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Aus: Ausgabe vom 24.03.2021, Seite 1 / Titel
Tarifverhandlung

Streik mit Stau

Metall- und Elektroindustrie: Gewerkschaft macht mit Autokorso und Kundgebung in Berlin Druck. Unternehmer schalten in den Leerlauf
Von Bernd Müller
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Löhne rauf! Die IG Metall unterstrich ihre Forderungen am Dienstag in Berlin

Kilometerlang war die Blechlawine, die am Dienstag durch die Hauptstadt zog. Der Autokorso war Teil der Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg. Aus mehr als 32 Betrieben fuhren sie auf mehreren Routen in Richtung Berliner Olympiastadion. Wie IG-Metall-Sprecherin Regina Katerndahl gegenüber jW berichtete, waren es etwa 380 Fahrzeuge, die sich in die Kolonne einreihten.

Die Aktion in Berlin ist Teil des bundesweiten Tarifkonfliktes in der Metall- und Elektrobranche. Seit gut vier Wochen gibt es Warnstreiks und zahlreiche betriebliche Aktionen, an denen sich Tausende Metaller beteiligen: Mehr als 600.000 waren es nach Gewerkschaftsangaben seit Ende der Friedenspflicht.

Seit Dezember verhandeln Gewerkschaft und Unternehmen bundesweit in den jeweiligen Tarifbezirken für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Doch noch immer ist die Kapitalseite nicht zum Einlenken bereit. In den Tarifbezirken Nordrhein-Westfalen und Küste hat schon die fünfte Verhandlungsrunde stattgefunden, ohne dass die Unternehmer substantielle Angebote vorgelegt hätten, hatte die IG Metall am Freitag erklärt.

»Uns läuft die Zeit davon«, erklärte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann am Dienstag. Bis Ostern die Unterschiede am Verhandlungstisch zu überwinden sei mehr als sportlich. Sollte aber die Kapitalseite nicht bereit sein, auf die Beschäftigten zuzugehen, dann werde die Gewerkschaft nach den Feiertagen weiterstreiken.

Die Ausdauer der Gewerkschafter hat Bewegung in die Verhandlungen gebracht: Von ihrem Ziel einer Nullrunde sind die Unternehmer offenbar abgerückt. »Wir werden der IG Metall in der kommenden Woche vorschlagen, für dieses Jahr eine substantielle Einmalzahlung an die Beschäftigten tarifvertraglich zu vereinbaren«, hatte der nordrhein-westfälische Metall-Arbeitgeberpräsident Arndt Kirchhoff im Gespräch mit der FAZ (Freitagausgabe) erklärt. Im Gegenzug wolle man aber eine Ausnahmeregelung für die Betriebe, die in ernsten Schwierigkeiten stecken. Kirchhoff schätzte, dass dies bis zu 30 Prozent der Firmen betreffe.

Kirchhoffs Pläne dürften bei den Beschäftigten allerdings nicht besonders gut ankommen. Genaue Angaben, wie hoch die Einmalzahlung sein solle, machte er nicht. Er sagte, es werde »sicherlich um mehr als 100 Euro gehen«. Für 2022 sei er aber bereit, wieder eine reguläre Tariferhöhung zu vereinbaren.

Die Gewerkschafter bleiben skeptisch. Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in NRW, zeigte sich erfreut, dass die Warnstreiks Wirkung zeigen. Bei der nächsten Verhandlungsrunde am Donnerstag werde man dann bewerten, »ob sich der nach Herrn Kirchhoff substantielle Vorschlag der Arbeitgeber mit dem deckt, was wir unter substantiell verstehen«. Bis dahin werde der Warnstreik fortgesetzt.

Unberechtigt sind Zweifel nicht, wie Regina Katerndahl auf jW-Anfrage deutlich machte. Sie bestätigte, dass es auch für den Tarifbezirk Berlin-Brandenburg den Vorschlag für eine Einmalzahlung gebe. In der ersten Jahreshälfte 2022 solle diese ausgezahlt werden. Weil aber über die Höhe noch Stillschweigen herrsche, sei der Vorschlag nicht ernst zu nehmen.

Vier Prozent mehr Geld fordert die Gewerkschaft für die rund 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektrobranche. Diese sollen entweder in Form einer Lohnerhöhung an die Beschäftigten gehen oder als Teilausgleich für eine abgesenkte Arbeitszeit in den Betrieben, die von der Coronakrise stark belastet sind.

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