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Aus: Ausgabe vom 25.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Spamschleuder des Tages: Deutsche Post

Von Sebastian Carlens
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Auch schon hochtechnisiert: Briefverteilzentrum der Deutschen Post in Ottendorf-Ockrilla nahe Dresden

Deutschland, Land der Verordnungen und Gesetze – es gibt nichts (außer Pandemiebekämpfung), was nicht geregelt ist. Bisher müssen Briefträger an jedem Werktag Post austragen, zudem müssen sie dabei mindestens 80 Prozent der Briefe zustellen, die am Vortag eingeworfen worden sind. Näheres regelt das Postgesetz. Es stammt aus einer Zeit, als die Post ein Monopol auf Nachrichtenübermittlung hatte, denn E-Mail und Messenger waren noch nicht erfunden. Heute aber würde sie nur allzu gerne von der täglichen Zustellpflicht Abstand nehmen. Überflüssig zu betonen, dass eine Menge Dienstleistungen, beispielsweise die Zustellung von Tageszeitungen in vielen Gebieten der BRD, damit ebenfalls über den Jordan gingen.

Zumindest aber nutzen die Strategen im gelben Konzern jede Gelegenheit, die Zustellpflicht auszuhebeln – deshalb werden fleißig Alternativen zum guten alten Postboten ersonnen. Die neueste: Briefe einscannen und per E-Mail verschicken – einen Tag, bevor die Post im Kasten landet. Eine Kooperation zwischen den E-Mail-Anbietern GMX und Web.de (beide United Internet) und der Deutschen Post AG macht es möglich.

Doch die Idee krankt: Private Post ist schon einmal ausgeschlossen. Die krakeligen Briefe von Opa Otto (Arthritis in den Fingern und ein fataler Hang zu Sütterlin) werden nicht gescannt, private Schreiben generell nicht – in Frage kommen nur Geschäftsbriefe. Diese sollen allerdings rund 60 Prozent des gesamten Briefvolumens ausmachen, weiß die Welt – ein Gutteil davon ist analoger Spam, der nun automatisch in digitalen verwandelt wird.

Ansonsten macht die Umstellung der Post keine Mühe, denn »tatsächlich werden beim Sortierprozess im Briefzentrum der Post sowieso alle eingehenden Briefe automatisch abfotografiert und maschinell erfasst«, so die Welt. Wer also wissen will, ob die klassische Post wenigstens sicherer war als die neue digitale, der weiß es nun.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Roland Winkler, Aue: Immer teurer, immer schlechter Als im Osten noch Planwirtschaft herrschte, brachte der Postbote meine Tageszeitungen, auch das ND von Berlin, zuverlässig, täglich, pünktlich, komplett mit Brief und Karten. Nahezu wöchentliche Ausfä...

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