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Aus: Ausgabe vom 25.03.2021, Seite 15 / Medien
Medienmarkt und Pandemie

Krisengewinner DPG Media

Mehr Onlineabos, mehr Gewinn: Für den flämischen Großverlag der Familie Van Thillo war 2020 ein gutes Geschäftsjahr
Von Gerrit Hoekman
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DPG-Media-Chef Christian Van Thillo bei einem Studiobesuch in Antwerpen 2020

Für den flämischen Zeitungsverlag DPG Media (De Persgroep) war 2020 ein ausgezeichnetes Geschäftsjahr. In der Pandemie konnte er Umsatz und Gewinn deutlich steigern. »Die digitale Reichweite der Nachrichtenmedien wuchs im vergangenen Jahr aufgrund des Nachrichtenhungers im Zusammenhang mit der Covidpandemie und den US-Wahlen«, erklärte DPG am vergangenen Donnerstag auf ihrer Internetseite.

Der Medienkonzern der Verlegerfamilie Van Thillo aus Antwerpen erzielte 2020 nach Steuern einen Gewinn von 178 Millionen Euro – 39 Prozent mehr als vor Corona. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf rund 1,77 Milliarden Euro. »Insbesondere dank einer Zunahme der Anzahl digitaler Abonnements«, so DPG Media. »Dieser in den letzten Jahren einsetzende Trend setzte sich auch 2020 fort. DPG Media wuchs 2020 mit seinen Nachrichtenmedien und Magazinen auf 3,6 Millionen Abonnenten (plus zwei Prozent).«

Dabei begann das Jahr schlecht. Als der erste Lockdown in Kraft trat, sagten zahlreiche Kunden ihre Werbekam­pagnen ab. Am Ende des Jahres stand bei den Werbeeinnahmen ein Minus von 13 Prozent, was unter dem Strich immer noch Einnahmen von 471 Millionen Euro bedeutete. »Die hervorragenden Ergebnisse auf den Lesermärkten und unseren Onlinediensten haben dies jedoch mehr als ausgeglichen«, stellt DPG zufrieden fest. Der Umsatz auf dem Lesermarkt belief sich auf 830 Millionen Euro. Es habe offenbar ein großer Bedarf an »qualitativen Informationen, Inspiration und dringend benötigter Entspannung bestanden«. In den kommenden Jahren werde DPG weiter kräftig in den digitalen Werbemarkt investieren.

Zuschuss zurückgezahlt

Der Verlag beantragte Anfang 2020 bei der belgischen Regierung einen staatlichen Zuschuss für seine kostenlosen Haus-zu-Haus-Zeitungen, die ausschließlich von Reklame leben. Ende 2020 teilte DPG dem Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft mit, dass sie die Unterstützung zurückzahlen werde. »Wir befürchteten ein sehr schwieriges Jahr, aber es stellte sich ganz anders heraus. Die gesamte Bevölkerung ist während dieser ersten Krise online gegangen, um Informationen zu erhalten, zu kommunizieren, einzukaufen und zu arbeiten«, sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Van Thillo auf der Homepage des Konzerns.

De Persgroep besitzt insgesamt gut 80 Medienmarken im Bereich Presse, Radio, Fernsehen und Internet, die täglich um die 15 Millionen Leser, Hörer und Zuschauer erreichen. Darunter befinden sich 16 nationale und regionale Tageszeitungen in Flandern, Dänemark und vor allem in den Niederlanden, wo bekannte Titel wie Trouw, Het Parool, De Volkskrant und das Algemeen Dagblad (AD) zum Imperium gehören. Außerdem diverse Regionalblätter. Die flämischen Verlagshäuser DPG und Mediahuis dominieren inzwischen fast den gesamten niederländischen Pressemarkt.

So stieg in den Niederlanden die Anzahl der Besucher im Internet um ein Viertel auf zehn Millionen täglich, was vor allem an der Onlineausgabe des AD liegt und an der Nachrichtenseite NU. Sie war das Sahnestückchen, das sich De Persgroep im April 2020 einverleibte, als sie für 460 Millionen Euro Sanoma Media Netherlands kaufte. Das Geschäft war bereits Ende 2019 abgeschlossen worden, trat aber erst im April in Kraft.

In Belgien war der Zuwachs mit 30 Prozent sogar noch höher. Die Reichweite von 2,8 Millionen ist allerdings deutlich geringer. Dort besitzt der Verlag zwar noch die Tageszeitungen De Morgen und Het Laatste ­Nieuws (HLN) sowie den größten privaten Sender VTM, aber den mit Abstand meisten Umsatz macht DPG mittlerweile in den Niederlanden. 2014 kauften die Flamen die älteste, noch existierende dänische Tageszeitung Berlingske. 2020 besuchten 1,4 Millionen Menschen die Onlineausgabe. Sie war damit erstmals Marktführer in Dänemark.

Online-Dienstleister

Als besonders wertvoll erwiesen sich die zahlreichen Vergleichsseiten, die De Persgroep im Internet unterhält. »Independer«, die nach der günstigsten Krankenversicherung sucht, konnte den Umsatz um 13 Prozent auf 71 Millionen Euro steigern. »Tweakers« hilft Konsumenten beim Kauf von Elektronik, was sich während der Pandemie für DPG in barer Münze auszahlte. »Während der Covidpandemie mussten viele Haushalte auf dem Dachboden und in den Schlafzimmern Heimbüros einrichten«, heißt es auf der DPG-Homepage. Insgesamt waren die Serviceseiten für einen Umsatz von 130 Millionen Euro gut.

Im November 2020 sorgte eine »Transformationshilfe« der flämischen Regierung in Höhe von 996.000 Euro an DPG Media in der Öffentlichkeit und bei der Opposition für Unverständnis. Die Hilfe soll Schulungen und Investitionen für Werktätige in Unternehmen finanziell unterstützen, die sich im Bereich Innovation, Nachhaltigkeit oder Internationalisierung grundlegend verändern, erklärt De Standaard das Konzept. Das soll Arbeitslosigkeit verhindern. 2019 erhielten 51 Firmen insgesamt 32,5 Millionen Euro.

Niemand kann ernsthaft etwas dagegen haben, wenn die kleine Käserei ’t Groendal aus Roeselare Geld aus dem Fonds bekommt. Wenn aber ein Großkonzern wie DPG Media kassieren darf, ist mindestens Kopfschütteln abgebracht. Immerhin könnte Christian Van Thillo die eine Million locker aus der privaten Portokasse bezahlen. Vrij Nederland schätzte sein Vermögen 2019 auf 1,6 Milliarden Euro.

Nebenbei: Der nicht weniger reiche flämische Konkurrent Mediahuis erhielt 2017 ebenfalls rund 900.000 Euro. Die zuständige Ministerin Hilde Crevits fand das völlig in Ordnung. »Zusätzlich zu den Millionen von der Regierung investiert DPG Media selbst fast zehn Millionen in diese Transformation und die Ausbildung«, wurde sie von De Standaard zitiert.

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