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Aus: Ausgabe vom 26.03.2021, Seite 5 / Inland
Hauptversammlung

Ferienmacher TUI

Buchungseinbruch: Weltgrößter Touristikkonzern will trotz Pandemie Reisesaison starten – Einreiseregeln werden strikter
Von Bernd Müller
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Sollen sich nach dem Willen des Konzerns wieder in die weite Ferne begeben: Touristen (Hannover, 25.3.2021)

Der Einbruch der Buchungszahlen war für den weltgrößten Reisekonzern TUI im zurückliegenden Jahr dramatisch. »In den inzwischen zwölf Monaten der Krise konnten wir nur etwa 2,5 Millionen Kunden in den Urlaub bringen und damit nur etwa zehn Prozent eines normalen Jahres«, sagte Vorstandschef Fritz Joussen am Donnerstag in der Onlinehauptversammlung.

Der Blick auf die anstehende Sommersaison stimme jedoch zuversichtlich. »Der Markt ist da, die Kunden wollen reisen«, sagte er weiter. Die Politik müsse nun die Bedingungen für sicheres Reisen schaffen – Impfungen und Tests. Insbesondere in Deutschland und Großbritannien spekuliert das Unternehmen auf einen erheblichen »Nachholbedarf der Urlauber«. Auf allen Vertriebskanälen zeige sich das zunehmende Interesse an Urlauben in der Sommersaison, teilte das Unternehmen mit. Die Kundennachfrage sei gegeben, die Menschen wollten reisen.

Für den Sommer rechnet der Konzern mit mindestens 2,8 Millionen Reisenden. So viele hätten bis dato gebucht. Das sind bislang aber immer noch rund 60 Prozent weniger als vor der Krise. Die Planungen des Unternehmens gehen von deutlich mehr aus. Für die Hauptreisemonate ab Juli dieses Jahres habe man die Gesamtkapazität auf 75 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 festgelegt. Die Prognosen stehen aber unter dem Vorhalt, welche Fortschritte bei der Bekämpfung der Pandemie gemacht werden.

TUI hatte sich bislang durch Bundeshilfen über Wasser halten können. Als erstes deutsches Großunternehmen hatte es im Frühjahr 2020 ein Darlehen über 1,8 Milliarden Euro von der staatlichen Förderbank KfW erhalten. Ende September kamen weitere 1,2 Milliarden Euro hinzu in Form einer zweiten Kreditlinie sowie einer Anleihe. Anfang Dezember hatte der Bund eine dritte Finanzspritze von 1,8 Milliarden Euro zugesagt, die zusammen mit Banken und privaten Investoren aufgebracht werden sollte.

Ein Lichtblick für das Geschäft stellen die kritisierten Reisen auf die Balearen über die Osterfeiertage dar. Marek Andryszak, Geschäftsführer von TUI Deutschland, bemühte sich zuletzt, gute Stimmung zu verbreiten: Die hohen Gesundheitsstandards und schlüssigen Hygienekonzepte auf der Insel sprächen für Ferien auf Mallorca, hatte Andryszak am Montag gegenüber Bild gesagt.

Zudem hätten mehrere Studien gezeigt, dass sich Gäste verantwortungsvoll im Urlaub verhalten und keine höheren Inzidenzen produzieren. Keiner wolle riskieren, »dass die Strände und Hotels wieder geschlossen werden müssen, deshalb ja auch die PCR-Tests zur Einreise nach Spanien«, sagte er weiter. Zudem seien von den 1.000 Hotels, die im Hochsommer geöffnet seien, nicht einmal zehn Prozent zu Ostern verfügbar. Es werde keine Partys geben, kein Freibier – und Menschen aus der BRD werden unter sich sein, da Briten und viele andere Europäer nicht auf die Balearen fliegen dürften.

Mit einem großen Ansturm auf Mallorca wird allerdings nicht gerechnet. Die FAZ hatte am Dienstag berichtet, die Daten des Reisemarktforschers TDA zeigten wöchentliche Buchungseingänge bis in den März hinein von lediglich zehn bis 20 Prozent des Vorkrisenniveaus. Nachdem der Status der Insel als Risikogebiet aufgehoben worden sei, seien die Buchungen zwar auf 43 Prozent der Vorjahreswoche hochgeschnellt. Allerdings entfielen gut zwei Drittel der Buchungen auf Termine im Sommer oder Herbst.

Der Konzern hat dennoch sein touristisches Angebot kurzfristig erhöhen müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Entgegen dem Ursprungsplan hat die konzerneigene Gesellschaft »TUI fly« das Angebot der Flüge kurzerhand verdoppelt. Der Konzern hatte auch mitgeteilt, dass sechs weitere TUI-Häuser und Partnerhotels kurzfristig verfügbar seien.

Inzwischen nehmen die Pläne der Bundesregierung für striktere Einreiseregelungen Gestalt an. Das Bundesgesundheitsministerium plant eine Testpflicht, die bereits ab Freitag gelten soll. Urlauber müssen vor ihrem Flug in die Heimat ein negatives Testergebnis vorlegen. Wer dies nicht kann, darf demnach nicht befördert werden. Diese Regelung soll zunächst bis zum 12. Mai gelten.

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