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Aus: Ausgabe vom 19.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Coronafürst des Tages: Jens Spahn

Von Simon Zeise
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Stern am Sinken: Gesundheitsminister Jens Spahn (Berlin, 12.3.2021)

Jens Spahn ist ein simples Gemüt. Er spricht immer von Dingen, von denen er keine Ahnung hat: »Hartz IV bedeutet keine Armut«, ist nur ein Beispiel aus dem Mund des Gesundheitsministers. Wenn er nicht gerade Unsinn verzapft, bedient er seine Klientel.

Wie der Spiegel am Donnerstag berichtete, hat Spahn sich persönlich dafür eingesetzt, dass FFP-2-Masken zu deutlich mehr als den üblichen Einkaufspreisen über den Ladentisch gingen. Die Ministerialbürokratie habe ihn noch gewarnt. Doch Bedenken sind Spahns Sache nicht. Für ihn ist die Pandemie ein PR-Gag. Schließlich will der Mann Kanzler werden. Apotheker hätten zwischen 60 Cent und 1,50 Euro für die Masken bezahlt. Spahn hatte hingegen die Spendierhosen an: Sechs Euro pro Mund-Nasen-Schutz veranschlagte der Minister. Sollten sich die Leute doch mal was gönnen – Pandemie ist schließlich nicht jedes Jahr. Weil Spahn insgesamt von 27,3 Millionen Anspruchsberechtigten ausging, belief sich die Summe für das Maskenprogramm im Dezember auf 491,7 Millionen Euro. Das Ministerium habe das Geld einfach an den Apothekerverband überwiesen, der die Summe danach an die Apothekerinnen und Apotheker verteilt habe. »Wir haben uns dumm und dämlich verdient«, sagte einer der Apotheker der Süddeutschen Zeitung.

Spahn lebt in der Coronakrise auch persönlich auf großem Fuß. Den Bau seiner Villa im noblen Berlin-Dahlem lässt er sich Millionen kosten. Wieviel genau sollte keiner wissen. Wer nachfragte und darüber schrieb, wurde verklagt. Auch gegen junge Welt zogen Spahns Anwälte zu Felde. Doch am Donnerstag gaben die Advokaten klein bei. Wie der Tagesspiegel berichtete, hätten sie den Rechteverzicht ihres Mandanten erklärt. Schreibt es an jede Hauswand, singt es lauthals in den Straßen: Spahn hat sich in der größten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg ein An­we­sen für 4,125 Millionen Euro gekauft!

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Debatte

  • Beitrag von Ralf S. aus G. (18. März 2021 um 23:55 Uhr)
    Apotheker sind halt gutbürgerliche Stammklientel, da sind Umverteilung und ein wenig unbürokratische Großzügigkeit schon in Ordnung. Besser, als das Geld der Unterschicht in den Rachen zu werfen (Hartz IV), die es nur versäuft und sowieso undankbar ist. Solidarität ist schließlich keine Einbahnstraße!
  • Beitrag von Michael M. aus B. (19. März 2021 um 20:40 Uhr)
    Und was grölt der Pöbel?

    Wir versaufen unserm Spähnchen sein klein Häuschen,

    Sein klein Häuschen, sein klein Häuschen.

    Wir versaufen unserm Spähnchen sein klein Häuschen

    Und die erste und die zweite Hypothek.
  • Beitrag von Bernd K. aus R. (19. März 2021 um 22:34 Uhr)
    Spahn hat sich seine Villa nicht (neu) bauen lassen, sondern es handelt sich um eine denkmalgeschützte Architektenvilla aus den 1920er Jahren mit parkähnlichem Garten. Also, 4,125 Millionen (vermutlich plus Maklercourtage, Mehrwertsteuer … und Cashbacks … Oder gibt es bei CDU-Politikern auch Geschäfte ohne Cashback?) für ein altes, gebrauchtes Haus, das man nicht einfach so umbauen darf, und einen aufwendig zu pflegenden Park beziehungsweise Garten sind doch irgendwie schon ein »Schnäppchen«, oder? Um Frau Klatten und Herrn Quandt zu paraphrasieren: Wer würde schon mit Herrn Spahn tauschen wollen? Na also …

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