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Aus: Ausgabe vom 23.03.2021, Seite 6 / Ausland
Krieg im Jemen

Riad bombt weiter

Jemen: Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Kriegskoalition auch auf »neutrale Zone« in Hodeida und Salif
Von Wiebke Diehl
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Auch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa ist Wasser ein knappes Gut (22.3.2021)

Erneut hat die von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten geführte Kriegskoalition zivile Ziele in von den Ansarollah (»Huthis«) kontrollierten Gebieten im Jemen angegriffen. Am Montag wurden dabei nach Angaben der Vereinten Nationen ein Getreidehafen, ein Lager sowie ein Wohnquartier für Mitarbeiter einer Lebensmittelproduktionsfirma in Salif im Norden Hodeidas getroffen. Sechs verletzte Arbeiter wurden in Krankenhäuser gebracht. Die Hafenstadt Hodeida ist sowohl strategisch als auch für die Versorgung der Bevölkerung von großer Bedeutung. Gemäß dem 2018 unter der Ägide der Vereinten Nationen ausgehandelten Stockholm-Abkommen gelten sowohl der Hafen Salif als auch die Stadt Hodeida als neutrale Zone.

Bereits am Wochenende bombardierte die Koalition die jemenitische Hauptstadt Sanaa und Vororte von Hodeida, nachdem sich die Ansarollah zu neuerlichen Drohnenangriffen auf saudiarabische Ölanlagen in der Hauptstadt Riad vom Freitag bekannt hatten. Der den Ansarollah nahestehende Fernsehsender Al-Masira berichtete außerdem über Luftangriffe auf die Provinz Hadscha sowie in der gas- und ölreichen, hart umkämpften Provinz Marib, der letzten Regierungshochburg im Norden.

Wie mehrere Quellen aus dem Militär der von Teilen der »internationalen Gemeinschaft« anerkannten, aber demokratisch nicht legitimierten Regierung von Abed Rabbo Mansur Hadi am Freitag gegenüber AFP zugeben mussten, haben die »Huthis« inzwischen die Kontrolle über den strategisch wichtigen Berg Hilan, von dem aus sich die Stadt Marib überblicken lässt, übernommen. Sie hätten die Versorgungslinien an mehreren Fronten gekappt und stünden »in Schießweite der Al-Maschdschab-Linie im Westen von Marib«. Kommentatoren sind sich einig, dass es für die »Regierung«, auf deren Seite Al-Qaida- und IS-Anhänger kämpfen, ums Überleben geht, sollte sie Marib verlieren. Wie sehr Hadi zudem durch den Zwist mit den Separatisten des Südlichen Übergangsrats geschwächt bleibt, zeigte sich letzte Woche, als Demonstranten den Präsidialpalast vorübergehend enterten.

Am Donnerstag hat unterdessen der UN-Sicherheitsrat ein weiteres Mal zu einem Stopp der Offensive auf Marib aufgerufen. Der US-Sondergesandte für den Jemen, Timothy Lenderking, versuchte erneut, den »Huthis« die alleinige Schuld für den andauernden Krieg und die humanitäre Katastrophe zuzuschreiben, ohne die Vollblockade des Landes durch die Kriegskoalition und deren andauernde Luftangriffe auf Zivilisten auch nur zu erwähnen: Ein »guter Plan« liege seit einigen Tagen auf dem Tisch der Ansarollah. Aber scheinbar zögen diese eine militärische Offensive in Marib der humanitären Versorgung der Bevölkerung vor.

Eine ganz andere Einschätzung vom »Friedensplan« haben die Ansarollah selbst. Deren Sprecher Mohammed Abdulsalam sagte am Mittwoch gegenüber dem Nachrichtensender Al-Dschasira, der Vorschlag sehe keine Aufhebung der Blockade vor. »Wenn der Hafen und der Flughafen geöffnet werden, sind wir zu Verhandlungen bereit«, so Abdulsalam. Der jetzt auf dem Tisch liegende Plan sei nichts als eine Wiederholung der »Vision Saudi-Arabiens und der UNO«. Tatsächlich hatte der UN-Sicherheitsrat 2015 mit Verabschiedung der Resolution 2216 ein einseitiges Waffenembargo gegen die Ansarollah verhängt und diese zur bedingungslosen Kapitulation aufgefordert, anstatt die völkerrechtswidrige Militärintervention in deutlichen Worten zu verurteilen. Abdulsalam weiter: »Marib ist eine militärische Region, in der die Aggressoren operieren und in der es ausländische Streitkräfte gibt. Es gibt Fortschritte bei der Ausweisung der ausländischen Streitkräfte, und das beunruhigt die internationale Gemeinschaft.«

Nach Abschluss der angekündigten Untersuchung übernahmen die Ansarollah am Wochenende zudem die Verantwortung für den Tod von mehr als 80 vorwiegend äthiopischen Migranten, die zwei Wochen zuvor beim Brand eines Flüchtlingslagers in Sanaa gestorben waren. Wachleute hätten Tränengaskanister in einen Hangar geworfen, um Proteste zu beenden, und damit das Feuer ausgelöst. Elf Sicherheitsleute seien festgenommen worden. Organisationen wie Human Rights Watch hatten den Ansarollah vorgeworfen, gezielt in den Hangar geschossen zu haben. Mitglieder der »Regierung« sprachen gar von einem »Massaker«.

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