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Aus: Ausgabe vom 25.03.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
200. Jahrestag

TV-»Revolutionsexperte« Macron

Entertainer darf französischem Präsidenten Stichworte liefern
Von Hansgeorg Hermann, Chania
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Französische Präsidenten gehören eher selten zu seinen Gästen: Der griechische Entertainer Nikos Aliagas (Cannes, 25.6.2020)

In seiner zweiten Heimat, in Griechenland, ist Nikolaos Aliagas ein wirklich prominenter, ja, berühmter Mann. In Frankreich, vielmehr in Paris, wo er aufwuchs, lebt und arbeitet, gehört der TV-Entertainer zu den eher belächelten Vertretern des seichten Showbiz. Als Vorturner in den Sendungen »Star Academy« und »The Voice« lässt er vor allem Menschen zu Wort und Gesang kommen, die an ihr Talent als Künstler glauben oder einfach sonst nichts zu tun haben.

Das änderte sich am Mittwoch abend. Da hatte er den Staatspräsidenten Emmanuel Macron oder der ihn zu Gast. Und es ging, laut Vorabpressemitteilung, um »die Revolution«. Die Französische im allgemeinen und die griechische im besonderen. Ein Kulturgespräch unter Männern, die sich sympathisch finden, auf den Staatskanälen FR 5 in Paris und ERT in Athen zur besten Sendezeit.

Was die aktuell herausragenden Vertreter des europäischen Neoliberalismus, nämlich Macron und den griechischen Ministerpräsidenten ­Kyriakos Mitsotakis, kulturell am meisten verbindet, ist nämlich genau dies: auf der westlichen Hälfte des Kontinents der Sturz des französischen Adels samt Enthauptung königlicher Körper, an seinem südöstlichen Rand das gewaltsame »dégagement«, das Entfernen muslimischer Okkupation. Was in der historischen Wirklichkeit folgte, war in beiden Fällen die Herrschaft des Kapitals und, besonders aktuell, der befreiende Einsatz uniformierter Spezialeinheiten gegen revoltierende junge Menschen. Auf der einen Seite CRS, auf der anderen MAT genannt, die sich, was Arbeitskleidung und Bewaffnung anbetrifft, gleichen wie ein Korb voller Eier dem anderen.

Dem kulturbeflissenen Staatschef Macron dürfte vor allem gefallen haben, was sein Freund Mitsotakis sich für die Feierlichkeiten an diesem Donnerstag liefern ließ: eine Megaausstellung zum Thema »Die griechische Revolution von 1821 als zentrales Kapitel der griechischen Geschichte und als ein Stück im Puzzle der Weltgeschichte«. Mehr als 1.200 Objekte stellt das Museum Benakis in Athen aus, darunter Monumentalgemälde der romantischen Maler Eugène Delacroix und Peter von Hess (»Einzug König Ottos in Nauplia«) sowie – alles segnend, was die Revolution hergab – die verschiedenen Darstellungen des Bischofs Germanos III. von Patras bei der Fahnenweihe.

Auch der Gegenwart wird gedacht und erinnert: »Griechenland heute, 200 Jahre nach der Unabhängigkeit: Ziel dieses Pfeilers ist es, die dynamischen Komponenten der heutigen griechischen Gesellschaft durch die Kreativität und Beteiligung von Stiftungen, Universitäten, lokalen Leitungsgremien, Forschungsinstituten, Kulturinstituten sowie Einzelpersonen herauszustellen.« Die europäischen Freunde, die das Land und seine Kultur in den vergangenen zehn Jahren mit ihrer Kürzungspolitik an den Rand des Abgrunds führten, beteiligten sich nicht an der Finanzierung der gewaltigen revolutionären Sause. Das taten Institute, die am meisten von dieser Politik profitierten: die Griechische Nationalbank, die Alpha-Bank und die Bank Griechenlands. Geöffnet ist die Ausstellung bis Ende November.

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