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Aus: Ausgabe vom 15.03.2021, Seite 11 / Feuilleton
Techno

Geister der Vergangenheit

Techno fürs Wohnzimmer: Jeff Mills’ Album »The Clairvoyant«
Von Tina Manske
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Welt unterm Kopfhörer: DJ Jeff Mills bei der Arbeit

Mit seinem neuen Album holt der ziemlich legendäre Detroiter Technomusiker Jeff Mills die Hörer, wie es im Marketing-Sprech so unschön heißt, dort ab, wo sie sich befinden. »The Clair­voyant« soll nämlich am besten, so Mills, zu Hause abgespielt werden, in einem abgedunkelten Raum bei Kerzenlicht, und zwar von Anfang bis Ende und ohne irgendwelche Ablenkungen visueller oder sonstiger Art. Kein Problem, sofern wir den Fernseher ausschalten.

Ein Album über die Kraft des Sehens ist es geworden, des übersinnlichen Wahrnehmens von Vergangenheit und Zukunft. Mills hat die Zeichen der Zeit erkannt: »The Clairvoyant« verstärkt den Wunsch, in uns zu gehen, etwa um zu erfahren, wie es ist, wenn wir uns ganz auf etwas einlassen, ganz im Moment bleiben.

Das Erblühen der Art-Déco-Ästhetik vor rund hundert Jahren hat Mills fasziniert, vor allem die Zusammenkünfte Kunstinteressierter in den Salons der europäischen Großstädte haben es ihm angetan. Bei solchen Treffen waren gern sogenannte Medien, Sehende, die Hauptattraktion. Und wenngleich Mills konzeptuell mal nicht so eindeutig auf den Dancefloor abzielt, so ist die Musik doch typisch Mills von vorn bis hinten: jazzig, uneben, fordernd. Und ungewohnt psychedelisch. »Three Signs From the Other Side«, eine Art Trilogie in der Mitte des Albums, könnte glatt der Soundtrack eines Geisterfilmes sein, wie man sich überhaupt viele der Stücke sehr schön als Filme vorstellen kann, als nervös-zittrige Schwarzweißaufnahmen aus den Zwanzigern oder Dreißigern des letzten Jahrhunderts.

Selbst wenn die Umstände irgendwann danach sein sollten, Mills will »The Clairvoyant« nicht auf die großen Bühnen holen, die er seit vielen Jahren als DJ mit enorm schnellen Fingern bespielt. Das Album vermittelt Intimität und soll deshalb unbedingt auch in intimer Atmosphäre gehört werden.

Jeff Mills: »The Clairvoyant« (Axis Records)

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