohne unseriöse und beleidigende und erniedrigende Arbeitsverhältnisse. Ich schlage vor, dass andere, positive Entwicklungen endlich zum Thema werden. Ausschließlich auf marktwirtschaftliche Tendenzen zu orientieren, ist eine Fehlentscheidung, die zur fortschreitenden Verarmung und Verelendung vieler Völker führen wird. Ein schillerndes Beispiel dafür sind die Lebensverhältnisse zum Beispiel in New York: Immer mehr Menschen sind zwar abhängig beschäftigt, aber müssen die Angebote der Suppenküchen in Anspruch nehmen, um ihre Mieten noch zahlen zu können. Im gesamten US-Gefüge sind davon inzwischen Dutzende Millionen Menschen betroffen. Die Rede ist von 70 bis 80 Millionen Menschen und ihren Familien in den USA. In Kanada läuft eine vergleichbare Entwicklung ab, auch in anderen Staaten – zum Beispiel in Großbritannien, Polen, auch in der BR Deutschland – erleben wir diesen Negativtrend.

    Ob das Stillhalten noch lange anhält? Geben wir die Frage weiter: wohl nicht mehr lange.

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