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Aus: Ausgabe vom 23.03.2021, Seite 5 / Inland
Großinvestition

Tesla spricht Tacheles

US-Konzern wechselt Leitung des Projekts Gigafactory in Grünheide aus. Behörden fühlen sich unter Druck gesetzt
Von Bernd Müller
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Mitten im märkischen Sand: Baustelle der Tesla-Fabrik in Grünheide

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) steht auf der Baustelle der neuen Tesla-Gigafactory in Grünheide. Geradezu euphorisch sagt er – frei übersetzt – zum Baustellenleiter Horetsky: »Evan, du bist ein Genie«. Das ist eine Szene aus der Reportage des ZDF-Magazins »Frontal 21«, die letzte Woche ausgestrahlt wurde. Doch seit Oktober leitet Horetsky den Bau nicht mehr, und seitdem sind viele irritiert über die Arbeitsweise auf der Baustelle. Das berichtete Business Insider (BI) am Sonnabend.

Teslas »Technoking« Elon Musk hat demnach Horetsky persönlich gefeuert. Ihm gefiel der »Kuschelkurs« gegenüber Landesregierung, Behörden und Bauunternehmen nicht. Die neue Führung sollte entschiedener und schroffer auftreten. Doch inzwischen herrscht laut BI ein »Führungs- und Zuständigkeitschaos« auf der Baustelle.

Ärger mit den Landesbehörden hatte es freilich schon zuvor gegeben. Nach Recherchen von »Frontal 21« fühlten sich die Mitarbeiter des Landesamtes für Umwelt (LfU) unter Druck gesetzt. In den Unterlagen der Behörde sei die Rede von einem »Stressfaktor Tesla« gewesen. Offenbar wurde seitens des Brandenburger Wirtschaftsministeriums Tempo gemacht, damit der US-Konzern schnell notwendige Genehmigungen erhielt.

Um den Elektroautobauer nach Brandenburg zu locken, hatte die Landesregierung versprochen, dass Anträge schneller als sonst bearbeitet würden. Dabei droht die Wasserversorgung in der Region auf der Strecke zu bleiben. In der ersten Ausbaustufe soll die Fabrik soviel Wasser verbrauchen wie eine Stadt mit 40.000 Einwohnern. Aber schon jetzt ist das Wasser in der Region knapp.

Ist die »Gigafactory« dann komplett ausgebaut, soll sie etwa 3,6 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauchen. Das wären etwa 30 Prozent des gesamten Wasservolumens in der Region. Auch wenn das nur ein theoretischer Höchstwert ist und es unklar ist, ob er jemals erreicht wird, lässt er den regionalen Versorger aufhorchen.

Damit sei nicht genügend Wasser da, um die Region auch weiterentwickeln zu können, sagte der Chef des zuständigen Wasserverbandes Straußberg-Erkner in der Reportage. Sollte Tesla die Produktion von 500.000 Fahrzeugen im Jahr auf zwei Millionen erhöhen, dann muss Wasser aus anderen Regionen herbeigeschafft werden. Aber auch das könnte schwierig werden: Brandenburg gehört bundesweit zu den trockensten Regionen.

Volker Preuß, Wissenschaftler der Brandenburgisch Technischen Universität in Cottbus, wies am Montag laut n-tv abermals daraufhin, dass nicht unbegrenzt Wasser bereitgestellt werden könne. »Wasser irgendwo herzaubern geht nicht«, sagte er. Nutzungsinteressen und verfügbares Wasser müssten abgeglichen werden. »Man kann das nicht beliebig nach oben treiben, da können noch so viele Arbeitsplätze im Gespräch sein«, betonte er.

Musk dürfte das kaum beeindrucken. Für die Reportage hatten ihn Journalisten direkt auf das Problem angesprochen – doch er reagierte nur zynisch. Man sehe doch, dass Bäume wachsen, sagte er. Da könne man doch nicht von Wassermangel sprechen. Man sei schließlich nicht in der Wüste.

Mehr beeindrucken dürften den Konzenchef allerdings mögliche Einschränkungen beim Absatz in China. Tesla steht dort nun unter Spionageverdacht. Ursache sind die Außenkameras der Fahrzeuge. Diese nehmen während der Fahrt und beim Parken die Umgebung in hoher Auflösung auf. Das ARD-Magazin »Kontraste« hatte im Herbst aufgedeckt, dass Tesla Zugriff auf die Bilder hat. Zudem soll es dem Tesla-System möglich sein, Kontaktlisten von Smartphones auszulesen, wenn die Geräte mit dem Fahrzeug verbunden sind.

Die chinesische Regierung hat nun die Nutzung der Tesla-Autos für Staatsbedienstete untersagt. Es wird befürchtet, sensible Daten könnten in die USA weitergeleitet werden. Ausgeschlossen ist das nicht, da Tesla immer wieder betont, dass Telematik- und Videodaten zur Verbesserung der autonomen Fahrsysteme erfasst werden. Das Verbot gilt nach einem Bericht des Wall Street Journals für Angestellte von Schlüsselkonzernen sowie für Angehörige des Militärs. Einem anderen Bericht zufolge soll auch eingeschränkt worden sein, wo sich diese Fahrzeuge aufhalten dürfen.

China ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Tesla. Im vergangenen Jahr konnte der Konzern seinen Umsatz in China auf 6,7 Milliarden US-Dollar verdoppeln. Aktuell soll der US-Elektroautobauer mit »Model 3« und »Y« rund 13 Prozent des gesamten Marktes für E-Autos in China halten, und jeder fünfte Umsatzdollar soll dort erzielt werden.

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